Ariakans Blog

Samstag, Juli 11, 2009

Black Saturday II.

Hier eine zweite Fassung des Black Saturday. Gerne veröffentliche ich hier noch weitere Versionen. Einfach ne Email an mich, neto-mdk (@) gmx.net

Von Draußen waren die Schreie der Untoten zu hören- gleichmäßig wie weißes Rauschen im Radio. Jedenfalls kam es Claire so vor, als wäre das weiße Rauschen so gewesen- Radiostationen gab es schon lange keine mehr.
Das Zimmer in dem Claire saß war leer. Die Fenster waren mit Brettern zugenagelt und an den Stellen, an denen durch die Bretterspalten eigentlich die Sonne hätte hereinfallen können, konnte man die Fetzen eines dunklen Himmels erkennen. Sie kauerte auf dem Fußboden vor dem Ofen, in der rechten Hand ein Eisenrohr und las im trüben Schein des Feuers in der Bibel.
„Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach.“ murmelte sie. Die Offenbarung war ihre Lieblingsstelle. Sie hatte schon alle ihre Bücher verbrannt, die Bibel war als einziges Buch noch übrig.
Hätte man ihr das damals gesagt, als die Welt langsam unterzugehen anfing, Claire hätte gelacht. Und jetzt war es die einzige Hoffnung die sie noch hatten, auch wenn es natürlich eine zynische Hoffnung war.
Als erstes würde sie die Genesis verbrennen, hatte Claire sich vorgenommen.
Vor ein paar Wochen, als die Sonne ganz weggeblieben war und die Kälte unbarmherzig in jeden Winkel des Hauses geklettert war, war Mark der erste gewesen, der ein Buch in den Ofen geworfen hatte.
„Wo man Bücher verbrennt, da verbrennt man auch bald Menschen.“ Hatte Dave gesagt und versucht sie alle zum Lachen zu bringen. Claire und Basti hatten trocken gelacht, Steve hatte gelächelt und Lela war in den Träumen an die Vergangenheit, als solche Zitate tatsächlich noch einen Sinn zu ergeben schienen versunken. Nur Mark hatte Dave angeschrieen, er solle sich der Realität stellen. Alle waren zusammen gezuckt, sie hatten geschrieen, damals waren es noch keine resignierten Schreie gewesen, sondern endlos ausufernde Schleifen von Schreien die im Nichts verliefen.
„Ich für meinen Teil würde nicht zögern jeden von euch ins Feuer zu werfen, wenn es mein eigenes Überleben sichert.“ hatte Lela mit einer Stimme die vor Hysterie jederzeit zu kippen drohte, gesagt und Claire hatte ihr daraufhin so hart ins Gesicht geschlagen, dass Lela zu Boden fiel.
Claire zuckte zusammen, als es an der Tür klopfte.
„Wer ist da? Hey du Zombiearsch, ich bin bewaffnet!!!“ schrie sie und umklammerte das Eisenrohr so hart, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten.
„Basti! Verdammt Claire, mach auf!“
Beim Klang der vertrauten Stimme entspannte sich Claire ein wenig.
Sie öffnete die Tür und ließ Basti hinein.
„Verdammt, wann wirst du endlich lernen, dass die Scheißteile dich sowieso nicht verstehen?!“ fuhr Basti Claire an.
„Das ist mir scheißegal!“ fauchte Claire zurück, musste aber trotzdem kurz auflachen.
Basti lächelte ebenfalls, wenn auch nur eine Sekunde. Basti war der einzige, der seinen Humor noch nicht ganz verloren hatte und auch wenn Mark immer sagte, dass genau das Basti eines Tages noch in Schwierigkeiten bringen würde, schätzte Claire diesen Wesenzug an ihm.
Claire sah zu der noch immer geöffneten Tür hinaus.
„Wo zum Teufel sind Dave und Mark?“ fragte sie
„Claire…“ sagte Basti
Er war inzwischen an das Feuer herangetreten, im blinden Schein erkannte Claire, dass sein Arm an ihm herunterbaumelte.
„Was ist los?“ fragte sie und die Worte kamen nicht wie sonst in dem polternden, schroffen Tonfall hinaus, den sie alle sich inzwischen im Umgang miteinander angeeignet hatten, sondern waren gezeichnet von einer kratzigen Angst.
"Die Bastarde haben den ersten Stock eingenommen. Ich konnte gerade noch in den Aufzugsschacht entkommen, Dave und Mark..." Basti brach ab.
„Was? Red schon verdammt!“ Claire hätte nicht gedacht, dass sie überhaupt noch über so viel Kraft verfügte die Worte so aus ihrem Körper herauszukotzen.
"Dave und Mark waren in der Küche, als die Viecher durchs Treppenhaus in den ersten Stock kamen. Verdammt, Claire, beruhig dich! Sie haben sich bestimmt in der Küche eingeschlossen. Ich glaube sie leben."
"Du glaubst sie leben? Du glaubst es? Verdammt nochmal! Wer hatte Wache am Treppenhaus?"
„Ich bin mir sicher. Ich habe gehört, wie Dave Mark angeschrieen hat, er solle sich verdammt noch mal schneller bewegen.“
Claire nickte. „Klingt ganz nach Dave.“ Sagte sie nur.
Dann schien ihr auf einmal etwas einzufallen
„Wer hatte Wache im Treppenhaus?“ fragte sie
„Wenn du mit Dave und Basti zusammen warst…“ sie sprach den Satz nicht zu Ende.
"Steve hatte Wache. Sie haben ihn überrannt, einfach überrannt. Er konnte noch das Fallgitter betätigen, aber es war zu spät. Die ersten Viecher hatten sich bereits darunter befunden und nach und nach kamen sie alle durch. Steve ist tot.“
Claire musste schlucken. Steve. Das verdammte schwächste Glied in der Kette.
Der nervöse Steve, an dem Mark keine Kritik von ihr oder Basti geduldet hatte. Steve, an dessen Beispiel Mark ihnen versucht hatte klarzumachen, dass in Situationen wie diesen, jeder seinen festen Platz in der Gemeinschaft finden und auch ausfüllen könnte.
Steve, der irgendwann gar nicht mehr gesprochen hatte, dafür aber den Zombies mit einer solchen Präzision die Köpfe hatte durchbohren können, dass selbst Basti beeindruckt war.
Steve war also draufgegangen.
„Verdammt schade.“ Murmelte Claire
„Immerhin hat er länger durchgehalten als die meisten. Länger als ich es ihm zugetraut hätte.“
„Länger als ich es uns allen zugetraut hätte.“ Sagte Claire. Dann deutete sie mit ihrem Kopf auf den Boden. „Setz dich. Kümmern wir uns um deinen Arm.“
Claire sah sich in dem Zimmer um, aber da war nichts mehr. Nichts womit sie Basti hätte helfen können.
„Wir müssen in das andere Zimmer. Aber dafür müssen wir an den Mistviechern vorbei.“ Sagte sie und begann sich auszuziehen. Nachdem sie die drei löchrigen Pullover ausgezogen hatte die sie übereinander trug, zog sie ihr T- Shirt aus und riss es in Streifen um daraus eine Schlinge für Basti anzufertigen.
Bastis Arm tat ihm weh, das konnte Claire erkennen, aber er schien genug Adrenalin in sich zu haben um sich durch die Zombies durchzukämpfen.
„Okay?“ fragte Claire und zog sich wieder an.
„Okay.“ Nickte Basti und zog aus seinem Hosenbund seine Pistole und den Elektroschocker.
„Denk dran was Mark gesagt hat: Spar Munition.“ Sagte Claire. Basti verdrehte nur die Augen.
„Okay- gib mir schon den verdammten Elektroschocker. Ich weiß ja, dass du die Kopfschüsse sauber hinkriegst.“ Sagte Claire.
Dann öffnete sie die Tür.
Das Töten der Zombies war inzwischen ein solch automatisierter Eingriff, dass Claire nicht darüber nachzudenken brauchte.
Basti schoss in den Kopf, er traf immer.
Claire setzte den Elektroschocker ein und rammte mit der Eisenstange zu, das Geräusch war seltsam dumpf und manchmal quietschte es, wenn sie die Stange aus den Köpfen, den Hälsen, den Bäuchen zog.
Sie dachte nicht nach, weshalb Untote überhaupt auf Elektrizität reagieren konnten, sie versuchte nicht zu überlegen, wie viele dieser Mistviecher sich wieder erholen würden. Sie machte einfach nur den Weg frei.
Claire hätte nicht sagen können, ob sie für den Weg eine Stunde oder zehn Minuten gebraucht hatten, sie konnte nicht zählen wie viele Schritte sie über das schmierige Linoleum schon gegangen waren. Sie wusste nur, dass sie irgendwann vor der Küche angekommen war.
„Geh in das andere Zimmer zu den Medikamenten!“ schrie sie Basti zu „Ich muss nach den beiden sehen.“
„Okay.“ rief Basti zurück und dann sagte er noch etwas, dass sie nicht verstand, weil sie schon gegen die Küchentür hämmerte „Jungs, kommt raus da!“ schrie sie und hämmerte immer weiter, so lange bis die Tür sich öffnete.
„Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du deine Kraft sparen sollst?“ fragte Mark. Er frage es trocken und Claire konnte nicht anders als ihn umarmen und seinen Geruch kurz in sich hineinzusaugen.
„Ich hab mir Sorgen gemacht.“ Sagte sie.
„Auch wenn ich eure romantische Vorstellung nur sehr ungern störe, würde ich doch vorschlagen wir brechen auf.“ Sagte Dave
„Du hättest mir auch gefehlt wenn du abgekratzt wärst.“ Sagte Claire und auch der Sarkasmus konnte ihre Erleichterung die beiden lebendig wiederzuhaben nicht wegwischen.
Sie liefen in das Zimmer in dem Basti schon auf sie wartete.
Er hielt ein braunes Glas in der Hand und schluckte drei Tabletten auf einmal.
Dave setzte sich auf die Pritsche.
„Steve hats erwischt?“ fragte er rethorisch.
Basti nickte.
Mark setzte sich neben Dave und legte ihm den Arm um die Schultern.
„Verdammt schade.“ Murmelte er. Sie alle schwiegen.
Daves Finger strichen über die Lederfesseln mit denen jeder von ihnen vor langer Zeit schon einmal an die Pritsche gefesselt worden war.
„Wer hätte gedacht, dass wir irgendwann einmal froh sein würden, an diesem Ort zu sein.“ murmelte er.
„Wer hätte gedacht, dass wie vier hier nicht nur die Welt da draußen, sondern auch alle gebildeten Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern überleben würden.“ Sagte Mark
Basti nickte „Von den anderen Irren hier drin ganz zu schweigen.“ Sagte er
Claire sah in die Ecke. Dort lag Lelas gefrorene Leiche.
Die Arme waren abgetrennt, ein Bein ebenfalls. Dort wo Claire sie damals in den Kopf geschossen hatte klaffte ein Loch.
„Und, wie siehts aus? Soll ich uns heute das letzte Bein von der Veräterschlampe braten?“ fragte sie.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen