Ariakans Blog

Freitag, Mai 01, 2009

Hirschbrunft(II)

Hier nun die Fortsetzung der Hirschbrunft.

Klick, Klack, Klick, Klack, Klick, Klack. Die Warnblinkanlage des des alten Mercedes 190d schien eine Warnung zu schreien. Keine zwanzig Meter von der Straße entfernt untersuchte Erhardt Hanf den grausigen Schauplatz, während der Schatten zwischen Mercedes und Leitplanke ins Gebüsch glitt. Erhardt beugte sich gerade über ein Büschel Haare, der Schatten kroch leise näher. "Dat siht us, als wär et van nem Hiirsch." Erhardt nahm die Axt und die Jacke, dreht sich herum und ging Richtung Mercedes. "Dat muss ich demm Förschter zeeje." Gerade als der alte Mann die Stelle des Schatten passierte, dröhnte ein langezogener Brunftschrei durch den Wald. Da blitzte es neben Erhardt im Gebüsch auf, ein Hirschfänger schnellte zwischen die Rippen, traf das Herz. Zu benommen vom Schmerz viel er zu Füßen des Schattens nieder, lautlos mit offenen Augen starrte Erhardt in den Schatten.

Der Schatten zog die zweite Leiche in den Bunker. Erschöpft von der Anstregung lehnte er sich gegen die Betonwand. Minuten vergingen, dann erst begann er seine Arbeit. Langsam und bedächtig zerlegte er die erste Leiche in völliger Dunkelheit. Er tastete mit hageren Fingern jede einzelne Sehne, jeden Muskel, jeden Hautlappen ab, bevor er mit einem scharfen Messer präzise Schnitte vornahm. Er wusste, dass er sich beeilen musste. Der Mercedes würde im Laufe des Tages die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich ziehen. Sie würden den Halter feststellen, die Stelle mit Blut finden und die nähere Umgebung absuchen. Der Schatten wusste, sie würden nichts finden das ihn zu sich führen konnte, doch sie würden spätestens Morgen Hunde einsetzen. Die feinen Nasen der Hunde würden kein Problem haben ihn hier ausfindig zu machen. Deshalb musste noch in dieser Nacht mit dem Fleisch der zweiten Leiche eine falsche Fährte legen, um den Bunker nicht zu enttarnen. Bis tief in die Nacht arbeitete der Schatten schnell und konzentriert, schließlich beendete er im grauen des Tages sein Werk, Fleisch hing in einem Nebenraum des Bunkers, umfunktioniert als Räucherhaus. Sanft zogen kleine Wölkchen Rauch aus dem Abzug des Bunkers, während der Schatten mit den abgetrennten Hautlappen Erhardts den Bunker verließ.

Er war geübt darin Hunden eine falsche Fährte zu legen, zu oft schon hatten Förster ihm nachgestellt, hatten versucht den Wilderer zu schnappen, der sich ihre besten Hirsche schnappte. Doch niemals hatte man ihn gefunden, auch die Leiche des alten Mannes würde das nicht ändern. Die Haut des alten Mannes war ideal um eine neue Geruchsspur für die Hunde zu legen, dabei war zu beachten das man dem Hund vortäuschte die alte Spur des alten Mannes sei nicht notwenig zur Zielerfüllung. Hunde können differenziert die Spuren eines einzelnen Menschen riechen, es reicht also nicht einfach die alte Spur zu überdecken, vielmehr muss man den Hund beim Suchen auf die neue Spur erziehen. So verlegte der Schatten die neue Spur über die alte, dabei ging er mehrfach mit der neuen Spur von der alten fort und wieder zurück. Er wusste, sollte der Hund etwas finden, würde der Hundeführer ihn loben. Also positionierte der Schatten die blutige Mütze des alten Mannes auf einem Teil der neuen Spur die weit von der alten entfernt war. Nach einer weiteren Schleife ließ er an einem Brombeerstrauch ein paar Kleidungsfetzen zurück, damit sollte er die Hunde und ihre Führer überlistet haben und die Hunde nun auf die neue Spur eingeschworen sein. So legte der Schatten eine Fährte weg vom Bunker, in Richtung Parkplatz Weißer Stein. Dort rieb er mit der Haut den Kofferraum eines der Autos ein und band die Hautlappen unter die Achse des Wagen. Anschließend setzte er sich auf eine Bank und wartete auf den Fahrer. Er würde sich einige Kilometer mitnehmen lassen und so seine eigene Spur von der Fährte erst trennen, wenn er sicher sein konnte, dass die Hunde nicht mehr auf der Fährte waren. So fuhr er als Anhalter mit nach Schleiden. Angekommen kaufte er sich eine Tageskarte im Hallenbad, wurde den Blutgeruch im chlorigen Wasser los.

Die Leiche Erhardt Hanfs wurde nie gefunden. Die Polizei erklärte das Verbrechen mit einem Raubmord und so vergaßen die Zeitungen das Thema nach einer Woche. Er hatte Erfolg gehabt, und das zusätzliche Fleisch würde ihn gut durch den nahenden Winter bringen.

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