Ariakans Blog

Sonntag, Juli 19, 2009

Es fehlt nicht die Poente, die Spitze.

Und als ich an die Rheinbrück' kam,
Wohl an die Hafenschanze,
Da sah ich fließen den Vater Rhein
Im stillen Mondenglanze.

»Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein,
Wie ist es dir ergangen?
Ich habe oft an dich gedacht
Mit Sehnsucht und Verlangen.«

So sprach ich, da hört ich im Wasser tief
Gar seltsam grämliche Töne,
Wie Hüsteln eines alten Manns,
Ein Brümmeln und weiches Gestöhne:

»Willkommen, mein Junge, das ist mir lieb,
Daß du mich nicht vergessen;
Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht,
Mir ging es schlecht unterdessen.

Zu Biberich hab ich Steine verschluckt,
Wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker!
Doch schwerer liegen im Magen mir
Die Verse von Niklas Becker.

Er hat mich besungen, als ob ich noch
Die reinste Jungfer wäre,
Die sich von niemand rauben läßt
Das Kränzlein ihrer Ehre.

Wenn ich es höre, das dumme Lied,
Dann möcht ich mir zerraufen
Den weißen Bart, ich möchte fürwahr
Mich in mir selbst ersaufen!

Daß ich keine reine Jungfer bin,
Die Franzosen wissen es besser,
Sie haben mit meinem Wasser so oft
Vermischt ihr Siegergewässer.

Das dumme Lied und der dumme Kerl!
Er hat mich schmählich blamieret,
Gewissermaßen hat er mich auch
Politisch kompromittieret.

Denn kehren jetzt die Franzosen zurück,
So muß ich vor ihnen erröten,
Ich, der um ihre Rückkehr so oft
Mit Tränen zum Himmel gebeten.

Ich habe sie immer so liebgehabt,
Die lieben kleinen Französchen -
Singen und springen sie noch wie sonst?
Tragen noch weiße Höschen?

Ich möchte sie gerne wiedersehn,
Doch fürcht ich die Persiflage,
Von wegen des verwünschten Lieds,
Von wegen der Blamage.

Der Alfred de Musset, der Gassenbub',
Der kommt an ihrer Spitze
Vielleicht als Tambour, und trommelt mir vor
All seine schlechten Witze.«

So klagte der arme Vater Rhein,
Konnt sich nicht zufriedengeben.
Ich sprach zu ihm manch tröstendes Wort,
Um ihm das Herz zu heben:

»O fürchte nicht, mein Vater Rhein,
Den spöttelnden Scherz der Franzosen;
Sie sind die alten Franzosen nicht mehr,
Auch tragen sie andere Hosen.

Die Hosen sind rot und nicht mehr weiß,
Sie haben auch andere Knöpfe,
Sie singen nicht mehr, sie springen nicht mehr,
Sie senken nachdenklich die Köpfe.

Sie philosophieren und sprechen jetzt
Von Kant, von Fichte und Hegel,
Sie rauchen Tabak, sie trinken Bier,
Und manche schieben auch Kegel.

Sie werden Philister ganz wie wir,
Und treiben es endlich noch ärger;
Sie sind keine Voltairianer mehr,
Sie werden Hengstenberger.

Der Alfred de Musset, das ist wahr,
Ist noch ein Gassenjunge;
Doch fürchte nichts, wir fesseln ihm
Die schändliche Spötterzunge.

Und trommelt er dir einen schlechten Witz,
So pfeifen wir ihm einen schlimmern,
Wir pfeifen ihm vor, was ihm passiert
Bei schönen Frauenzimmern.

Gib dich zufrieden, Vater Rhein,
Denk nicht an schlechte Lieder,
Ein besseres Lied vernimmst du bald -
Leb wohl, wir sehen uns wieder.«

- Heinrich, Heine.

Samstag, Juli 11, 2009

Black Saturday III.

Hier dritte Version des Black Saturday. Verfassungszeitraum ca. 1h. Jeder der sich angesprochen fühlt, darf gerne mitmachen.


Dunkelheit. Wasser tropft aus gebrochenen Rohrleitungen, plätschert auf kalten Stein, sickert in den Untergrund. Es riecht nach modrigem Gemäuer und alten Kartons. Vorsichtig setzte er vorsichtig einen Fuß vor den anderen. In der Dunkelheit war es immer gefährlich. Sein Herz raste. Er holte tief Luft und umklammerte den Griff der Axt, die er bei sich trug. Sollten sie bereits in den Keller gelangt sein würde er mit ihnen kämpfen müssen. Er hatte Angst davor, denn sie waren schon tot- und sie waren viele. Steven warf einen Blick hinter sich, erkannte einen schwachen Lichtschimmer von oben, dort wo die Kellertür einen kleinen Spalt offen stand und die anderen den Ausgang sicherten.
„Was dauert das denn so lange?“ fragte Mark und versuchte unterhalb der Kellertreppe irgendetwas zu erkennen. Basti zündete sich eine Zigarette an und ließ sich an der Wand niedersinken. „Das ist doch totaler Bullshit. Warum schickt ihr ihn da runter? Es gibt überhaupt keinen Grund.“
„Wartet mal!“ schrie Dave auf. Die anderen beiden hielten inne. „Was ist?“ wollte Mark wissen. „Ich dachte ich hätte was gehört.“
Basti schüttelte den Kopf und machte sich daran seine Schrotflinte zu begutachten während die anderen beiden gespannt vor der Kellertür warteten. Er schloss seine Augen und erinnerte sich daran, dass es noch gar nicht allzu lange her war, dass nichts von dem hier wahr gewesen war. Es war als hätte sich von einem Tag auf den anderen die ganze Realität umgekehrt, als würden sie jetzt in der Hölle leben. Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen- gegen Untote.
Ein Schrei riss ihn aus seinen Gedanken. Er sprang auf und legte die Schrotflinte an die Schulter.
„Das war Steven! Scheiße! Verdammte Scheiße, sie haben ihn erwischt, sie haben ihn erwischt!“ Dave verpasste dem panischen Mark eine Backpfeife. „Reiß dich zusammen, Mann!“ schrie er. „Mach die Tür zu!“
Basti hielt die Schrotflinte im Anschlag um Dave und Mark Rückendeckung zu geben, während sie sich daran machten die Tür zu verrammeln.
Mark nagelte gerade ein Brett an die Wand, als es begann von innen wie wild an die Tür zu hämmern.
„Wir müssen hoch!“ schrie Basti. „Beeilt euch!“
Dave suchte hektisch nach seiner Pistole, die er auf dem Boden abgelegt hatte. Als die ersten Hände durch das morsche Holz der Kellertür brachen begann Basti zu feuern. Jeder Schuss dröhnte durch das ganze Treppenhaus. Basti dachte daran, dass Claire da oben ganz alleine war. „Nun macht schon!“ schrie er erneut und setze einen Fuß auf die erste Stufe. Dave feuerte ein paar Mal auf die bleichen Händen, die dabei waren die Tür vollends aufzubrechen. „Geh schon mal vor! Wir machen das hier schon“, rief er Basti zu. Mark hatte sichtlich Mühe damit seine Kettensäge an zu bekommen und wurde langsam panisch. „Dieses verdammte Scheißding!“ Er warf die Kettensäge auf den Boden. „Und wenn ich diese Viecher mit bloßen Händen killen muss.“ Er begann die Ärmel seiner Jacke hoch zu krempeln.
„Mark, hör auf mit diesem Schwachsinn!“ rief Basti ihm zu, dann brachen die Zombies durch die Tür. Dave feuerte wie wild um sich. Mark streckte den Ersten, der auf ihn zugelaufen kam mit einem Schlag nieder, wurde dann wiederum von Dave am Arm gepackt und davon gezerrt. Die beiden eilten Richtung Küche. Basti stand alleine auf dem Treppenabsatz und sah wie mehre Untote ihnen folgten. Dave und Mark hatten ihre Aufmerksam auf sich gezogen.
Basti konnte noch hören, wie Dave und Mark die Küchentür von innen verbarrikadierten, als er die Treppe hinauf lief. Völlig außer Atem blieb er vor der Wohnung im zweiten Stockwerk stehen in der sie seit einigen Tagen untergekommen waren. Basti hämmerte an die Tür und hörte, wie sich von innen zaghaft Schritte näherten. „Hör zu, du Zombiearsch, ich bin bewaffnet!“ reif es von drinnen. „Mach die Tür auf, verdammt. Ich bin´ s, Basti.“ schrie er zurück.
Als Claire ihm endlich geöffnet hatte verriegelte er die Tür sogleich und schob eine schwere Kommode davor.
„Was ist passiert?“ fragte Claire ihn.
Er blickte sich im Zimmer um. In einem kleinen Ofen brannte ein Feuer, auf dem Tisch in der Mitte des Raumes lag ein Buch. Basti warf einen Blick hinein. „Schon wieder die verdammte Offenbahrung?“ Claire nickte nur. Er schüttelte den Kopf und schaute sich im Zimmer um. Die Fenster waren vernagelt. Das könnte in den nächsten Minuten zum Nachteil werden.
„Reiß die Bretter da mal runter“, sagte er und deutete auf eins der Fenster.
„Basti…“ sie griff nach seiner Schulter. „Was ist passiert? Wo sind die anderen?“ Basti senkte seinen Blick. „Wo sind Dave, Steven und Mark?“ sie begann zu zittern.
„Hör mir zu… reiß die Bretter da runter!“
„Aber dann können diese Dinger hier rein kommen…“
Basti packte Claire an den Schultern und rüttelte sie. „Hör mir zu! Wir sind hier im zweiten Stock. Und Zombies können nicht fliegen! Ich hab euch von Anfang an gesagt, dass es bescheuert ist, die Fenster zu vernageln. Aber Zombies können Treppen laufen und gleich werden sie hier vor der Tür stehen. ALSO REISS VERDAMMT NOCHMAL DIE BESCHISSENN BRETTER VON DER WAND, DAMIT WIR HIER RAUS KÖNNEN!“
„Sie sind hier drin?“ fragte Claire, während sie sich langsam daran machte die Bretter aus der Wand zu reißen.
„Ja, sie sind unten“, antwortete Basti, der derweil in der Wohnung Munition zusammensuchte und sich seine Taschen damit befüllte.
„Was ist mit den anderen geschehen?“ fragte sie erneut.
„Steven hats erwischt. Er war unten im Keller und wollte nachsehen, ob dort alles in Ordnung ist. Wie es scheint sind sie von dort herein gekommen. Wir konnten nichts machen.“
„Oh mein Gott… und die anderen?“
„Sind in die Küche geflohen.“
„Meinst du, dass sie noch leben?“
„Ich weiß es nicht. Aber sollten diese Viecher da rein kommen sind sie verloren. Mark ist unbewaffnet.“
Claire begann zu schluchzen. Basti nahm sie in den Arm. „Wir schaffen das schon“, flüsterte er. Dann hörten sie Schritte auf der Treppe…

Black Saturday II.

Hier eine zweite Fassung des Black Saturday. Gerne veröffentliche ich hier noch weitere Versionen. Einfach ne Email an mich, neto-mdk (@) gmx.net

Von Draußen waren die Schreie der Untoten zu hören- gleichmäßig wie weißes Rauschen im Radio. Jedenfalls kam es Claire so vor, als wäre das weiße Rauschen so gewesen- Radiostationen gab es schon lange keine mehr.
Das Zimmer in dem Claire saß war leer. Die Fenster waren mit Brettern zugenagelt und an den Stellen, an denen durch die Bretterspalten eigentlich die Sonne hätte hereinfallen können, konnte man die Fetzen eines dunklen Himmels erkennen. Sie kauerte auf dem Fußboden vor dem Ofen, in der rechten Hand ein Eisenrohr und las im trüben Schein des Feuers in der Bibel.
„Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach.“ murmelte sie. Die Offenbarung war ihre Lieblingsstelle. Sie hatte schon alle ihre Bücher verbrannt, die Bibel war als einziges Buch noch übrig.
Hätte man ihr das damals gesagt, als die Welt langsam unterzugehen anfing, Claire hätte gelacht. Und jetzt war es die einzige Hoffnung die sie noch hatten, auch wenn es natürlich eine zynische Hoffnung war.
Als erstes würde sie die Genesis verbrennen, hatte Claire sich vorgenommen.
Vor ein paar Wochen, als die Sonne ganz weggeblieben war und die Kälte unbarmherzig in jeden Winkel des Hauses geklettert war, war Mark der erste gewesen, der ein Buch in den Ofen geworfen hatte.
„Wo man Bücher verbrennt, da verbrennt man auch bald Menschen.“ Hatte Dave gesagt und versucht sie alle zum Lachen zu bringen. Claire und Basti hatten trocken gelacht, Steve hatte gelächelt und Lela war in den Träumen an die Vergangenheit, als solche Zitate tatsächlich noch einen Sinn zu ergeben schienen versunken. Nur Mark hatte Dave angeschrieen, er solle sich der Realität stellen. Alle waren zusammen gezuckt, sie hatten geschrieen, damals waren es noch keine resignierten Schreie gewesen, sondern endlos ausufernde Schleifen von Schreien die im Nichts verliefen.
„Ich für meinen Teil würde nicht zögern jeden von euch ins Feuer zu werfen, wenn es mein eigenes Überleben sichert.“ hatte Lela mit einer Stimme die vor Hysterie jederzeit zu kippen drohte, gesagt und Claire hatte ihr daraufhin so hart ins Gesicht geschlagen, dass Lela zu Boden fiel.
Claire zuckte zusammen, als es an der Tür klopfte.
„Wer ist da? Hey du Zombiearsch, ich bin bewaffnet!!!“ schrie sie und umklammerte das Eisenrohr so hart, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten.
„Basti! Verdammt Claire, mach auf!“
Beim Klang der vertrauten Stimme entspannte sich Claire ein wenig.
Sie öffnete die Tür und ließ Basti hinein.
„Verdammt, wann wirst du endlich lernen, dass die Scheißteile dich sowieso nicht verstehen?!“ fuhr Basti Claire an.
„Das ist mir scheißegal!“ fauchte Claire zurück, musste aber trotzdem kurz auflachen.
Basti lächelte ebenfalls, wenn auch nur eine Sekunde. Basti war der einzige, der seinen Humor noch nicht ganz verloren hatte und auch wenn Mark immer sagte, dass genau das Basti eines Tages noch in Schwierigkeiten bringen würde, schätzte Claire diesen Wesenzug an ihm.
Claire sah zu der noch immer geöffneten Tür hinaus.
„Wo zum Teufel sind Dave und Mark?“ fragte sie
„Claire…“ sagte Basti
Er war inzwischen an das Feuer herangetreten, im blinden Schein erkannte Claire, dass sein Arm an ihm herunterbaumelte.
„Was ist los?“ fragte sie und die Worte kamen nicht wie sonst in dem polternden, schroffen Tonfall hinaus, den sie alle sich inzwischen im Umgang miteinander angeeignet hatten, sondern waren gezeichnet von einer kratzigen Angst.
"Die Bastarde haben den ersten Stock eingenommen. Ich konnte gerade noch in den Aufzugsschacht entkommen, Dave und Mark..." Basti brach ab.
„Was? Red schon verdammt!“ Claire hätte nicht gedacht, dass sie überhaupt noch über so viel Kraft verfügte die Worte so aus ihrem Körper herauszukotzen.
"Dave und Mark waren in der Küche, als die Viecher durchs Treppenhaus in den ersten Stock kamen. Verdammt, Claire, beruhig dich! Sie haben sich bestimmt in der Küche eingeschlossen. Ich glaube sie leben."
"Du glaubst sie leben? Du glaubst es? Verdammt nochmal! Wer hatte Wache am Treppenhaus?"
„Ich bin mir sicher. Ich habe gehört, wie Dave Mark angeschrieen hat, er solle sich verdammt noch mal schneller bewegen.“
Claire nickte. „Klingt ganz nach Dave.“ Sagte sie nur.
Dann schien ihr auf einmal etwas einzufallen
„Wer hatte Wache im Treppenhaus?“ fragte sie
„Wenn du mit Dave und Basti zusammen warst…“ sie sprach den Satz nicht zu Ende.
"Steve hatte Wache. Sie haben ihn überrannt, einfach überrannt. Er konnte noch das Fallgitter betätigen, aber es war zu spät. Die ersten Viecher hatten sich bereits darunter befunden und nach und nach kamen sie alle durch. Steve ist tot.“
Claire musste schlucken. Steve. Das verdammte schwächste Glied in der Kette.
Der nervöse Steve, an dem Mark keine Kritik von ihr oder Basti geduldet hatte. Steve, an dessen Beispiel Mark ihnen versucht hatte klarzumachen, dass in Situationen wie diesen, jeder seinen festen Platz in der Gemeinschaft finden und auch ausfüllen könnte.
Steve, der irgendwann gar nicht mehr gesprochen hatte, dafür aber den Zombies mit einer solchen Präzision die Köpfe hatte durchbohren können, dass selbst Basti beeindruckt war.
Steve war also draufgegangen.
„Verdammt schade.“ Murmelte Claire
„Immerhin hat er länger durchgehalten als die meisten. Länger als ich es ihm zugetraut hätte.“
„Länger als ich es uns allen zugetraut hätte.“ Sagte Claire. Dann deutete sie mit ihrem Kopf auf den Boden. „Setz dich. Kümmern wir uns um deinen Arm.“
Claire sah sich in dem Zimmer um, aber da war nichts mehr. Nichts womit sie Basti hätte helfen können.
„Wir müssen in das andere Zimmer. Aber dafür müssen wir an den Mistviechern vorbei.“ Sagte sie und begann sich auszuziehen. Nachdem sie die drei löchrigen Pullover ausgezogen hatte die sie übereinander trug, zog sie ihr T- Shirt aus und riss es in Streifen um daraus eine Schlinge für Basti anzufertigen.
Bastis Arm tat ihm weh, das konnte Claire erkennen, aber er schien genug Adrenalin in sich zu haben um sich durch die Zombies durchzukämpfen.
„Okay?“ fragte Claire und zog sich wieder an.
„Okay.“ Nickte Basti und zog aus seinem Hosenbund seine Pistole und den Elektroschocker.
„Denk dran was Mark gesagt hat: Spar Munition.“ Sagte Claire. Basti verdrehte nur die Augen.
„Okay- gib mir schon den verdammten Elektroschocker. Ich weiß ja, dass du die Kopfschüsse sauber hinkriegst.“ Sagte Claire.
Dann öffnete sie die Tür.
Das Töten der Zombies war inzwischen ein solch automatisierter Eingriff, dass Claire nicht darüber nachzudenken brauchte.
Basti schoss in den Kopf, er traf immer.
Claire setzte den Elektroschocker ein und rammte mit der Eisenstange zu, das Geräusch war seltsam dumpf und manchmal quietschte es, wenn sie die Stange aus den Köpfen, den Hälsen, den Bäuchen zog.
Sie dachte nicht nach, weshalb Untote überhaupt auf Elektrizität reagieren konnten, sie versuchte nicht zu überlegen, wie viele dieser Mistviecher sich wieder erholen würden. Sie machte einfach nur den Weg frei.
Claire hätte nicht sagen können, ob sie für den Weg eine Stunde oder zehn Minuten gebraucht hatten, sie konnte nicht zählen wie viele Schritte sie über das schmierige Linoleum schon gegangen waren. Sie wusste nur, dass sie irgendwann vor der Küche angekommen war.
„Geh in das andere Zimmer zu den Medikamenten!“ schrie sie Basti zu „Ich muss nach den beiden sehen.“
„Okay.“ rief Basti zurück und dann sagte er noch etwas, dass sie nicht verstand, weil sie schon gegen die Küchentür hämmerte „Jungs, kommt raus da!“ schrie sie und hämmerte immer weiter, so lange bis die Tür sich öffnete.
„Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du deine Kraft sparen sollst?“ fragte Mark. Er frage es trocken und Claire konnte nicht anders als ihn umarmen und seinen Geruch kurz in sich hineinzusaugen.
„Ich hab mir Sorgen gemacht.“ Sagte sie.
„Auch wenn ich eure romantische Vorstellung nur sehr ungern störe, würde ich doch vorschlagen wir brechen auf.“ Sagte Dave
„Du hättest mir auch gefehlt wenn du abgekratzt wärst.“ Sagte Claire und auch der Sarkasmus konnte ihre Erleichterung die beiden lebendig wiederzuhaben nicht wegwischen.
Sie liefen in das Zimmer in dem Basti schon auf sie wartete.
Er hielt ein braunes Glas in der Hand und schluckte drei Tabletten auf einmal.
Dave setzte sich auf die Pritsche.
„Steve hats erwischt?“ fragte er rethorisch.
Basti nickte.
Mark setzte sich neben Dave und legte ihm den Arm um die Schultern.
„Verdammt schade.“ Murmelte er. Sie alle schwiegen.
Daves Finger strichen über die Lederfesseln mit denen jeder von ihnen vor langer Zeit schon einmal an die Pritsche gefesselt worden war.
„Wer hätte gedacht, dass wir irgendwann einmal froh sein würden, an diesem Ort zu sein.“ murmelte er.
„Wer hätte gedacht, dass wie vier hier nicht nur die Welt da draußen, sondern auch alle gebildeten Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern überleben würden.“ Sagte Mark
Basti nickte „Von den anderen Irren hier drin ganz zu schweigen.“ Sagte er
Claire sah in die Ecke. Dort lag Lelas gefrorene Leiche.
Die Arme waren abgetrennt, ein Bein ebenfalls. Dort wo Claire sie damals in den Kopf geschossen hatte klaffte ein Loch.
„Und, wie siehts aus? Soll ich uns heute das letzte Bein von der Veräterschlampe braten?“ fragte sie.

Black Saturday I.

Das Zimmer befand sich im 2. Stock eines Hochhauses, alle Fenster waren zugenagelt. Claire saß in einem Sessel und las in der Bibel. Die anderen Bücher hatte Claire bereits in den kleinen Ofen neben der Tür geworfen. Seit Monaten hatte die Sonne die Wolken nicht mehr durchdrungen, es war kalt. Von der Straße drang das Wehklagen der Untoten ins Zimmer. Versunken in ihre Lieblingsstelle hörte Claire das Klopfen an der Tür erst beim Zweiten mal. Sie schlug die Bibel zu und ging zur Tür. Es klopfte erneut.
"Wer ist da? He du Zombiearsch, ich bin bewaffnet!"
"Ich bins, Basti. Mach auf Claire."
Claire entspannte sich und öffnete langsam die Tür. Draußen stand Basti, allein, sein linker Arm baumelte am Körper.
"Oh Gott, was ist geschehen?"
"Sie haben den ersten Stock eingenommen. Ich konnte gerade noch in den Aufzugsschacht entkommen, Dave und Mark...", Basti brach ab.
"Was ? Verdammt nochmal, wo sind sie ? Was ist passiert, rede schon!" Claire schrie jetzt, versuchte ihren Verdacht wegzuschreien.
"Dave und Mark waren in der Küche, als die Viecher durchs Treppenhaus in den ersten Stock kamen. Verdammt, Claire, beruhig dich! Sie haben sich bestimmt in der Küche eingeschlossen. Ich glaube sie leben."
"Du glaubst sie leben? Du glaubst es ? Verdammt nochmal! Wer hatte Wache am Treppenhaus?"
"Steven hatte Wache. Sie haben ihn überrannt, einfach überrannt. Er konnte noch das Fallgitter betätigen, aber es war zu spät. Die ersten Viecher hatten sich bereits darunter befunden und nach und nach kamen sie alle durch. Steven ist, er ist tot."
Claire hatte das Verbandszeug in der Hand. "Setz dich, zunächst kümmere ich mich um dich, dann sind die Viecher dran!"