Dienstag, Dezember 09, 2008

Alkoholproblem

Ich bin der mit dem Alkoholproblem, bin der Geschichtenerzähler.
Das Erlebte vergangener Tage zu berichten ist meine Pflicht. Doch bin ich nicht
der erlebt, bin tot. Philosophieren heißt sterben lernen, meint der Pessimist. Der Optimist hält dagegen, Philosophieren heißt leben lernen. Wer will da Optimist sein ?
Es sind zwei kleine Geschichten, die sich im Abstand einiger Jahre zugetragen haben, sie zu erzählen halte ich für interessant.

Es war einmal ein kleiner Junge, der zog mit einem Freund aus Abenteuer zu erleben. So streiften sie durch das kleine Dorf und spielten Krieg. Auf ihren Entdeckungsreisen durch das kleine Dorf hatten sie bereits jeden Vorgarten, jeden Schuppen und jeden Baum einmal im Sturm genommen und einmal in hartem Verteidigungsgefecht aufgeben müssen. So zogen sie dieses mal gen Norden, etwa einen Kilometer nördlich des Dorfes lag ihr Ziel, die "Rescheider Hecke". Ein 100m bis 300m breiter Streifer von jungen Buchen, Tannen, Brennesseln, Gestrüp, Ginster und anderen seltsamen Pflanzen. Es war wohl der natürlichste Dschungel den man in der Nähe des Dorfes, dass sonst gänzlich von Fichtenwäldern auf der einen Seite und von kargen Feldern auf der anderen Seite umschlossen war, finden konnte. So zogen die zwei Kameraden aus, den Dschungel vom Vietcong zu befreien. Schliesslich stand ein Versorgungskonvoi vor den Toren des Dorfes und seine Durchfahrt musste gesichert werden. Sie näherten sich, einer schmalen Buchenhecke aus Süden kommend der "Rescheider Hecke". Umgingen die Spitze der "Rescheider Hecke", die an dieser Stelle mit kleinen dichtengestellten Tannen bewachsen war. Dieser Teil war der jüngste Teil der Hecke, die man nach dem zweiten Weltkrieg nach einer nicht indentifizierbaren Logik bepflanzt hatte. So richtig wusste auch niemand wem dieses Stück Niemandsland gehörte und deshalb kümmerte sich außer den alten Menschen im Dorf auch niemand um dieses Fleckchen Erde. So erwarteten die zwei kleinen Soldaten bei der Bekämpfung der restlichen vietnamesischen Truppen, auf wenig Widerstand zu treffen. Leise stapften sie durch den tiefen Graben der die Hecke auf der nördlichen Seite umschloss und gingen in Richtung des Teils der mit Buchen bewachsen war.
"Volle Deckung Ariakan!"
Im Bruchteil einer Sekunde lagen die beiden flach auf dem Boden, die Holzgewehre im Anschlag und das Vorfeld beobachtend.
"Was ist los Ariacan?", fragte Ariakan.
"Da vorne, 100m auf 1 Uhr.", sagte Ariacan.
Das kleine dunkelblaue Zelt war von einem Tarnnetz umspannt und man konnte deutlich 3 unfertige Stellungen für schwere Maschinengewehre erkennen. Das Gelände absuchend entschied sich Ariakan für eine Zangenbewegung.
"Wir kreisen es ein und treffen uns hinter dem Zelt an der Buche 12 Uhr, 130m!"
"Zu Befehl Ariakan!"
Langsam krochen die beiden Soldaten voneinander weg, der eine links der andere rechts um das noch weit entfernte Zelt herum. Sicherung der Umgebung war immer das oberste Gebot bei unerwarteten Ereignissen. Nach einer fünf minütigen Sicherung der Umgebung traten sie mit durchgeladenen Waffen auf den Eingang des Zeltes zu.
"He ihr da, kommt langsam und mit erhobenen Händen heraus !"
Keine Reaktion.
"Na los kommt raus oder wir räuchern euch aus !"
Keine Reaktion.
"Zelt öffnen, ich sichere dich."
Das Zelt war leer, es lagen 3 Schlafsäcke im Zelt, ein Kampfrucksack der Bundeswehr, gefüllt mit allerlei Essen und Ausrüstung die für das Überleben im Feld notwendig war. Aber kein Zeichen von persönlichen Gegenständen. Keine Möglichkeit herauszufinden wem diese Sachen ,das Zelt und das Tarnnetz gehörten.
"He, Ariakan, lass uns das Tarnnetz mitnehmen, das können wir gut gebrauchen!"
Sollten sie soweit gehen ? Das eine war Spiel und das andere Realität. Die Eroberung des Zeltes war durchaus ok für ein paar spielende Kinder, aber das Tarnnetz stehlen ? Wem gehörte nur das Zelt, ob es Fremden Soldaten gehörte, die vielleicht aus Russland nach hiergekommen waren um Sabotage zu begehen ? Vielleicht auch einfach nur Verbrecher, die auf der Flucht vor der Polizei waren. Die drei Bundeswehrschlafsäcke ließen diese Möglichkeit zu.
"Ich glaube nicht das wir hier etwas stehlen sollten Ariacan."
"Wieso ? Wir können es doch heute Abend zurückgeben."
"Weißt du denn wem die Sachen hier alle gehören ?"
"Nein. Ist doch auch egal."
Eine undefinierte Angst machte sich in Ariakans Magen breit, sie waren schon viel zu lange hier an diesem Ort. Das Dorf würden sie niemals erreichen, sollten die drei Besitzer sie hier überraschen. Niemand würde ihre Schreie hören, wenn sie erkennen mussten, dass ihre Holzgewehre nur Luft verschossen. Ein sanfter Wind floß durch den Buchenwald und Ariakan fröstelte.
"Ich sage wir verschwinden von hier und melden zu Hause das wir das hier alles gefunden haben. Es könnte Mördern oder Spionen gehören."
Die Verwendung der beiden mächtigsten Wörter half Ariakan, Ariacan davon zu überzeugen endlich den Ort zu verlassen. Welcher Soldat hatte keine Angst vor Mördern und Spionen ?
Um einer möglichen Gefangennahme zu entgehen, streiften sie nach Westen durch die Rescheider Hecke den langezogenen Hügel hinauf, bis sie in den oberen Teil des Dorfes gelangten. Umgingen so die Gefahr bereits beim Anrücken auf die Hecke beobachtet worden zu sein. Als sie im Oberdorf angekommen waren begannen sie in einen leichten Trab zu verfallen und liefen in den unteren Teil des Dorfes.
"Ich muss jetzt Essen gehen Ariacan."
"Ja ok, ich auch, bis heute Nachmittag Ariakan."
Am Mittagstisch erzählte Ariakan seiner Mutter von dem Erlebnis.
"Es könnten Spione oder Mörder sein, ich meine wir sollten der Polizei bescheid sagen Mama."
"Ach Ariakan, dat sin bestimmt nur Zigeuner. Aber geht da nicht mehr hin, das ist zu gefährlich."
"Und wenn es doch Mörder oder russiche Spione sind ? Wir brauchen die ja nur anzurufen und zu sagen was ist, dann kann die Polizei das selbst entscheiden."
"Ich red da gleich mal mit Papa drüber, jetzt iß auf und mach dir keine Sorgen mehr darum Ariakan."
"Dann sagst du ihm Bescheid und er kann die Polizei anrufen ?"
"Ja, mach ich. Iß den Blumenkohl jetzt!"
Am Nachmittag machte Ariakan sich auf den Weg ins Unterdorf zu seinem Freund Ariacan, er würde die Ereignisse nocheinmal mit ihm durchgehen. Vielleicht hatte seine Mutter ja auch schon mit der Polizei gesprochen, dann müsste sein Papa das nicht machen.
Es klingelt und die Oma von Ariacan öffnete wie gewohnt die Tür. Immer rauchend schaute sie auf den kleinen Soldaten herab und begrüßte ihn mit ihrer rauchigen Stimme.
"Mir gehts gut und dir ? Habt ihr schon die Polizei angerufen ?"
"Die Polizei ? Wofür datt denn ?" Misstrauisch blickte die alte Frau über den kleinen Soldaten hinweg auf die Straße des Dorfes.
Drei Stunden später, 20 Meter entfernt von Ariacans Elternhaus in einem Keller.
"Du hast die Plätzchen gestohlen Ariakan!"
"Welche Plätzchen ? Ich kann mich nichtmal erinnern welche in eurem Zelt gesehen zu haben! Ich habe keine Plätzchen gestohlen!"
"Dann hat eben der andere Ariacan die Plätzen gestohlen!"
"Ariacan hat die auch nicht geklaut, wir waren zusammen da und sind zusammen wieder weg. Danach oder davor hätte jeder andere dahin gehen können und die klauen können! Jetzt bindet mich wieder los ! Wir wussten ja nicht das das Zelt euch gehört!"
Der Junge mit den dunklen Augen setzte sich Ariakan direkt gegenüber und schaute ihm tief in die Augen. "Der andere Ariacan, hat mir gesagt das du sie genommen hast. Ich weiß das er vielleicht lügt und du sie nicht genommen hast, hat er sie genommen ?"
"Sag mal spinnst du ? Ich hab deine scheiss Plätzchen nicht genommen und es ist mir egal was Ariacan sagt, der lügt wenn er sagt ich hätte sie genommen!"
Die Vernehmung wechselte zwischen den drei Besitzern der Schläfsäcke hin und her. Sie versuchten es mit Drohungen, Androhung von Folter und Schmeicheleien. Am Ende dieser mehrstündigen Tortour wurden Ariakan und Ariacan jedoch freigelassen. Da es sich lediglich um eine Packung Plätzchen handelte, deren Wert nicht die 1,50DM überschritt hatte diese Geschichte kaum einen wirklichen Geschädigten. Abgesehen von dem Verhältnis zwischen dem dunkeläugigen Jungen und Ariakan.


Die zweite Geschichte die ich erzählen will ist kürzer und spielt sechs oder sieben Jahre später in einem Nachbarort, dem neuen Wohnort von Ariakan, gleichermaßen vom Wohnort des dunkeläugigen Jungen, deren Häuser in Sichtweite liegen.
Wie so oft schaute Ariakan auch an diesem Tag verträumt aus seinem Schlafzimmerfenster hinaus. Schaute über den Garten, die kleine Buchenhecke, das Feld mit den Kühen auf das Haus indem er wohnte. Heute hatte er sein Mofa im Hof völlig auseinandergebaut und saß im Schneidersitz über den Einzelteilen. Ariakan dachte darüber nach, dass er hinüber gehen sollte und mit ihm sprechen sollte. Einfach nur miteinander Reden würde dem dunkeläugigen Jungen sicher helfen und ihn etwas aufheitern. Andererseits, wie heitert man jemanden auf, der schon 2 Jahre länger lebt als die Ärzte es einem prognostiziert haben ? Er litt an einer seltenen unheilbaren Blutkrebskrankheit. Es muss die Hölle für diesen hochintelligenten netten dunkeläugigen Jungen gewesen sein, als er merkte das seine Freunde sich mehr und mehr von ihm entfernten. Mit einem Toten will eben niemand befreundet sein, oder fast tot. So stand auch Ariakan, der 5 Jahre jünger als der Junge war, nur an seinem Fenster und starrte aus sicherer Entfernung auf den Jungen hinab.
Morgen gehe ich zu ihm und sage ihm, dass ich die Plätzchen wirklich nicht gestohlen habe und ich ihm verzeihe das er mich damals gefoltert hat. Dann stirbt er wenigstens reinen Gewissens. Morgen geh ich hin.
Ritualhaft wiederholte Ariakan diese Gedanken, Tag für Tag. Oft starrte er stundenlang einfach nur aus seinem Fenster in Richtung des dunkeläugigen Jungens und fragte sich wie das wohl ist. Sterben zu müssen, sehr bald sterben zu müssen. Ständig Schmerzen haben zu müssen, Lungen zu haben, die sich vom ständigen Gebrauch einer Sauerstoffmaske langsam auflösen. Niemanden außerhalb seiner Familie zu haben der einen besucht. Niemanden zu haben, der einen begleitet beim Sterben. Wochenlang lag er in seinem Haus, dann im Krankenhaus und am Ende wieder in seinem Haus. Doch Ariakan fand niemals den Mut durch den Garten zu robben, das kleine Feld durch die Hecke zu sichern und sich langsam mit der Waffe im Anschlag an das Haus des dunkeläugigen Jungen anzuschleichen um "Hallo" zu sagen.

Prost !

Montag, Dezember 08, 2008

Alter Freund, alter Feind....

Freiheit !


Ich will weinen, will mir dieses Joch wegspülen mit meinen Tränen.
Der Mensch ist leider nicht naiv, sonst würd er spüren wie ich spür.

Freiheit !

Hilf mir oh Freund, ja mich oh Feind!

Ich war dein Schatten, das Licht schuf mich,
doch niemals berührte ich das Licht.

freiheit

hilf oh schlaf, hilf mir, mach mir das leben leichter durch einen traum, einen einzigen traum ....

Samstag, Dezember 06, 2008

Hirschbrunft

Ein kalter Nebel lag über den Tälern der Eifel. Die Hochwiesen waren von erstem zarten Raureif gekrönt, die Sonne trug nur langsam die Wärme des Spätsommers heran und in den Wäldern konnte man die Hirsche bei der Brunft belauschen. Das Ende des Septembers ist seit je her die friedvollste Zeit in der Eifel. Das letzte Heu ist Eingefahren, die Kühe genießen die letzten Wochen im Freien, die Gärten sind leer und die Keller gefüllt mit allerlei Eingemachtem. In den Wäldern der Eifel herrscht gerade Schonzeit, um die Hirschbrunft nach Möglichkeit nicht zu stören. Es ist die große Zeit der Tiere,denn kaum ein Mensch verirrt sich um diese Zeit in den Wald. Es gibt natürlich Führungen von den Rangern im Nationalpark zu ausgewählten Plätzen wo sich die Hirsche treffen und Frühaufsteher, Naturfreunde und Rentner tummeln sich auf den Wanderwegen im neuen Nationalpark Eifel. Zur selben Zeit ist ein anderes Gebiet in der Eifel jedoch menschenleer. Es ist der Wald zwischen den kleinen Dörfern Udenbreth und Losheimer Graben. Dieser Wald, der zum Deutsch-Belgischen Naturpark gehört, wird durchschnitten von der Bundesstraße 265 und teilt den Wald in einen belgischen und einen deutschen Teil auf.

Die Geschehnisse die berichtet werden müssen, spielten sich im Umfeld eben dieser Bundesstraße 265 ab. Es war ein kühler Septembermorgen als Erhardt Hanf seinen alten Mercedes 190d über die B265 in Richtung Losheimer Graben lenkte. Wie jeden Samstagmorgen, wollte er auch an diesem in Belgien nahe Losheim tanken. Der Diesel war schließlich um einiges billiger als in Deutschland und die sprachliche Nähe zwischen Eiflern auf beiden Seiten der Grenze hatte ein langes vertrauensvolles wirtschaftliches Zusammenleben geformt. Seit dem Niedergang des 3. Reiches hatten die deutschen Eifler zunächst durch Schmuggel, später durch halb legale Kaffeefahrten die Deutsche Mark in die Region getragen. Immer waren sie dabei dankbar und freundlich von den deutschen Belgiern aufgenommen worden. Seit der Öffnung der Grenzen und des neuen europäischen Binnenmarktes war es zwar kein Abenteuer mehr in Belgien Kaffee einzukaufen und die Eifler litten unter den unerhörhten Preiserhöhungen der Belgier, aber Traditionen werden in der Eifel gehegt und gepflegt. So setzte auch der 67 jährige Erhardt Hanf diese Tradition fort. An diesem Morgen jedoch, sollte alles anders als geplant kommen. Erhardt fuhr gerade auf eine langgezogene Linkskurve zu, als er zu seiner linken einen Schatten im Wald bemerkte. Er drosselte seinen Wagen und schaute genauer in den Wald, schließlich war es die Zeit der Hirschbrunft und Erhardt wollte sich kein wildes Tier entgehen lassen. Der Schatten war jedoch schneller als die Augen des alten Mannes und so gab Erhardt resigniert seinem alten Mercedes die Sporen.

Der Schatten starrte dem schwarz rauchenden Auto nach und erst als der Wagen die lange Kurve passiert hatte kreuzte er die Straße und verschwand im belgischen Teil des Waldes. Immer tiefer glitt der Schatten in den Wald, streifte sterbende Bäume und erfrorenes Getier bis er schließlich an einem der letzten erhaltenen Bunker der Siegfried-Linie inne hielt. Es war einer der verschollenen Bunker. Niemand hatte ihn bisher entdeckt und das würde auch so bleiben befand der Schatten. Die meisten der alten Bunkeranlagen waren nach dem 2.Weltkrieg zunächst von der Zivilbevölkerung geplündert und anschließend von den Besatzungstruppen gesprengt worden. Doch der vermeintlichen Genialität eines bösartigen Regiemes war es zu verdanken, dass die mehrfach über den Haufen geworfenen Pläne des "Westwalls" einige Bunker entstehen ließen, die heute auf keiner Karte mehr verzeichnet sind. Als 1944 das Ende nahte und die letzte mögliche Verteidigungslinie bezogen werden sollte, fehlten teilweise sogar die Schlüssel für die Bunker, niemand wusste mehr wo sie waren. So hatte der Schatten hier seit Jahren ein unentdecktes Versteck. Müde von der Anstrengung lehnte er sich an die Innenseite der schweren Eingangstür und seufzte erschöpft. Blut rann von seinen Unterarmen hinab, tropfte über die schwarze Hose hinab auf den staubigen Boden des Bunkers. Er hasste diesen Teil, doch es musste getan werden. Behend zog der sich in den Lüftungsschacht im ersten Raum des Bunkers, die Leiche die er bis eben noch auf seinem Rücken gebunden hatte zog er an einem Seil hinter sich in den Lüftungsschacht. Der Bunker war nach dem Bau versiegelt worden und so konnte man lediglich über den Lüftungsschaft die hinteren Räume erreichen. Der Schatten warf die Leiche aus dem Lüftungsschaft herraus in die Schwärze des Raums, keuchte und folgte dem Blutgeruch in den dunklen Raum. Es roch nach einer Mischung aus Fleisch, Schweiß und scharfem bissigen Rauch.

"Das macht dann 43 Euro und 97 Cent, bitte." "Wat säste ? 43 Euro ? Dat sin ja 86 Mark! Man wat is der Sprit düh jehre. Da komm he häste fufzich, jeff mehr acht und mir sin früngde." "Äh ja, also ähm. Sie bekommen 7 Euro und 3 Cent zurück, hier bitte." "Watt fü ne Labbes bis du dann ? Du wirkst och noch net lang he, wa ?" "Aehm nein, ich bin neu hier. Schülerjob." "Ach jo, weßte ich kuhn alt singk sechzich johr alt immer her. Ich könnt dir vann dennen Schmuggler jet verzelle. Do häfste de Driss bis ungert de Uhre stohn, Jüngelche, ever ich han ken Zigt, so mach et joot." "Auf Wiedersehen. Schönes Wochenende." Kopfschüttelnd schaute der etwas picklige Junge dem alten Erhardt nach. Das würde was werden, wenn hier jeder Kunde so ein wirres Deutsch redete. Doch der Eifler hatte ihn nicht beschissen wie sein Chef ihn vorher gewarnt hatte. 8 Euro hatte er gewollt, doch schließliche waren es nur 7 Euro und 3 Cent gewesen. "Oh, nein. So ein Mist", fluchend rechnete der Junge den Betrag ein drittes mal nach. Er hatte sich beim ersten Mal verrechnet und dieser dreiste alte Mann hatte einfach einen noch höheren Betrag als Rückgeld gefordert. "So ein mieser Trick, dieser grässliche alte Mann. Was sage ich nur meinem Chef ? Vielleicht sollte ich den Euro einfach selbst in die Kasse legen!?" Mit einem breiten Grinsen stieg Erhardt in seinen alten Mercedes 190d und startete den Motor. "Dem han ich de Zahle um de Kopp jeschmisse, wa ?" Glücklich über den ergaunerten Euro fuhr Erhardt zurück auf die Bundesstraße Richtung Udenbreth. "Un jetz noch en Hiirsch und der Dach kan anfange." Als Erhardt die nun langgezogene Rechtskurve erreichte drosselte er die Geschwindigkeit seines Mercedes und schaltet in den ersten Gang. Der Schatten von eben konnte schließlich noch immer da sein und er wollte sich den vermeintlichen Hirsch nicht entgehen lassen. Der Blick des alten Mannes streifte durch die Baumreihen, immer und immer wieder, doch er konnte nichts entdecken. Gerade als der alte Mann wieder in den zweiten Gang schalten wollte sah er es. "Wat is dat dann ? Do hät wer en Jack ob nem Bom hänge losse." Der Mercedes stoppte. Der alte Mann zog sich langsam und etwas stöhnend aus dem großen Auto heraus und ging um das Fahrzeug herum, über die Leitplanke auf einen kleinen Baum zu über dem eine dunkelgrüne Jacke hing. Schon beim näherkommen stockte dem alten Mann der Atem. "Datt, datt, datt, datt is doch Bloot!" Überall um die Jacke herum lagen Innereien und Blut verteilt. Überall waren blutgetränkte niedergetrampelte Farne. Ein blutiges Loch inmitten des sonst grünen Waldes. Am Fuß des kleinen Baumes lag eine blutige Axt, direkt unter der dunkelgrünen Jacke.

Der Schatten zog sich zurück durch den Lüftungsschaft, Schweiß rann über seine Stirn und die Wut über seinen Fehler machte ihn rasend. Er hatte seine Jacke und die Axt vergessen. Dieser alte Mercedes hatte ihn so sehr abgelenkt, dass er nur noch seinen sicheren Bunker erreichen wollte. Nun galt es schnell die Jacke und noch wichtiger die Axt zurück zu holen. Behend glitt er durch die halb geöffnete Bunkertür ins Freie. Geblendet von der Sonne ging er zunächst vorsichtig, dann immer schneller werdend zurück zum dem Ort an dem er seine Axt vergessen hatte. Er musste sie wiederhaben, sie war wichtig, ohne sie konnte er nicht weitermachen. Da sah er gerade als er die Straße erreichte den leeren Mercedes. Die Warnblinkanlage blinkte, doch zu sehen war niemand in dem Wagen.


*2:57 Uhr, bin müde, Fortsetzung folgt und Übearbeitung folgen*