Ariakans Blog

Donnerstag, Februar 28, 2008

Abschied

Wenn dieses Dokument meiner letzten Tage veröffentlicht wird, werde ich bereits tot sein. Doch ich möchte diese Welt nicht verlassen, ohne den Menschen die auf ihrem Weg den meinen gekreuzt haben, eine Erklärung zu geben. So ist dieses Dokument gedacht für meine Freunde, die Passagiere des 6 Uhr 11 Zuges von Köln nach Kall vom Donnerstag den 28. Februar 2008, er wird mein Ende bereiten. Ganz besonders aber allen Menschen, denen ich Leid zugefügt habe.

Es begann vor 5 Nächten, in der Nacht auf Samstag. Es war wohl gegen 1 Uhr, ich hatte gerade geduscht und eine kleine Mahlzeit zu mir genommen, aufgewärmte Nudeln mit Käse. Ich pflege immer etwas zu essen, nachdem ich von der Arbeit nach Hause komme, ich bin als studentische Hilfskraft im Logistikzentrum des Aldi-Süd in Niederpleiß angestellt. Feierabend hatte ich an diesem Tag etwa gegen 23 Uhr. So schlief ich wohl gegen halb 2 Uhr in der Nacht zu Samstag sehr müde ein. Ich bin kein großer Träumer und meistens erinnere ich mich nicht an meine Träume, doch seid dieser besagten Nacht holt mich dieser entsetzliche Alptraum immer wieder ein, ich bete immer noch zu den Göttern das es reine Einbildung ist. Das mir meine wilde Fantasie nur einen Streich in den letzten Tagen gespielt hat. Doch zuviel steht auf dem Spiel und ich fühle die Veränderung immer deutlicher. Um verständlicher zu machen welche Art Traum mich verfolgt, gebe ich nun den wesentlichen Inhalt meines Tagebuchs der letzten Tage wortgetreu wieder, in dem ich die Träume der letzten Nächte niedergeschrieben habe.

Samstag 23.02.2008

„…. Ich finde mich in einem dunklen alten Buchenhain wieder, es ist Nacht. Ein seltsames Gefühl von Macht durchströmt meinen Körper. Meine Sinne scheinen extrem scharf zu sein, eigentlich dachte ich, dass man im Traum seine Sinne nur bedingt wahrnimmt. Ein Geräusch weckt meine Aufmerksamkeit, ich lausche, wittere. Und da kommt zu dem Geräusch ein atemberaubender Geruch an meine Nase. Vorsichtig, ohne einen Laut zu machen, schleiche ich dem Geruch und den Geräuschen folgend voran. Zwischen Buchen und kleinerem Gestrüpp hindurch, mein Blick fällt auf einen kleinen Weg der sich unterhalb einer Böschung durch den Wald schlängelt. Das Geräusch und der Geruch sind jetzt so nah, dass ich vergeblich mit meinen Augen alles absuche. Doch da ist nichts, nichts als das fahle Mondlicht das zwischen den Buchen auf den Weg fällt. Gespenstische Schatten fallen über den Weg und der Wind spielt leise eine Melodie zwischen den blattlosen Buchen. Doch ich empfinde keine Angst, nur immer wieder diese Kraft die mich durchströmt. Endlich sehe ich was meine Aufmerksamkeit geweckt hat. Ein rotes T-Shirt auf einem grauen Rollkragenpullover, eine schwarze Jogginghose, langes gelocktes Haar und einen starken ruhigen Herzschlag. Ich fühle wie mich ihr Duft anzieht, fühle das Spannen meiner Muskeln, als wäre ich ein wildes Tier das sich jede Sekunde auf seine Beute stürzt. Im nächsten Moment jedoch, biegt sie dem Weg folgend ab und erreicht eine Straße die direkt in die Stadt führt.“

Sonntag 24.02.2008

„…. Ich habe letzte Nacht wieder von ihr geträumt, meine Sinne erschienen mir wieder äußerst scharf, ich kann nur schwer beschreiben was ich empfand. Doch es schien als könne ich ihre Gedanken hören und dann wieder nicht. Sie hatte gerade den Waldweg verlassen, da sprang ich die Böschung zum Weg hinunter und schnüffelte an ihren Fußspuren. Ihr Geruch brachte mich so sehr in Wallung, das ich diesen Traum wohl als erotisch bezeichnen müsste, wäre es nicht so eine abnorme Situation ….. Ich scheine zu hart zu arbeiten, fühle mich nicht erholt, mein Körper fühlt sich an wie Stein. Ich hab beschlossen jetzt jeden Morgen Liegestützen zu machen und ein wenig zu laufen bevor ich mich an die Arbeiten für die Uni mache.“

Montag 25.02.2008

„… Ich hab wieder von dem Buchenwald und der Frau geträumt. Es scheint als habe sie mich dieses mal bemerkt, ich konnte so etwas wie Angst riechen als ich mein Bewusstsein sehr nah an ihres herangebracht habe um ihre Gedanken zu hören. Es schien mir als könnte ich ganz leicht ihre Gedanken lesen. Es war als müsse ich nur mein Bewusstsein auf sie konzentrieren. So als würde man durch einen Nebel streifen und auf ein Licht zugehen das plötzlich im Dunkel erscheint. Jedenfalls konnte ich ihre Angst spüren als ich die äußeren Grenzen ihres Bewusstseins berührte, es war ein sehr schönes Gefühl.

Heute eine Stunde gelaufen. Mich wundert, wie fit ich doch bin. Anschließend konnte ich sogar noch 30 Liegestützen machen.“

Dienstag 26.02.2008

„ Wieder habe ich von Ihr geträumt. Julia ist ihr Name, ich konnte es einfach in ihrem Bewusstsein lesen. Ich bin ihr dieses mal ein Stück gefolgt, habe ihr Bilder in den Kopf gesetzt. Bilder von einem schwarzen Wolf der ihr nachsetzt. Ihrer Fährte folgt um sie wie ein frisches Lamm zu reißen und sich an ihrem Blut zu laben. Ihre Angst war beinah physisch spürbar. Ihr Duft zieht mich immer mehr an. Es ist als wäre ich immer wieder in diesem Buchenwald nur um auf sie zu warten.

Heute einen Artikel im Internet über das bewusste verändern von Träumen gelesen.

… Ich fühlte mich heute wieder nicht erholt. Diesmal schaffte ich sogar 50 Liegestützen. Ich habe entsetzliche Kopfschmerzen bekommen. Scheinbar war mein IPod beim joggen zu laut.

… Julia ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf, immerzu sehe ich ihre schwarzen Locken vor meinen Augen, höre ihren Atem, ja spüre fast das Pochen ihres Herzens. Es erregt mich immerzu wenn ich an sie denke. Ich hoffe inständig das ich diese Nacht wieder von ihr Träume, wer immer sie auch ist, sie ist etwas ganz besonderes.“

Mittwoch 27.02.2008

„… ich war im Traum wieder in dem Buchenwald, doch Julia kam nicht. So lief ich die ganze Nacht ihre alte Fährte entlang, sie war immer noch stark. Verzweifelt schrie ich auf als sie nach scheinbar ewiger Zeit nicht aufkreuzte. Ich kann mich nicht deutlich erinnern, doch ich meine es klang als heulte ein Wolf in dem Buchenwald.

Bin eben 2h gejoggt und habe nach 80 Liegestützen aufgehört zu zählen, mein Körper scheint randvoll mit Energie, dennoch fühle ich mich seltsam müde.

Heute habe ich zufällig einen Bericht über Methoden zum bewussten träumen gesehen. Ich werde diese Nacht versuchen meinen Traum zu beeinflussen, so dass Julia wieder da ist. Sie fehlt mir, ist sie auch nur eine Traumgestalt, so fehlt mir dieses Gefühl das ich im Traum empfinde. Ich fürchte zwar, dass es zu spät ist und Dienstag Nacht bereits das Ende dieser so seltsam real wirkenden Träume war. Doch ich will es versuchen.“

Oh ihr Götter, vergebt mir. Ich will nun schildern was ich letzte Nacht zu träumen glaubte.

Es ist wieder der Buchenwald, deutlich rieche ich das alte modrige Laub. Es bedeckt den Boden mit dem Kleid des Verfalls, das der Herbst zu schneidern pflegt. Geräuschlos kauere ich auf der Böschung am Rande des Weges den sie immer nimmt. Meine Hände greifen voller Anspannung in den feuchten Boden unter mir. Nicht lange muss ich warten, da taucht ihre Witterung getragen vom Wind bei mir auf. Die Erregung in mir steigert sich, ein Gefühl des Glücks, ein kleiner Funken des Erkennens, ich beherrsche diesen Traum. Mein ganzer Körper zittert leicht, ungehörige Vorfreude und Anspannung mischen sich in mein Herz. Ihre Schritte werden lauter, sie kommt näher, immer näher. Da ich spüre bereits ihr Bewusstsein, hast du mich erwartet kleines? Zaghaft, wie eine Idee lege ich mich in ihren Geist und lausche ihren Träumen, lausche ihren Ängsten, lausche ihre Wünschen. Gerade passiert sie die Stelle an der ich in der Böschung lauere. Da packt mich ein innerer Gedanken, lass sie nicht fort. Nimm sie jetzt! Lass sie nie wieder gehen. Kurzes Zögern, doch meine Erregung ist nicht mehr zu bändigen. Ich setze an und springe. Ein kurzer Schrei, doch ich habe bereits meine Hand um ihren Kiefer geschlossen und presse ihn mit aller Macht zusammen. Behutsam dringe ich weiter in ihren Geist vor, suche, suche immer tiefer nach dem einen Ding. Da ist es, die Kontrolle über ihren Körper. Nur ein kleiner Schnitt meines Geistes und ihr Bewusstsein ist nicht mehr in der Lage ihren Körper zu kontrollieren. Sofort lässt der Widerstand nach und ich löse meinen Griff um ihren Kiefer. Ihre Angst gleicht nun einem reißenden Strom, immer schneller und heftiger schlägt ihr Herz. Überwältigend ist ihr Geruch, eine Mischung aus ihrer ureigenen Angst und der Erregung die ich in ihrem Geist langsam aber stetig aufbaue. Ich lege ihren Kopf zur Seite und schmecke den kalten Angstschweiß der sich auf ihrem heißen Hals bildet. Meine Erregung geht ins unermessliche. Sie bettelt, ihr Geist schreit auf, ihre Panik ist nahezu endlos. Immer tiefer sinkt sie in ihre eigene Seele zurück. Ich darf sie nicht verlieren, noch nicht, sie soll fühlen was ich mache, sie soll dabei sein wenn ich es tue. Ihre Angst ist mein Antrieb. Vorsichtig treibe ich meine Zähne in ihren Hals, schmecke ihr warmes Blut. So voller Leben, ein Geschmack aus Angst und sexueller Erregung. Immer tiefer dringe ich in ihr Bewusstsein ein. Ich verliere die Kontrolle, meine Erregung ist so stark, ich muss es tun. So reiße ich ihr die Kleider von ihrem heißen Leib und Presse sie gegen die Böschung, der Geruch des Waldes, ihre Angst, ihre aufkeimende Lust verschmelzen zu einem Cocktail der mich an die Grenzen treibt. Ich treibe in sie hinein. Tiefer, immer tiefer in ihren Körper und in ihr Bewusstsein. Immer tiefer flieht sie vor mir, immer weiter in sich selbst zurück. Immer weiter ziehe ich ihr nach, immer tiefer, immer fester stoße ich in sie hinein. Endlich, endlich sie wird mein sein. Mein Moment höchster Erregung vermischt sich mit ihrem Punkt schlimmster Angst, sie hat sich völlig zurückgezogen. Da, in diesem Punkt der Einheit reiße ich ihren Brustkorb entzwei, treibe meine Zähne in ihr Herz und labe mich an ihrer Seele. So überwältigend ist dieses Gefühl, das ich selbst jetzt, da ich nur davon berichte die Erregung beinahe genauso stark wieder empfinde.

Ich dachte es seih ein Traum, dachte alles wäre nur ein Spiel. Ließ meinen Gefühlen die Kontrolle, ich schwöre, ich dachte es sei ein Traum. Doch heute früh erwachte ich und hatte den Geschmack von Blut in meinem Mund. Ich ging ins Bad und wusch mir den Mund aus, konnte aber keine Wunde an meiner Zunge oder meinem Zahnfleisch entdecken. Nachdem ich das Radio angestellt hatte, hörte ich die Meldung „… Julia Schleier wurde heute Morgen am Rand des Stadtwaldes tot aufgefunden. Ein Augenzeuge berichtete unserem Reporter vor Ort, dass sie nackt und mit aufgebrochenem Brustkorb im Wald gelegen habe. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus. Ein Sprecher der Polizei meinte, dass alles auf einen Ritualmord hindeutet, man könne aber ein Sexualverbrechen ebenfalls nicht ausschliessen. Die Leiche der Stadtbekannten Nachwuchspolitikerin wird derzeit gerichtsmedizinisch untersucht. Wir halten sie auf dem laufenden.“

Ich fühle wie dieses Tier in mir immer stärker wird. Immer mehr meines wachen Seins wird vereinnahmt durch dieses berauschende Gefühl. So habe ich mich entschlossen dieser Sache ein Ende zu machen. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

Kommentare:

  1. Krass! Das ist mein erstes Wort dafür. Eine tolle kleine Story, an Bekanntes erinnernt, aber in ihrem Wesen auch ganz neu. So wie es sein sollte eben.

    PS: Danke für deinen Kommentar zu "Der Sonnenaufgang". Wenn es mir dies gelingt, was du beschrieben hast, dannn kann kann ich zufrieden sein.

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  2. du musst den namen ändern. so zieht julia doch nie mit uns zusamen! ;)
    den rest hab ich dir ja schon via icq gesagt. :)

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