Samstag, März 06, 2010

Helene Hegemann - Axolotl Roadkill

Eine persönliche Meinung zum Buch von Helene Hegemann.

Ich hatte ja schon einmal kurz über Axolotl Roadkill gebloggt, jetzt habe ich es durch und will mal kurz meinen Senf dazu abgeben. Vorab, es lohnt sich durchaus mal einen Blick zu riskieren, im hegemannschen Stil ist eine Raubkopie via Google "axolotl roadkill rapidshare" ja schnell gefunden.

Also einmal habe ich den Roadkill jetzt durch. Ich muss sagen, es ist... eine Liste. Eine Liste für Menschen, Situationen und Drogen mit denen man selbst nichts zu tun haben will. Zumindest sagt mir das die Vernunft in mir. Von abstoßenden heroinsüchtigen sexsüchtigen Pädophilen bis hin zur Hauptperson Mifti, einer wohlstandsverwahrlosten Göre der es nicht gelingt zu leben. Ob man das Buch gelesen haben muss? Wenn man sicher gehn will, dass das eigene negative Bild der Partyszene Berlins bestärkt wird, auf jeden Fall. Mir persönlich gefällt aber Holden Caulfield aus Salingers Werk wesentlich besser als Mifti, die nennt sich wirklich die ganze Zeit so.
Ob es von der Autorin gewollt war oder nicht weiß ich nicht, doch das Gefühl einen Blog zu lesen vermittelt das Buch über die ganze Zeit, abgesehn von den SMS und Email-Passagen die im typisch jugendlichen Stil der Web2.0-Generartion gehalten, sehr authentisch wirken.
Am Ende wird eines klar, es entsteht ein starkes "Fänger im Roggen" Gefühl bei mir. Ob das nun ein Plagiatsvorwurf oder lobende Kritik ist mag jeder selbst entscheiden. 

Mir hats jedenfalls "nicht" gefallen den Roadkill zu lesen, aber ausgesprochen GUT "nicht" gefallen. Denn sein wir mal ehrlich, wie sieht so ein Roadkill aus ? Eine undefinierbare Zusammenstellung verschiedenster blutiger Einzelteile, die letztlich von jedem stammen könnten.

Freitag, März 05, 2010

Rotkäppchen und der böse Wolf

"Sag mal Opi! Wie war das damals mit dem Rotkäppchen ?"
"Ach weißt du mein Clärchen, das war eine schlimme Sache. Sie wollte deine Großmutter besuchen und weil sie zu Fuß unterwegs war ging sie die Abkürzung durch den Wald, alleine. Du weißt ja, das durfte sie nicht. Und als sie da so alleine durch den Wald ging, da kam ein großer böser Wolf. Der packte sie am Ärmchen und schleppte sie in den Wald."
"Ist sie denn dann wiedergekommen Opi ?"
"Nein. Der Wolf hat sie gefressen."
"Oh, das ist ja schade. Schmecken Menschenkinder denn den Wölfen? Ich dachte die essen nur kleine Rehe, Hasen und diese Aasen?"
"Das heißt Aas mein Kind, nicht Aasen. Aber du hast Recht, eigentlich essen sie nur kleine Rehe und Hasen."
"Woher weiß man denn dann, dass es ein Wolf war der sie gefressen hat ? Es könnte doch auch ein Bär gewesen sein oder ein Löwe oder ein Tiger oder so."
"Ach mein Kind, es gibt aber doch hier gar keine Bären, Löwen und Tiger. Also muss es ein Wolf gewesen sein, schließlich hat man ja auch Teile ihres, naja, Körpers, in einer Wolfshöhle gefunden."
"Achso, ja, ich verstehe."
"So, es wird jetzt aber auch Zeit für dich nach Hause zu gehen. Ich geh mit dir wenn es dich gruselt."
"Ja Opi, das wäre nett."
In eine rote Jacke gehüllt ging Clara mit ihrem Opa durch den Wald. Da packte sie eine feste Hand am Arm.
-
Der Wolf schnüffelt, atmet tief, riecht faules Fleisch. Fremder Geruch, Menschengeruch, alter Mensch, junger Mensch. Steht still, lauscht, hört in den Wald hinein, Totenstille. Zwei Schritte, mehr Geruch, mehr Hunger. Funkeln im Mondschein, suchend, um sich blickend. Gier wird größer, Geifer trieft, geräuschlose Pfoten. Wittert, sucht, findet. Nur noch ein Mensch, faules Fleisch, leblos. Gieriger Hunger, umkreisend, lautlos immer näher. Rotes Jäckchen, kleine Ärmchen, totes Fleisch. Zähne blitzen, packen, zerren, schlingen....

... und weil es keine Wölfe mehr gibt, werden auch keine Kinder mehr von Wölfen gefressen.