Ariakans Blog

Dienstag, Dezember 09, 2008

Alkoholproblem

Ich bin der mit dem Alkoholproblem, bin der Geschichtenerzähler.
Das Erlebte vergangener Tage zu berichten ist meine Pflicht. Doch bin ich nicht
der erlebt, bin tot. Philosophieren heißt sterben lernen, meint der Pessimist. Der Optimist hält dagegen, Philosophieren heißt leben lernen. Wer will da Optimist sein ?
Es sind zwei kleine Geschichten, die sich im Abstand einiger Jahre zugetragen haben, sie zu erzählen halte ich für interessant.

Es war einmal ein kleiner Junge, der zog mit einem Freund aus Abenteuer zu erleben. So streiften sie durch das kleine Dorf und spielten Krieg. Auf ihren Entdeckungsreisen durch das kleine Dorf hatten sie bereits jeden Vorgarten, jeden Schuppen und jeden Baum einmal im Sturm genommen und einmal in hartem Verteidigungsgefecht aufgeben müssen. So zogen sie dieses mal gen Norden, etwa einen Kilometer nördlich des Dorfes lag ihr Ziel, die "Rescheider Hecke". Ein 100m bis 300m breiter Streifer von jungen Buchen, Tannen, Brennesseln, Gestrüp, Ginster und anderen seltsamen Pflanzen. Es war wohl der natürlichste Dschungel den man in der Nähe des Dorfes, dass sonst gänzlich von Fichtenwäldern auf der einen Seite und von kargen Feldern auf der anderen Seite umschlossen war, finden konnte. So zogen die zwei Kameraden aus, den Dschungel vom Vietcong zu befreien. Schliesslich stand ein Versorgungskonvoi vor den Toren des Dorfes und seine Durchfahrt musste gesichert werden. Sie näherten sich, einer schmalen Buchenhecke aus Süden kommend der "Rescheider Hecke". Umgingen die Spitze der "Rescheider Hecke", die an dieser Stelle mit kleinen dichtengestellten Tannen bewachsen war. Dieser Teil war der jüngste Teil der Hecke, die man nach dem zweiten Weltkrieg nach einer nicht indentifizierbaren Logik bepflanzt hatte. So richtig wusste auch niemand wem dieses Stück Niemandsland gehörte und deshalb kümmerte sich außer den alten Menschen im Dorf auch niemand um dieses Fleckchen Erde. So erwarteten die zwei kleinen Soldaten bei der Bekämpfung der restlichen vietnamesischen Truppen, auf wenig Widerstand zu treffen. Leise stapften sie durch den tiefen Graben der die Hecke auf der nördlichen Seite umschloss und gingen in Richtung des Teils der mit Buchen bewachsen war.
"Volle Deckung Ariakan!"
Im Bruchteil einer Sekunde lagen die beiden flach auf dem Boden, die Holzgewehre im Anschlag und das Vorfeld beobachtend.
"Was ist los Ariacan?", fragte Ariakan.
"Da vorne, 100m auf 1 Uhr.", sagte Ariacan.
Das kleine dunkelblaue Zelt war von einem Tarnnetz umspannt und man konnte deutlich 3 unfertige Stellungen für schwere Maschinengewehre erkennen. Das Gelände absuchend entschied sich Ariakan für eine Zangenbewegung.
"Wir kreisen es ein und treffen uns hinter dem Zelt an der Buche 12 Uhr, 130m!"
"Zu Befehl Ariakan!"
Langsam krochen die beiden Soldaten voneinander weg, der eine links der andere rechts um das noch weit entfernte Zelt herum. Sicherung der Umgebung war immer das oberste Gebot bei unerwarteten Ereignissen. Nach einer fünf minütigen Sicherung der Umgebung traten sie mit durchgeladenen Waffen auf den Eingang des Zeltes zu.
"He ihr da, kommt langsam und mit erhobenen Händen heraus !"
Keine Reaktion.
"Na los kommt raus oder wir räuchern euch aus !"
Keine Reaktion.
"Zelt öffnen, ich sichere dich."
Das Zelt war leer, es lagen 3 Schlafsäcke im Zelt, ein Kampfrucksack der Bundeswehr, gefüllt mit allerlei Essen und Ausrüstung die für das Überleben im Feld notwendig war. Aber kein Zeichen von persönlichen Gegenständen. Keine Möglichkeit herauszufinden wem diese Sachen ,das Zelt und das Tarnnetz gehörten.
"He, Ariakan, lass uns das Tarnnetz mitnehmen, das können wir gut gebrauchen!"
Sollten sie soweit gehen ? Das eine war Spiel und das andere Realität. Die Eroberung des Zeltes war durchaus ok für ein paar spielende Kinder, aber das Tarnnetz stehlen ? Wem gehörte nur das Zelt, ob es Fremden Soldaten gehörte, die vielleicht aus Russland nach hiergekommen waren um Sabotage zu begehen ? Vielleicht auch einfach nur Verbrecher, die auf der Flucht vor der Polizei waren. Die drei Bundeswehrschlafsäcke ließen diese Möglichkeit zu.
"Ich glaube nicht das wir hier etwas stehlen sollten Ariacan."
"Wieso ? Wir können es doch heute Abend zurückgeben."
"Weißt du denn wem die Sachen hier alle gehören ?"
"Nein. Ist doch auch egal."
Eine undefinierte Angst machte sich in Ariakans Magen breit, sie waren schon viel zu lange hier an diesem Ort. Das Dorf würden sie niemals erreichen, sollten die drei Besitzer sie hier überraschen. Niemand würde ihre Schreie hören, wenn sie erkennen mussten, dass ihre Holzgewehre nur Luft verschossen. Ein sanfter Wind floß durch den Buchenwald und Ariakan fröstelte.
"Ich sage wir verschwinden von hier und melden zu Hause das wir das hier alles gefunden haben. Es könnte Mördern oder Spionen gehören."
Die Verwendung der beiden mächtigsten Wörter half Ariakan, Ariacan davon zu überzeugen endlich den Ort zu verlassen. Welcher Soldat hatte keine Angst vor Mördern und Spionen ?
Um einer möglichen Gefangennahme zu entgehen, streiften sie nach Westen durch die Rescheider Hecke den langezogenen Hügel hinauf, bis sie in den oberen Teil des Dorfes gelangten. Umgingen so die Gefahr bereits beim Anrücken auf die Hecke beobachtet worden zu sein. Als sie im Oberdorf angekommen waren begannen sie in einen leichten Trab zu verfallen und liefen in den unteren Teil des Dorfes.
"Ich muss jetzt Essen gehen Ariacan."
"Ja ok, ich auch, bis heute Nachmittag Ariakan."
Am Mittagstisch erzählte Ariakan seiner Mutter von dem Erlebnis.
"Es könnten Spione oder Mörder sein, ich meine wir sollten der Polizei bescheid sagen Mama."
"Ach Ariakan, dat sin bestimmt nur Zigeuner. Aber geht da nicht mehr hin, das ist zu gefährlich."
"Und wenn es doch Mörder oder russiche Spione sind ? Wir brauchen die ja nur anzurufen und zu sagen was ist, dann kann die Polizei das selbst entscheiden."
"Ich red da gleich mal mit Papa drüber, jetzt iß auf und mach dir keine Sorgen mehr darum Ariakan."
"Dann sagst du ihm Bescheid und er kann die Polizei anrufen ?"
"Ja, mach ich. Iß den Blumenkohl jetzt!"
Am Nachmittag machte Ariakan sich auf den Weg ins Unterdorf zu seinem Freund Ariacan, er würde die Ereignisse nocheinmal mit ihm durchgehen. Vielleicht hatte seine Mutter ja auch schon mit der Polizei gesprochen, dann müsste sein Papa das nicht machen.
Es klingelt und die Oma von Ariacan öffnete wie gewohnt die Tür. Immer rauchend schaute sie auf den kleinen Soldaten herab und begrüßte ihn mit ihrer rauchigen Stimme.
"Mir gehts gut und dir ? Habt ihr schon die Polizei angerufen ?"
"Die Polizei ? Wofür datt denn ?" Misstrauisch blickte die alte Frau über den kleinen Soldaten hinweg auf die Straße des Dorfes.
Drei Stunden später, 20 Meter entfernt von Ariacans Elternhaus in einem Keller.
"Du hast die Plätzchen gestohlen Ariakan!"
"Welche Plätzchen ? Ich kann mich nichtmal erinnern welche in eurem Zelt gesehen zu haben! Ich habe keine Plätzchen gestohlen!"
"Dann hat eben der andere Ariacan die Plätzen gestohlen!"
"Ariacan hat die auch nicht geklaut, wir waren zusammen da und sind zusammen wieder weg. Danach oder davor hätte jeder andere dahin gehen können und die klauen können! Jetzt bindet mich wieder los ! Wir wussten ja nicht das das Zelt euch gehört!"
Der Junge mit den dunklen Augen setzte sich Ariakan direkt gegenüber und schaute ihm tief in die Augen. "Der andere Ariacan, hat mir gesagt das du sie genommen hast. Ich weiß das er vielleicht lügt und du sie nicht genommen hast, hat er sie genommen ?"
"Sag mal spinnst du ? Ich hab deine scheiss Plätzchen nicht genommen und es ist mir egal was Ariacan sagt, der lügt wenn er sagt ich hätte sie genommen!"
Die Vernehmung wechselte zwischen den drei Besitzern der Schläfsäcke hin und her. Sie versuchten es mit Drohungen, Androhung von Folter und Schmeicheleien. Am Ende dieser mehrstündigen Tortour wurden Ariakan und Ariacan jedoch freigelassen. Da es sich lediglich um eine Packung Plätzchen handelte, deren Wert nicht die 1,50DM überschritt hatte diese Geschichte kaum einen wirklichen Geschädigten. Abgesehen von dem Verhältnis zwischen dem dunkeläugigen Jungen und Ariakan.


Die zweite Geschichte die ich erzählen will ist kürzer und spielt sechs oder sieben Jahre später in einem Nachbarort, dem neuen Wohnort von Ariakan, gleichermaßen vom Wohnort des dunkeläugigen Jungen, deren Häuser in Sichtweite liegen.
Wie so oft schaute Ariakan auch an diesem Tag verträumt aus seinem Schlafzimmerfenster hinaus. Schaute über den Garten, die kleine Buchenhecke, das Feld mit den Kühen auf das Haus indem er wohnte. Heute hatte er sein Mofa im Hof völlig auseinandergebaut und saß im Schneidersitz über den Einzelteilen. Ariakan dachte darüber nach, dass er hinüber gehen sollte und mit ihm sprechen sollte. Einfach nur miteinander Reden würde dem dunkeläugigen Jungen sicher helfen und ihn etwas aufheitern. Andererseits, wie heitert man jemanden auf, der schon 2 Jahre länger lebt als die Ärzte es einem prognostiziert haben ? Er litt an einer seltenen unheilbaren Blutkrebskrankheit. Es muss die Hölle für diesen hochintelligenten netten dunkeläugigen Jungen gewesen sein, als er merkte das seine Freunde sich mehr und mehr von ihm entfernten. Mit einem Toten will eben niemand befreundet sein, oder fast tot. So stand auch Ariakan, der 5 Jahre jünger als der Junge war, nur an seinem Fenster und starrte aus sicherer Entfernung auf den Jungen hinab.
Morgen gehe ich zu ihm und sage ihm, dass ich die Plätzchen wirklich nicht gestohlen habe und ich ihm verzeihe das er mich damals gefoltert hat. Dann stirbt er wenigstens reinen Gewissens. Morgen geh ich hin.
Ritualhaft wiederholte Ariakan diese Gedanken, Tag für Tag. Oft starrte er stundenlang einfach nur aus seinem Fenster in Richtung des dunkeläugigen Jungens und fragte sich wie das wohl ist. Sterben zu müssen, sehr bald sterben zu müssen. Ständig Schmerzen haben zu müssen, Lungen zu haben, die sich vom ständigen Gebrauch einer Sauerstoffmaske langsam auflösen. Niemanden außerhalb seiner Familie zu haben der einen besucht. Niemanden zu haben, der einen begleitet beim Sterben. Wochenlang lag er in seinem Haus, dann im Krankenhaus und am Ende wieder in seinem Haus. Doch Ariakan fand niemals den Mut durch den Garten zu robben, das kleine Feld durch die Hecke zu sichern und sich langsam mit der Waffe im Anschlag an das Haus des dunkeläugigen Jungen anzuschleichen um "Hallo" zu sagen.

Prost !

Montag, Dezember 08, 2008

Alter Freund, alter Feind....

Freiheit !


Ich will weinen, will mir dieses Joch wegspülen mit meinen Tränen.
Der Mensch ist leider nicht naiv, sonst würd er spüren wie ich spür.

Freiheit !

Hilf mir oh Freund, ja mich oh Feind!

Ich war dein Schatten, das Licht schuf mich,
doch niemals berührte ich das Licht.

freiheit

hilf oh schlaf, hilf mir, mach mir das leben leichter durch einen traum, einen einzigen traum ....

Samstag, Dezember 06, 2008

Hirschbrunft

Ein kalter Nebel lag über den Tälern der Eifel. Die Hochwiesen waren von erstem zarten Raureif gekrönt, die Sonne trug nur langsam die Wärme des Spätsommers heran und in den Wäldern konnte man die Hirsche bei der Brunft belauschen. Das Ende des Septembers ist seit je her die friedvollste Zeit in der Eifel. Das letzte Heu ist Eingefahren, die Kühe genießen die letzten Wochen im Freien, die Gärten sind leer und die Keller gefüllt mit allerlei Eingemachtem. In den Wäldern der Eifel herrscht gerade Schonzeit, um die Hirschbrunft nach Möglichkeit nicht zu stören. Es ist die große Zeit der Tiere,denn kaum ein Mensch verirrt sich um diese Zeit in den Wald. Es gibt natürlich Führungen von den Rangern im Nationalpark zu ausgewählten Plätzen wo sich die Hirsche treffen und Frühaufsteher, Naturfreunde und Rentner tummeln sich auf den Wanderwegen im neuen Nationalpark Eifel. Zur selben Zeit ist ein anderes Gebiet in der Eifel jedoch menschenleer. Es ist der Wald zwischen den kleinen Dörfern Udenbreth und Losheimer Graben. Dieser Wald, der zum Deutsch-Belgischen Naturpark gehört, wird durchschnitten von der Bundesstraße 265 und teilt den Wald in einen belgischen und einen deutschen Teil auf.

Die Geschehnisse die berichtet werden müssen, spielten sich im Umfeld eben dieser Bundesstraße 265 ab. Es war ein kühler Septembermorgen als Erhardt Hanf seinen alten Mercedes 190d über die B265 in Richtung Losheimer Graben lenkte. Wie jeden Samstagmorgen, wollte er auch an diesem in Belgien nahe Losheim tanken. Der Diesel war schließlich um einiges billiger als in Deutschland und die sprachliche Nähe zwischen Eiflern auf beiden Seiten der Grenze hatte ein langes vertrauensvolles wirtschaftliches Zusammenleben geformt. Seit dem Niedergang des 3. Reiches hatten die deutschen Eifler zunächst durch Schmuggel, später durch halb legale Kaffeefahrten die Deutsche Mark in die Region getragen. Immer waren sie dabei dankbar und freundlich von den deutschen Belgiern aufgenommen worden. Seit der Öffnung der Grenzen und des neuen europäischen Binnenmarktes war es zwar kein Abenteuer mehr in Belgien Kaffee einzukaufen und die Eifler litten unter den unerhörhten Preiserhöhungen der Belgier, aber Traditionen werden in der Eifel gehegt und gepflegt. So setzte auch der 67 jährige Erhardt Hanf diese Tradition fort. An diesem Morgen jedoch, sollte alles anders als geplant kommen. Erhardt fuhr gerade auf eine langgezogene Linkskurve zu, als er zu seiner linken einen Schatten im Wald bemerkte. Er drosselte seinen Wagen und schaute genauer in den Wald, schließlich war es die Zeit der Hirschbrunft und Erhardt wollte sich kein wildes Tier entgehen lassen. Der Schatten war jedoch schneller als die Augen des alten Mannes und so gab Erhardt resigniert seinem alten Mercedes die Sporen.

Der Schatten starrte dem schwarz rauchenden Auto nach und erst als der Wagen die lange Kurve passiert hatte kreuzte er die Straße und verschwand im belgischen Teil des Waldes. Immer tiefer glitt der Schatten in den Wald, streifte sterbende Bäume und erfrorenes Getier bis er schließlich an einem der letzten erhaltenen Bunker der Siegfried-Linie inne hielt. Es war einer der verschollenen Bunker. Niemand hatte ihn bisher entdeckt und das würde auch so bleiben befand der Schatten. Die meisten der alten Bunkeranlagen waren nach dem 2.Weltkrieg zunächst von der Zivilbevölkerung geplündert und anschließend von den Besatzungstruppen gesprengt worden. Doch der vermeintlichen Genialität eines bösartigen Regiemes war es zu verdanken, dass die mehrfach über den Haufen geworfenen Pläne des "Westwalls" einige Bunker entstehen ließen, die heute auf keiner Karte mehr verzeichnet sind. Als 1944 das Ende nahte und die letzte mögliche Verteidigungslinie bezogen werden sollte, fehlten teilweise sogar die Schlüssel für die Bunker, niemand wusste mehr wo sie waren. So hatte der Schatten hier seit Jahren ein unentdecktes Versteck. Müde von der Anstrengung lehnte er sich an die Innenseite der schweren Eingangstür und seufzte erschöpft. Blut rann von seinen Unterarmen hinab, tropfte über die schwarze Hose hinab auf den staubigen Boden des Bunkers. Er hasste diesen Teil, doch es musste getan werden. Behend zog der sich in den Lüftungsschacht im ersten Raum des Bunkers, die Leiche die er bis eben noch auf seinem Rücken gebunden hatte zog er an einem Seil hinter sich in den Lüftungsschacht. Der Bunker war nach dem Bau versiegelt worden und so konnte man lediglich über den Lüftungsschaft die hinteren Räume erreichen. Der Schatten warf die Leiche aus dem Lüftungsschaft herraus in die Schwärze des Raums, keuchte und folgte dem Blutgeruch in den dunklen Raum. Es roch nach einer Mischung aus Fleisch, Schweiß und scharfem bissigen Rauch.

"Das macht dann 43 Euro und 97 Cent, bitte." "Wat säste ? 43 Euro ? Dat sin ja 86 Mark! Man wat is der Sprit düh jehre. Da komm he häste fufzich, jeff mehr acht und mir sin früngde." "Äh ja, also ähm. Sie bekommen 7 Euro und 3 Cent zurück, hier bitte." "Watt fü ne Labbes bis du dann ? Du wirkst och noch net lang he, wa ?" "Aehm nein, ich bin neu hier. Schülerjob." "Ach jo, weßte ich kuhn alt singk sechzich johr alt immer her. Ich könnt dir vann dennen Schmuggler jet verzelle. Do häfste de Driss bis ungert de Uhre stohn, Jüngelche, ever ich han ken Zigt, so mach et joot." "Auf Wiedersehen. Schönes Wochenende." Kopfschüttelnd schaute der etwas picklige Junge dem alten Erhardt nach. Das würde was werden, wenn hier jeder Kunde so ein wirres Deutsch redete. Doch der Eifler hatte ihn nicht beschissen wie sein Chef ihn vorher gewarnt hatte. 8 Euro hatte er gewollt, doch schließliche waren es nur 7 Euro und 3 Cent gewesen. "Oh, nein. So ein Mist", fluchend rechnete der Junge den Betrag ein drittes mal nach. Er hatte sich beim ersten Mal verrechnet und dieser dreiste alte Mann hatte einfach einen noch höheren Betrag als Rückgeld gefordert. "So ein mieser Trick, dieser grässliche alte Mann. Was sage ich nur meinem Chef ? Vielleicht sollte ich den Euro einfach selbst in die Kasse legen!?" Mit einem breiten Grinsen stieg Erhardt in seinen alten Mercedes 190d und startete den Motor. "Dem han ich de Zahle um de Kopp jeschmisse, wa ?" Glücklich über den ergaunerten Euro fuhr Erhardt zurück auf die Bundesstraße Richtung Udenbreth. "Un jetz noch en Hiirsch und der Dach kan anfange." Als Erhardt die nun langgezogene Rechtskurve erreichte drosselte er die Geschwindigkeit seines Mercedes und schaltet in den ersten Gang. Der Schatten von eben konnte schließlich noch immer da sein und er wollte sich den vermeintlichen Hirsch nicht entgehen lassen. Der Blick des alten Mannes streifte durch die Baumreihen, immer und immer wieder, doch er konnte nichts entdecken. Gerade als der alte Mann wieder in den zweiten Gang schalten wollte sah er es. "Wat is dat dann ? Do hät wer en Jack ob nem Bom hänge losse." Der Mercedes stoppte. Der alte Mann zog sich langsam und etwas stöhnend aus dem großen Auto heraus und ging um das Fahrzeug herum, über die Leitplanke auf einen kleinen Baum zu über dem eine dunkelgrüne Jacke hing. Schon beim näherkommen stockte dem alten Mann der Atem. "Datt, datt, datt, datt is doch Bloot!" Überall um die Jacke herum lagen Innereien und Blut verteilt. Überall waren blutgetränkte niedergetrampelte Farne. Ein blutiges Loch inmitten des sonst grünen Waldes. Am Fuß des kleinen Baumes lag eine blutige Axt, direkt unter der dunkelgrünen Jacke.

Der Schatten zog sich zurück durch den Lüftungsschaft, Schweiß rann über seine Stirn und die Wut über seinen Fehler machte ihn rasend. Er hatte seine Jacke und die Axt vergessen. Dieser alte Mercedes hatte ihn so sehr abgelenkt, dass er nur noch seinen sicheren Bunker erreichen wollte. Nun galt es schnell die Jacke und noch wichtiger die Axt zurück zu holen. Behend glitt er durch die halb geöffnete Bunkertür ins Freie. Geblendet von der Sonne ging er zunächst vorsichtig, dann immer schneller werdend zurück zum dem Ort an dem er seine Axt vergessen hatte. Er musste sie wiederhaben, sie war wichtig, ohne sie konnte er nicht weitermachen. Da sah er gerade als er die Straße erreichte den leeren Mercedes. Die Warnblinkanlage blinkte, doch zu sehen war niemand in dem Wagen.


*2:57 Uhr, bin müde, Fortsetzung folgt und Übearbeitung folgen*

Donnerstag, Oktober 23, 2008

"Schusswaffen nerven mich!"

Das kleine Lagerfeuer des Wanderers spendete kaum Licht. Dennoch versuchte Charles in seinem Buch die verworrenen Aufzeichungen zu entziffern, die sein Freund David ihm hinterlassen hatte. David war einer der ersten gewesen, er hatte sich verwandelt. Er war von einem Freund zu einem gierigen blutdürstenden Zombie geworden. Er war es auch gewesen der Charles das Auge ausgerissen hatte, bei dem Versuch direkt etwas von Charles Gehirn zu fressen. Kurz bevor Charles seinem besten Freund mit der Beretta den Rest des Gehirns weggeblasen hatte. Jetzt waren die letzten Aufzeichnungen Davids das letzte Zeugnis menschlicher Existenz auf dem Planeten und der Wanderer las in ihnen. Charles war der Wanderer, so hatten ihn die letzten Überlebenden des kleinen Ortes Rheinbach getauft, bevor auch sie von der Horde überrannt wurden.
Als das kleine Lagerfeuer immer schwächer wurde legte sich der Mantel der Nacht um Charles und er schlief ein.

"Schusswaffen nerven mich.", rief El Capitan.
"Verdammt, er stirbt nicht! Er stirbt einfach nicht! David ich brauche mehr Munition !" "Charles es hat keinen Sinn! Er wird nicht sterben, wir müssen fliehen!"
El Capitan richtete sich auf und seine völlig durchlöcherte Kleidung haftete kaum noch an seinem dürren Leib. David und Charles hatten seit Stunden den Körper El Capitans mit Schüssen bearbeitet. Charles zielte ein letztes mal mit der Schrotflinte auf El Capitan und drückte ab. Der Kopf des hageren zerfezte vor den Augen Charles. Doch nach wenigen Minuten bereits richtete sich El Capitan mit den immer gleichen Worten auf "Schusswaffen nerven mich!".

Mittwoch, Juli 23, 2008

Unifreunde

Es ist Herbst, das Laub fällt von den Bäumen.
Der kalte Wind des Schicksals treibt die Blätter fort.
Entfernt ihrem Stamm treiben sie umher.

Bei Träumen, Kippenstummeln und alten Tauben sammeln sie sich.
Treffen sich, lieben sich und haften fest am Bildungskot.
Es ist Winter, das Laub friert zusammen.

Es ist Frühling, frische neue Blätter sprießen.
Voller Hoffnung auf neues Grün treibt das letzte Laub.
Eine Harke, ein Gebläse, ein Feuer. Totes Laub.

Ein letztes braunes zerbrechliches Blatt liegt dar.
Die Sonne brennt die letzte Lebenskraft hinaus.
Es ist Sommer, nichts vom Vorjahr ist mehr grün.

Samstag, Juni 21, 2008

Das Elfenmädchen

Schüchtern blickte Laurana auf ihre ledernen Elfenstiefel. Sie konnte Loracs Blick nicht lange standhalten, dass konnte sie nie. Doch nun war es anders, er hatte sie gebeten etwas für ihn zu tun. Etwas verbotenes, etwas dass sie nicht tun wollte, doch so sehr es ihr widerstrebte, so sehr liebte sie den jungen gut aussehenden Elfen.

„Nun, ich weiß, es ist viel um das ich dich bitte.“, begann Lorac, „Doch ich kenne niemanden sonst der es tun könnte und ich liebe sie doch so sehr. Bitte Laurana, sieh mich an!“

Kurz blickte sie auf und sah in seine gehetzten mandelförmigen Elfenaugen. Gestern hatte der Rat beschlossen Lorac, den Sohn des Elfenlord von Qualinesti, mit Alice einer Prinzessin der Silvanesti zu verheiraten. Heute Mittag sollte eine Gesandtschaft mit einem Brief von Loracs Vater zu den Silvanesti aufbrechen und Alice den Hof machen.

Doch Lorac liebte eine andere, wie sehr hätte Laurana sich danach gesehnt das sie diese andere wäre, doch es war Kersin der Lorac sein Herz geschenkt hatte. Deshalb sollte Laurana nun den Brief von Loracs Vater durch einen Brief von Lorac an Alice austauschen. Dieser Brief enthalte so viele Beleidigungen, meinte Lorac, das es Alice unmöglich sein werde ihn zu heiraten. Laurana hätte liebend gerne den Brief von Loracs Vater an Alice zerrissen und mit Drachen gekämpft, nur um zu verhindern das ihr geliebter Lorac eine andere heiratet. Doch sie wusste, sie würde es nur tun um Lorac an eine andere Frau zu verlieren und das macht es ihr so entsetzlich schwer. Jetzt da sie in die traurigen braunen Augen Loracs sah, schien sie die Kontrolle zu verlieren. Ihr Magen zog sich schmerzvoll zusammen, ihr Herz begann zu rasen und sie spürte die ganze Macht der Liebe zu ihm die auf sie einstürzte.

„Also gut, gib mir den Brief, ich tue es! Für… dich…“

Sie riss ihm den Brief aus der Hand und drehte sich so schnell um, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte. Doch das war ihr egal, auf keinen Fall durfte er ihre Tränen sehen, die jetzt immer schneller aus ihren Augen rannten.

„Danke, Laurana. Ich möchte…“ Er wollte seiner Dankbarkeit mehr Ausdruck verleihen und sie in den Arm nehmen. Doch bei der ersten Berührung hatte sie sich in Bewegung gesetzt und war in den Wald gelaufen. Jetzt stand Lorac alleine auf der Lichtung die von mächtigen Vallenholzbäumen umschlossen war. Laurana hatte ihm wieder Hoffnung geschenkt und so begannen seine Augen ein wenig mehr zu strahlen. „Eine gute Freundin.“, murmelte er und wandte sich ab um in Richtung Qualinost zu gehen.

Laurana rannte zwischen den mächtigen Vallenholzbäumen in Richtung der Ostgrenze des Qualinestireichs. Mit der Anmut einer Katze und der Geschwindigkeit die jedem Wolf getrotzt hätte rannte sie. Sprang über Bäche, duckte sich behänd unter sterbenden Bäumen die bereits umgefallen waren. Sie rannte immer weiter. Erst als ihre Lungen so entsetzlich brannten als würde sie Feuer atmen und als ihre Tränen nicht mehr als trockene Salzflüsse auf ihren Wangen waren, gestattete Laurana sich dass Tempo zu reduzieren. Sie verfiel in einen weniger katzenartigen dafür aber ausdauernden Lauf.

Sie hatte Loracs Gefallen erledigt, doch gerade als sie das Nachtlager der Gesandtschaft verlassen wollte, war etwas schief gelaufen. Sie hatte nur kurz ihre Konzentration verloren, als sie eines der Geschenke aus dem Augenwinkel bewundert hatte, dass für Alice bestimmt war. Deshalb und wegen des Schmerzes, den die Erinnerung an Lorac in diesem Moment über sie brachte, hatte sie den Ast nicht bemerkt der sich drohend unter ihren Füßen bog. Im letzten Moment hatte sie noch versucht ihr Gewicht zu verlagern damit der Ast nicht brechen würde. Doch es war zu spät. Mit einem scheinbar endlos langen Krächzen brach der Ast. Sofort war die Wache vom Feuer aufgesprungen und bewegte sich drohend schnell in Lauranas Richtung. In einem kurzen Kampf hatte Laurana sich zwar befreien können und war geflohen, doch die Wache hatte sie erkannt. Vorwurfsvoll hatte er ihr nachgerufen und sie gebeten stehen zu bleiben. Doch sie wusste es würde keinen Unterschied machen. Sobald der Brief in Silvanesti angekommen war, würde man verstehen was sie beim Lager getan hatte. Und man würde sie und ihre Familie entehrt in die Verbannung schicken. Lorac hingegen, als einziger Sohn des Elfenlords, käme ungeschoren davon.

Damit ist mein Schicksal besiegelt. Ich kann nie wieder zurück nach Qualinost.

Lauranas Gedanken kreisten wie in einem Wirbel um Lorac, ihre Familie und all die anderen die sie nun hinter sich lassen musste. Sie verschärfte ihre Geschwindigkeit erneut um den Schmerz ihrer Seele mit den qualvollen Schmerzen ihres Körpers zu übertönen. So erreichte sie im Morgengrauen die Grenze des Qualinesti Reiches. Sie trieb ihren völlig erschöpften Körper jedoch immer weiter ohne auf die warnenden Signale in ihrer Brust zu achten, das Pfeifen bei jedem Atemzug ignorierend rannte sie immer weiter. Sie hatte bereits jedes Gefühl für Zeit und Schmerz verloren, als gegen Nachmittag ihr katzenhafter Körper seinen Dienst versagte und sie in eine tiefe Schwärze fiel. Sie empfand nichts mehr, als ihr Körper unter einem Ginsterbusch zum erliegen kam. Sie fiel einfach in ein tiefes schwarzes Nichts hinein, ohne Gedanken, ohne Gefühle, ohne Bewusstsein.

„Gnarr volk uter holen.“ „Ratznargar!! Ratznagar!!“ Ein wildes kreischendes Stimmengewirr zog ihr Bewusstsein aus der Tiefe des Nichts in das sie gefallen war. Ein bohrender Schmerz an ihren Beinen und ihren Handgelenken zog an ihr. Immer weiter hinauf aus dem Nichts, tauchte sie vorbei an Schatten des Schmerzes bis sie das Bewusstsein wieder erlangt hatte.

Wo bin ich? Was ist geschehen?

Sie erkannte ihre Lage so schnell, dass sie drohte wieder das Bewusstsein zu verlieren. So hart traf sie der Schock der Erkenntnis. Ihre Hände und Beine waren gefesselt, sie lag etwas abseits unter einer mächtigen Eiche und starrte voller Entsetzen auf ein Gruppe Goblins die um ein kleines Feuer herum saßen. Einer der Goblins brabbelte in der kreischenden Goblinsprache auf die anderen ein. Die anderen Goblins starrten gebannt auf den Erzähler und schienen völlig gefesselt von seinem Imponiergehabe.

Wahrscheinlich erzählt er ihnen gerade wie schwierig es war mich gefangen zu nehmen. Ich muss hier weg, wer weiß was sie mit mir anstellen, wenn sie entdecken dass ich wach bin.

Lauranas Hände waren ihr auf dem Rücken zusammengebunden, vorsichtig versuchte sie eine der vielen Geheimtaschen an ihrem Lederwams zu erreichen. Nach und nach kam sie immer näher an die Tasche heran. Gerade als sie das kleine Messer zwischen ihre Fingerspitzen bekam deutete einer der Goblins auf Laurana. Er hatte ihre Bewegung bemerkt und sprang nun voller Freude über die gemachte Entdeckung den Erzähler an. Dieser kam ins straucheln und sie vielen rücklings auf das kleine Feuer.

Jetzt oder nie! Komm schon.

Mit einem geschickten Fingertanz bewegte Laurana das Messer zwischen ihre Hände und Schnitt das dünne aber feste lederne Seil durch. Gerade als sie ihre Füße von dem anderen Seil befreit hatte bemerkten die Goblins das ihr Paket begann sich zu bewegen.

„Tschutzlut! Tschutzlut! Temap gnarr, holen Ektze!“

„Mollog!“ „Molloooog!“

Die Goblins hatten ihre kleinen Schwerter gezogen und stürzten sich auf die Stelle wo Laurana noch vor ein paar Sekunden gelegen hatte. Sie sprang mit einem elfischen Kampfschrei auf und machte einen großen Satz zur Seite. Angestrengt suchte sie mit ihren scharfen Elfenaugen den Platz ab, sie wollte auf keinen Fall ohne ihren Dolch verschwinden. Sie erspähte ihn direkt neben dem kleinen mittlerweile verwüsteten Feuer und rannte auf ihn zu. Die Goblins, die sich durch den unerwarteten Schrei Lauranas zunächst etwas erschrocken hinter die dicke Eiche geflüchtet hatten kamen nun entschlossen um dieselbe herum und stürmten mit wildem Geschrei auf Laurana zu. Gerade als sie ihren Dolch in Händen hielt bemerkte sie wie die fünf Goblins im Halbkreis auf sie zu stürmten.

Laurana wich dem ersten Schwert des Goblins der direkt auf sie zulief aus, stach mit hoher Geschwindigkeit in die Brust des kleinen grünen Goblins und streckte ihn nieder. Sie packte den kreischenden sterbenden Goblin und presste ihn von sich weg nach links in Richtung zwei weiterer anstürmender Goblins. Die drei Goblins prallten zusammen und gaben Laurana genug Zeit sich nach vorne zu bewegen um den beiden Goblins die von ihrer Rechten her angriffen auszuweichen. So gleich setzte sie zu einem Sprint an und erreichte mit wenigen Schritten die Eiche. Auf der anderen Seite der Eiche angekommen zog sie sich den Baum hinauf. Während das wilde und wütende Gekreische der Goblins immer näher kam konzentrierte sich Laurana darauf mit den Schatten zu verschmelzen. Ihr Geist wurde ruhig und ihre Atmung nahm, trotz des Adrenalins und der schmerzhaften kleinen Krämpfe die sie in ihrem ganzen Körper verspürte, einen ruhigen fast merklosen Rhythmus an. Die wohlbekannte Kälte begann langsam ihren Körper von innen her zu durchströmen, dabei begann ihr Geist die Formen der sie umgebenden Schatten zu verinnerlichen. Gerade als die Goblins um den Baum herum streiften war sie völlig mit den Schatten verschmolzen. Die Goblins hatten wohl nie wirklich gedacht, sie würde sich direkt hinter der Eiche verstecken, so stürmten sie mit wütendem Gekreische weiter in den Wald hinein.

Das war knapp. Diese dümmlichen Goblins sind wirklich schlimmer als ich sie mir vorgestellt hatte. Ich werde Lorac…Laurana brach den Gedanken ab, sofort war die Erinnerung an die letzten Tage zurückgekehrt. Loracs Bitte, die Suche nach der Gesandtschaft die auf dem Weg nach Silvanest war, die Flucht aus dem Elfenreich und all der Schmerz der ihr die letzten Tage auf der Seele lag.

Dummes Elfenmädchen, reiß dich zusammen! Wenn du weiter so verbittert durch die Welt ziehst wirst du noch in einem Kochtopf für Trolle enden! Ich muss hier erstmal weg und dann sehen wir weiter.

Laurana wartete noch einige Minuten auf der Eiche ab, bis sie die Goblins kaum noch hören konnte. Dann schwang sie sich behänd vom dem mächtigen alten Baum und lief weiter Richtung Osten. Laurana gönnte sich nie mehr als vier bis fünf Stunden Rast und schlief kaum, denn zu groß war ihre Angst hier mitten in der Wildnis ein weiteres Mal auf Goblins zu treffen. So kam sie völlig entkräftet und ausgehungert an einem nebligen Vormittag an das Ende des großen Waldes. Die Sonne war noch nicht völlig durch den Nebel gedrungen der die saftigen grünen Täler umschlossen hielt. Doch sie konnte das Dorf und den Rauch der aus vereinzelten Schornsteinen stieg bereits sehen. Hoffnungsvoll wanderte sie auf das Dorf zu.

Dienstag, Juni 17, 2008

The last Dawn

Ein schroffer Wind blies den von Rotbuchen geäumten Hügel hinunter ins Tal. Die Abendsonne sank ein Stück tiefer und Charles öffnete die Augen. Er musste eingeschlafen sein, zu bequem war sein Schaukelstuhl. Der feine Staub der sich auf der Veranda gesammelt hatte tanzte in Kreisen davon, als der Wind die Veranda, das alte viktorianische Haus und Charles Hut erfasste. Mit einer schnellen Handbewegung griff Charles schneller zum Hut als der Wind in der Lage gewesen wäre dem alten Mann denselben zu stehlen.

Charles stand von seinem alten mit Decken zur Gemütlichkeit verdammten Schaukelstuhl auf und öffnete das Fliegengitter zum Hauseingang.

„Oh Danny, was schaust du denn so betrübt aus? Hab ich etwa das Abendessen schon wieder verpasst? Sag mir doch, wo ist deine Mutter? Kate ?“

Gerade wollte Charles sich an seinem Enkel Danny vorbei in den mit heller Fichte verkleideten Flur des alten Hauses drängen. Doch der blonde 23 jährige, dessen breite Schultern begannen Charles zu überragen ließ, ihn nicht vorbei.

„Großvater. Das essen ist noch nicht fertig, Mutter ruft uns! Setzen wir uns noch einen Moment auf die Veranda. Wir müssen reden!“

Erstaunt über die Ruhe und Kraft in der Stimme von Danny wandte sich der alte Mann um und ging ohne ein weiteres Wort zurück auf die Veranda, setzte sich in seinen Schaukelstuhl, griff nach seinem Tabaksbeutel und sah Danny nachdenklich an. Danny blickte sich auf der Veranda um als wäre dieser Ort etwas Neues für ihn.

„Nun Danny. Warum hast du deinen alten Großvater wieder in die Kälte des Herbstwindes gejagt?“

Danny nahm sich einen Stuhl von einem großen alten Eichentisch vor der Veranda und setzte sich neben Charles auf die Veranda. Erst jetzt bemerkte Danny die innere Anspannung, die Hitze die immer noch in seinem Kopf widerhallte und die weichen Knie, die so typisch waren, nach einer Nacht im Web.

„Großvater. Ich muss wissen wie es damals im großen Krieg war, du weißt schon 2009, als das erste Web plötzlich ausgeschaltet wurde. Ich glaube das.. Nun, das ich etwas nicht richtig verstehe. Wie habt ihr ohne das Web weiter gemacht? Womit habt ihr damals kommuniziert?“

Charles Miene hatte sich bei der Erwähnung des Jahres 2009 so stark verdunkelt als wolle er das letzte Licht des Tages in sich hineinsaugen. Er schaute von Danny herab auf seine Hände und drehte die Zigarette zu Ende. Langsam und bedächtig, seine Miene langsam wieder befriedend, steckte er sich die Zigarette mit seinem alten Benzinfeuerzeug an.

„Nun. Du hast sicher deine Gründe für diese Frage und ich will sie nicht wissen.“

Charles gebot Danny mit einer wedelnden Handbewegung ruhig zu sein, bevor dieser auch nur den Laut einer Rechtfertigung hervorbringen konnte. Dabei legte sich der Rauch seiner Zigarette wie eine Schlange um seinen Arm und kroch langsam dem Boden entgegen. Dann begann er zu erzählen.

„Es war damals, in der kältesten Phase der globalen Erwärmung. ….

Donnerstag, Februar 28, 2008

Abschied

Wenn dieses Dokument meiner letzten Tage veröffentlicht wird, werde ich bereits tot sein. Doch ich möchte diese Welt nicht verlassen, ohne den Menschen die auf ihrem Weg den meinen gekreuzt haben, eine Erklärung zu geben. So ist dieses Dokument gedacht für meine Freunde, die Passagiere des 6 Uhr 11 Zuges von Köln nach Kall vom Donnerstag den 28. Februar 2008, er wird mein Ende bereiten. Ganz besonders aber allen Menschen, denen ich Leid zugefügt habe.

Es begann vor 5 Nächten, in der Nacht auf Samstag. Es war wohl gegen 1 Uhr, ich hatte gerade geduscht und eine kleine Mahlzeit zu mir genommen, aufgewärmte Nudeln mit Käse. Ich pflege immer etwas zu essen, nachdem ich von der Arbeit nach Hause komme, ich bin als studentische Hilfskraft im Logistikzentrum des Aldi-Süd in Niederpleiß angestellt. Feierabend hatte ich an diesem Tag etwa gegen 23 Uhr. So schlief ich wohl gegen halb 2 Uhr in der Nacht zu Samstag sehr müde ein. Ich bin kein großer Träumer und meistens erinnere ich mich nicht an meine Träume, doch seid dieser besagten Nacht holt mich dieser entsetzliche Alptraum immer wieder ein, ich bete immer noch zu den Göttern das es reine Einbildung ist. Das mir meine wilde Fantasie nur einen Streich in den letzten Tagen gespielt hat. Doch zuviel steht auf dem Spiel und ich fühle die Veränderung immer deutlicher. Um verständlicher zu machen welche Art Traum mich verfolgt, gebe ich nun den wesentlichen Inhalt meines Tagebuchs der letzten Tage wortgetreu wieder, in dem ich die Träume der letzten Nächte niedergeschrieben habe.

Samstag 23.02.2008

„…. Ich finde mich in einem dunklen alten Buchenhain wieder, es ist Nacht. Ein seltsames Gefühl von Macht durchströmt meinen Körper. Meine Sinne scheinen extrem scharf zu sein, eigentlich dachte ich, dass man im Traum seine Sinne nur bedingt wahrnimmt. Ein Geräusch weckt meine Aufmerksamkeit, ich lausche, wittere. Und da kommt zu dem Geräusch ein atemberaubender Geruch an meine Nase. Vorsichtig, ohne einen Laut zu machen, schleiche ich dem Geruch und den Geräuschen folgend voran. Zwischen Buchen und kleinerem Gestrüpp hindurch, mein Blick fällt auf einen kleinen Weg der sich unterhalb einer Böschung durch den Wald schlängelt. Das Geräusch und der Geruch sind jetzt so nah, dass ich vergeblich mit meinen Augen alles absuche. Doch da ist nichts, nichts als das fahle Mondlicht das zwischen den Buchen auf den Weg fällt. Gespenstische Schatten fallen über den Weg und der Wind spielt leise eine Melodie zwischen den blattlosen Buchen. Doch ich empfinde keine Angst, nur immer wieder diese Kraft die mich durchströmt. Endlich sehe ich was meine Aufmerksamkeit geweckt hat. Ein rotes T-Shirt auf einem grauen Rollkragenpullover, eine schwarze Jogginghose, langes gelocktes Haar und einen starken ruhigen Herzschlag. Ich fühle wie mich ihr Duft anzieht, fühle das Spannen meiner Muskeln, als wäre ich ein wildes Tier das sich jede Sekunde auf seine Beute stürzt. Im nächsten Moment jedoch, biegt sie dem Weg folgend ab und erreicht eine Straße die direkt in die Stadt führt.“

Sonntag 24.02.2008

„…. Ich habe letzte Nacht wieder von ihr geträumt, meine Sinne erschienen mir wieder äußerst scharf, ich kann nur schwer beschreiben was ich empfand. Doch es schien als könne ich ihre Gedanken hören und dann wieder nicht. Sie hatte gerade den Waldweg verlassen, da sprang ich die Böschung zum Weg hinunter und schnüffelte an ihren Fußspuren. Ihr Geruch brachte mich so sehr in Wallung, das ich diesen Traum wohl als erotisch bezeichnen müsste, wäre es nicht so eine abnorme Situation ….. Ich scheine zu hart zu arbeiten, fühle mich nicht erholt, mein Körper fühlt sich an wie Stein. Ich hab beschlossen jetzt jeden Morgen Liegestützen zu machen und ein wenig zu laufen bevor ich mich an die Arbeiten für die Uni mache.“

Montag 25.02.2008

„… Ich hab wieder von dem Buchenwald und der Frau geträumt. Es scheint als habe sie mich dieses mal bemerkt, ich konnte so etwas wie Angst riechen als ich mein Bewusstsein sehr nah an ihres herangebracht habe um ihre Gedanken zu hören. Es schien mir als könnte ich ganz leicht ihre Gedanken lesen. Es war als müsse ich nur mein Bewusstsein auf sie konzentrieren. So als würde man durch einen Nebel streifen und auf ein Licht zugehen das plötzlich im Dunkel erscheint. Jedenfalls konnte ich ihre Angst spüren als ich die äußeren Grenzen ihres Bewusstseins berührte, es war ein sehr schönes Gefühl.

Heute eine Stunde gelaufen. Mich wundert, wie fit ich doch bin. Anschließend konnte ich sogar noch 30 Liegestützen machen.“

Dienstag 26.02.2008

„ Wieder habe ich von Ihr geträumt. Julia ist ihr Name, ich konnte es einfach in ihrem Bewusstsein lesen. Ich bin ihr dieses mal ein Stück gefolgt, habe ihr Bilder in den Kopf gesetzt. Bilder von einem schwarzen Wolf der ihr nachsetzt. Ihrer Fährte folgt um sie wie ein frisches Lamm zu reißen und sich an ihrem Blut zu laben. Ihre Angst war beinah physisch spürbar. Ihr Duft zieht mich immer mehr an. Es ist als wäre ich immer wieder in diesem Buchenwald nur um auf sie zu warten.

Heute einen Artikel im Internet über das bewusste verändern von Träumen gelesen.

… Ich fühlte mich heute wieder nicht erholt. Diesmal schaffte ich sogar 50 Liegestützen. Ich habe entsetzliche Kopfschmerzen bekommen. Scheinbar war mein IPod beim joggen zu laut.

… Julia ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf, immerzu sehe ich ihre schwarzen Locken vor meinen Augen, höre ihren Atem, ja spüre fast das Pochen ihres Herzens. Es erregt mich immerzu wenn ich an sie denke. Ich hoffe inständig das ich diese Nacht wieder von ihr Träume, wer immer sie auch ist, sie ist etwas ganz besonderes.“

Mittwoch 27.02.2008

„… ich war im Traum wieder in dem Buchenwald, doch Julia kam nicht. So lief ich die ganze Nacht ihre alte Fährte entlang, sie war immer noch stark. Verzweifelt schrie ich auf als sie nach scheinbar ewiger Zeit nicht aufkreuzte. Ich kann mich nicht deutlich erinnern, doch ich meine es klang als heulte ein Wolf in dem Buchenwald.

Bin eben 2h gejoggt und habe nach 80 Liegestützen aufgehört zu zählen, mein Körper scheint randvoll mit Energie, dennoch fühle ich mich seltsam müde.

Heute habe ich zufällig einen Bericht über Methoden zum bewussten träumen gesehen. Ich werde diese Nacht versuchen meinen Traum zu beeinflussen, so dass Julia wieder da ist. Sie fehlt mir, ist sie auch nur eine Traumgestalt, so fehlt mir dieses Gefühl das ich im Traum empfinde. Ich fürchte zwar, dass es zu spät ist und Dienstag Nacht bereits das Ende dieser so seltsam real wirkenden Träume war. Doch ich will es versuchen.“

Oh ihr Götter, vergebt mir. Ich will nun schildern was ich letzte Nacht zu träumen glaubte.

Es ist wieder der Buchenwald, deutlich rieche ich das alte modrige Laub. Es bedeckt den Boden mit dem Kleid des Verfalls, das der Herbst zu schneidern pflegt. Geräuschlos kauere ich auf der Böschung am Rande des Weges den sie immer nimmt. Meine Hände greifen voller Anspannung in den feuchten Boden unter mir. Nicht lange muss ich warten, da taucht ihre Witterung getragen vom Wind bei mir auf. Die Erregung in mir steigert sich, ein Gefühl des Glücks, ein kleiner Funken des Erkennens, ich beherrsche diesen Traum. Mein ganzer Körper zittert leicht, ungehörige Vorfreude und Anspannung mischen sich in mein Herz. Ihre Schritte werden lauter, sie kommt näher, immer näher. Da ich spüre bereits ihr Bewusstsein, hast du mich erwartet kleines? Zaghaft, wie eine Idee lege ich mich in ihren Geist und lausche ihren Träumen, lausche ihren Ängsten, lausche ihre Wünschen. Gerade passiert sie die Stelle an der ich in der Böschung lauere. Da packt mich ein innerer Gedanken, lass sie nicht fort. Nimm sie jetzt! Lass sie nie wieder gehen. Kurzes Zögern, doch meine Erregung ist nicht mehr zu bändigen. Ich setze an und springe. Ein kurzer Schrei, doch ich habe bereits meine Hand um ihren Kiefer geschlossen und presse ihn mit aller Macht zusammen. Behutsam dringe ich weiter in ihren Geist vor, suche, suche immer tiefer nach dem einen Ding. Da ist es, die Kontrolle über ihren Körper. Nur ein kleiner Schnitt meines Geistes und ihr Bewusstsein ist nicht mehr in der Lage ihren Körper zu kontrollieren. Sofort lässt der Widerstand nach und ich löse meinen Griff um ihren Kiefer. Ihre Angst gleicht nun einem reißenden Strom, immer schneller und heftiger schlägt ihr Herz. Überwältigend ist ihr Geruch, eine Mischung aus ihrer ureigenen Angst und der Erregung die ich in ihrem Geist langsam aber stetig aufbaue. Ich lege ihren Kopf zur Seite und schmecke den kalten Angstschweiß der sich auf ihrem heißen Hals bildet. Meine Erregung geht ins unermessliche. Sie bettelt, ihr Geist schreit auf, ihre Panik ist nahezu endlos. Immer tiefer sinkt sie in ihre eigene Seele zurück. Ich darf sie nicht verlieren, noch nicht, sie soll fühlen was ich mache, sie soll dabei sein wenn ich es tue. Ihre Angst ist mein Antrieb. Vorsichtig treibe ich meine Zähne in ihren Hals, schmecke ihr warmes Blut. So voller Leben, ein Geschmack aus Angst und sexueller Erregung. Immer tiefer dringe ich in ihr Bewusstsein ein. Ich verliere die Kontrolle, meine Erregung ist so stark, ich muss es tun. So reiße ich ihr die Kleider von ihrem heißen Leib und Presse sie gegen die Böschung, der Geruch des Waldes, ihre Angst, ihre aufkeimende Lust verschmelzen zu einem Cocktail der mich an die Grenzen treibt. Ich treibe in sie hinein. Tiefer, immer tiefer in ihren Körper und in ihr Bewusstsein. Immer tiefer flieht sie vor mir, immer weiter in sich selbst zurück. Immer weiter ziehe ich ihr nach, immer tiefer, immer fester stoße ich in sie hinein. Endlich, endlich sie wird mein sein. Mein Moment höchster Erregung vermischt sich mit ihrem Punkt schlimmster Angst, sie hat sich völlig zurückgezogen. Da, in diesem Punkt der Einheit reiße ich ihren Brustkorb entzwei, treibe meine Zähne in ihr Herz und labe mich an ihrer Seele. So überwältigend ist dieses Gefühl, das ich selbst jetzt, da ich nur davon berichte die Erregung beinahe genauso stark wieder empfinde.

Ich dachte es seih ein Traum, dachte alles wäre nur ein Spiel. Ließ meinen Gefühlen die Kontrolle, ich schwöre, ich dachte es sei ein Traum. Doch heute früh erwachte ich und hatte den Geschmack von Blut in meinem Mund. Ich ging ins Bad und wusch mir den Mund aus, konnte aber keine Wunde an meiner Zunge oder meinem Zahnfleisch entdecken. Nachdem ich das Radio angestellt hatte, hörte ich die Meldung „… Julia Schleier wurde heute Morgen am Rand des Stadtwaldes tot aufgefunden. Ein Augenzeuge berichtete unserem Reporter vor Ort, dass sie nackt und mit aufgebrochenem Brustkorb im Wald gelegen habe. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus. Ein Sprecher der Polizei meinte, dass alles auf einen Ritualmord hindeutet, man könne aber ein Sexualverbrechen ebenfalls nicht ausschliessen. Die Leiche der Stadtbekannten Nachwuchspolitikerin wird derzeit gerichtsmedizinisch untersucht. Wir halten sie auf dem laufenden.“

Ich fühle wie dieses Tier in mir immer stärker wird. Immer mehr meines wachen Seins wird vereinnahmt durch dieses berauschende Gefühl. So habe ich mich entschlossen dieser Sache ein Ende zu machen. Wir sehen uns auf der anderen Seite.