Freitag, August 31, 2007

Der Morgen


Kaum hatte er die Augen aufgeschlagen, war es wieder da. Das Gefühl der Trägheit. Eine Last die so schwer auf seinem alten gebrochenen Körper lastete. Es war 8:00 Uhr und langsam schob er seine Hand zu dem lärmenden Handy um es zur Ruhe zu bringen. Wie lange hatte er geschlafen ? Es müssen drei oder vier Stunden gewesen sein seit er das letzte mal aus einem üblen Alptraum hoch geschreckt war. Er begann zu rechnen, von 22:00 bis 8:00. „Ach was solls, es spielt keine Rolle wie lange ich geschlafen habe. Mein Körper schmerzt, meine Seele stirbt in ihrem Selbstmitleid und es ist wieder einer dieser Tage an denen mein Körper nicht wach werden will.“ Langsam quälte er sich aufrecht in seinem Bett nach oben, die Müdigkeit und das weiche warme Bett verdrängend. Es war Freitag, Wochenende ! Doch die Freude die er früher gehabt hatte an einem Freitag aufzustehen und den Morgen zu genießen war lange vorbei. Schon seit Monaten stand einfach zu viel auf dem Spiel. Es war nicht die Welt die er bemitleidete, es waren nicht die Menschen die er zu retten versuchte. Nein! Einzig seine Seele wollte er vor den Göttern und ihren falschen Illusionen retten. Langsam stand er auf und dehnte seinen schmerzenden Rücken dem kalten trüben Licht entgegen das durch seine gelben Vorhänge ins Fenster drang. Die Sonne müsste man sein, dachte er, sie geht von alleine auf und am Abend wieder alleine unter, voller Energie liegt sie in einem himmlischen Bett aus Nichts und Milliarden von Seelen drehen sich jeden Tag um sie herum, sehnen sich nach ihr an kalten Tagen, erfreuen sich ihrer Kraft beim Essen und leben nur weil ihr sich dieser sonst so kalte Planet zudreht. Langsam, dem knacken und spannen seines Rückens lauschend, ging er ins Bad. Die braunen viel zu alten Kacheln begrüßten ihn im wehklagen eines Badezimmers, dass schon viel zu lange keine Renovierung mehr erlebt hatte. Er war kein schmutziger Mann, aber sooft er auch das Bad putzte, so ward ihm der Eindruck immer derselbe. Den Dreck, den er wahrzunehmen glaubte konnte er nicht abwaschen. So stand er vor der Toilette, entspannte sich, entleerte seinen wenig duftenden Morgenurin ins Klo. Dreißig Sekunden Entspannung, das waren die einzigen Sekunden an diesem Tag von denen man sagen konnte das er sich etwas entspannte. Im selben Moment als er in den Spiegel sah, der über dem Waschbecken, direkt zwischen Dusche und Toilette hing, verlor sich das Gefühl der Entspannung in die Sorgen des Tages eines unglücklichen Mannes. In Gedanken hing er noch dem Alptraum der letzten Nacht nach, als er leise zu sich sagte. “Wenn dieser Traum nur einen Tag Realität wird, kann sich die Welt die Kugel geben.“ Langsam begann sein Herz mit schnelleren Schlägen neben seinem Bewusstsein auch die restlichen Teile seines Körpers zu beleben, nicht das es etwas Gutes wahr die schmerzenden Gelenke zu fühlen und die Verspannungen zu merken die sich durch seinen ganzen Körper zogen. Doch jetzt war er wenigstens wach genug um nicht in der Dusche durch einen unachtsamen Fehltritt das Gleichgewicht zu verlieren und auf eine der scharfkantigen Armaturen zu fallen. So trafen ihn laut und hart die Tropfen des Wassers aus der Duschbrause. Immer heißer drehte er das Wasser um seinem Körper ein wenig mehr das Gefühl von Entspannung zu schenken. Dabei fiel ihm auf das sein Traum ebenfalls in der Dusche begonnen hatte. Gleich nachdem er geduscht war hatte es an der Tür geklingelt und er war hastig nur mit einem Handtuch bekleidet zur Tür geeilt. Dort hatte er gestanden, nur getrennt durch eine Holztür von ihm.