Ariakans Blog

Donnerstag, März 26, 2009

Mein Licht brennt noch.

Eine Gruppe der Waffen-SS stand vor meinem Hauseingang, die Maschinenpistolen im Anschlag.
„Öffnen sie sofort die Tür, Herr Sieberath!“, drang die Stimme des Obersturmbandführers den Hausflur hinauf.
„Ich komme ja, so warten sie doch einen Moment. Ich muss mich erst anziehen!“, entgegnete ich.
Während ich die Knöpfe meines Hemdes schloss, vernahm ich, wie die Gruppe sich am Schloss der Haustür zu schaffen machte. Die Jacke meiner Uniform über der Schulter hängend, stolperte ich die Treppe zur Haustür hinab.
„Es wird nicht notwendig sein mein Eigentum zu beschädigen!“, rief ich und riss die Tür auf.
„Was treiben sie denn so lange Herr Sieberath? Wir haben Befehl sie zu Hauptmann Prochnow zu bringen. Los beeilen sie sich!“ Der Obersturmbandführer deutete auf seinen Wagen und zog mich am Ärmel mit sich.
Fünf Minuten später quetschten wir uns zu dritt auf die Rückbank eines VW-London, ein älteres Modell aus der Fabrik für Freiheit, Abteilung London. Der Wagen hatte eine Notlichtanlage, die es dem Fahrer ermöglichte durch Licht- und Sirenensignale den Verkehr weitestgehend zu ignorieren. So fuhr der London in der Mitte der Straße, das eingeschaltete Notlicht ließ einen Korridor zwischen den anderen Fahrzeugen entstehen. Wir fuhren die Stalingradallee hinab, dann rechts in die Adenauer Straße. Schließlich auf die Reichsallee direkt zum Zentrum für Umweltfragen, hier wartete Hauptmann Prochnow auf mich.
„Herr Hauptmann, Herr Sieberath, wie befohlen!“ Der Obersturmbandführer machte nach der kurzen Vorstellung kehrt und schloss die braune Eichentür hinter sich.
Ich stand alleine vor einem großen brauen Schreibtisch, dahinter musterte Prochnow mich. Er wird etwa in meinem Alter gewesen sein, vielleicht etwas jünger. Seine schwarze SS-Uniform saß etwas schief und unter seiner Mütze stierten vereinzelt blonde Locken hervor. An seiner Uniform waren keinerlei Abzeichen zu erkennen. Weder eine der sportlichen Auszeichnungen die sich jeder Hauptmann der SS verdienen musste, noch eines der begehrten Ehrenabzeichen, die man sich nur im Kampf mit dem Feind verdienen konnte. Er musste meinen Blick bemerkt haben und so musterten seine strengen Augen meine Jacke, ein Verwundetenabzeichen, die silberne Schützenschnur und gleich vier Gefechtsmedallien blinkten auf meiner Uniform. Abfällig ließ er seinen Blick nach rechts an mir vorbei auf die Wand schweifen. Seinem Blick folgend, erkannte ich sofort wo ich gelandet war. Er war einer der engsten Vertrauten und Berater des Führers. So prangte ein Foto von ihm mit dem Führer an der Wand. Auszeichnungen würden mir hier also nicht helfen.
„Sie haben mich zu sich bestellt Herr Hauptmann. Darf ich fragen worum es geht ?“
„Herr Sieberath, wie ich sehe, haben sie dem Reich bereits mehr als einmal ihren Dienst erwiesen. Ich habe mir ihre Akte heute kommen lassen, eine vorbildliche Karriere. Nur verstehe ich nicht.“ er brach ab und erhob sich von seinem schwarzen Stuhl. „Nun ich verstehe nicht, wie sich ein so vorbildlicher Mann so direkt am Führer verschulden kann. Wir haben ihren Stromverbrauch der letzten vier Monate ab geglichen. Und daraus lässt sich nur schließen, dass sie immer noch Glühbirnen benutzen.“
Sein Gesicht war rot angelaufen, er schrie mich jetzt an. „Sie sind wohl lebensmüde! Glauben sie der Führer hat das Glühbirnenverbot aus Spaß erlassen ? Es geht hier um den Erhalt der Natur des Reichs! Der Krieg kostet die Natur schon genug und mit ihrem Vorgehen weiterhin Glühbirnen zu benutzen schaden sie nicht nur der Natur, nein. Sie stehlen dem Reich auch noch Ressourcen für den Endsieg! Was haben sie dazu, zu sagen?“
„Nun, wissen sie. Ich kam erst vor 3 Monaten aus dem Lazarett.“ begann ich und ging dabei zum einzigen Fenster im Raum. „Sie werden verstehen, dass ich als Frontsoldat nicht alle Anweisungen des Führers kenne. So ist es auch mit der von ihnen beschriebenen Anweisung keine Glühbirnen mehr zu benutzen. Ich werde natürlich sofort alle vorhanden Glühbirnen austauschen.“
Hauptmann Prochnow sah mich forschend an.
„Ich glaube ihnen nicht Herr Sieberath. Aber ich gebe ihnen noch eine Chance, nicht zuletzt wegen ihrer Leistungen für das Vaterland. Statt sie in eine Fabrik der Freiheit zu versetzen schicke ich sie wieder an die Front.“ Mit einem höhnischen Grinsen übergab er mir einen vorgefertigten Befehl. „Enttäuschen sie mich nicht, denn dann enttäuschen sie auch ihn.“ er deutete auf das Bild an der Wand.
„Zu Befehl Herr Hauptmann. Heil Limberg!“ ich grüßte und verließ den Raum, das Gebäude und lief die Reichsallee hinab.
Zu Hause angekommen ging ich die Treppe hinauf, schließlich öffnete ich die Depesche und erstarrte. Prochnow hatte mich tatsächlich versetzt, an die Front. Doch nicht an die asiatische Front oder zur Widerstandsbekämpfung in die ehemalige USA. Nein, er hatte mich an die Front der Natur geschickt. Von morgen an, wäre ich seiner Abteilung im Zentrum für Umweltfragen untergeordnet, müsste Glühbirnen suchen und Menschen die sich an der Umwelt vergingen in eine der Fabriken der Freiheit deportieren.
Ich zog einen Stift und eine Seite Briefpapier aus meinem Regal und schrieb meine letzten Worte nieder. Anschließend knipste ich die Glühbirne an und starrte in das Licht. Starrte solange in das Licht, bis die Männer in den schwarzen Uniformen kamen.

Kommentare:

  1. Marco, ich habe mich köstlich amüsiert! der Kampf für die umwelt ist allerdings der kampf für eine gute sache, deshalb ist der vergleich natürlich ungerecht. aber solange man drüber lachen kann...am besten finde ich "heil limberg":D

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  2. Interessante Gedankenwelt wein Freund!

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