Freitag, Juli 10, 2009

Erlebnispark Nürburgring, ein Flop ?

"Ich werde nicht zulassen, dass diese große Chance kaputtgeredet wird."
,Kurt Beck, Ministerpräsident Rheinland-Pfalz.

Wie die Kölnische Rundschau berichtet, versuchte Beck mit einer emotional geführten Rede die Rieseninvestition von 258 Millionen Euro in den Erlebnispark Nürburgring zu rechtfertigen. Bereits im Jahr 2007 wurde in einem Spiegelartikel deutlich, das Projekt ist riskant. In verlinktem Spiegelartikel war zu lesen, ursprünglich sollte das Ring-Projekt 150 Millionen Euro kosten. Inzwischen spricht Kafitz von einer Investitionssumme von 210 Millionen Euro. In der Eifel wird eben manches teurer als geplant.
Die CDU-Landtagsfraktion in Mainz wird mittels eines Untersuchungsausschuss, die Investition und die Fehler klären lassen. Eigentlich unnötig, hatte Beck doch noch im Jahr 2004 behauptet: „Das Land geht bei diesem Vertrag kein Risiko ein. Wenn nicht alles schief läuft, ist die Nürburgring GmbH aus unserer Sicht finanziell sehr gut aufgestellt.“
Damals hatte Beck mit Ecclestone über den Verbleib der Formel 1 auf dem Ring verhandelt, ob er damals schon die 250 Millionen Investitionen dem lieben Herrn Ecclestone versprochen hatte bleibt offen. Seltsam ist es allemal, nach nur 3 Jahren Betrieb wurde das "neue" Kartzentrum wieder abgerissen. War es doch angeblich das modernste Kartzentrum Europas. Man könnte meinen, Herr Beck wollte auch mal eine Eröffnungsfeier am Ring. Denn 2003 war noch der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage bei der Eröffnungsfeier am Ring. Beck eifersüchtig ?

Justicia fällt ihr Urteil ja mit verbundenen Augen, doch diesmal wollte ich mir selbst ein Bild machen. Also fuhr ich am Donnerstag zur Eröffnungsfeier, die Rede von Herrn Beck hab ich leider nicht mitbekommen. Die Hand konnte ich auch keinem der 1200 geladenen Promigäste schütteln, die waren selbst zu sehr damit beschäftigt mit dem F1-Profis zu schnacken. Ein Freund und Experte der Automobilbranche, der mit mir zum Ring fuhr meinte: "Dat sieht ja aus wie auf nem Flughafen. Man da haben die sich wieder was von so nem Scheiß Architekten andrehen lassen." In der Tat hatten die Hallen etwas Kaltes, so halbgefüllt mit Formel 1 Fans, vornehmlich der Kategorie "Camper Grüne Hölle". So schlenderten wir an den typischen Formel1-Ständen vorbei. Merchandise zum umfallen, teuer sowieso.
Fasziniert hat mich der RWE-Stand, hier warb man um Energiegewinnung aus Biomasse. In diesem Zusammenhang könnte ich jetzt noch nen Vortrag über den Verkauf von Staatsforst durch die NRW-Landesregierung halten, mach ich aber nicht. Interessant war auch der Nissan-Stand, neben 2 Autos hatten sie auf dem Boden eine Abbildung der Nordschleife im Modell. Leider konnte man dank des Camperschlamms nicht mehr gut durch den gläsernen Boden sehen. Der Rest des Bodens am Nissanstand, war wie so viele Andere nicht hart. Vielmehr hatte man das Gefühl unter dem schwarzen Gummi befänden sich ein paar zusammengenagelte Spanplatten. Es quietschte bei jedem Schritt, in der Innenarchitektur nennt man das vermutlich "spannungsfördernd". Das in Massen auftretende Sicherheitspersonal war mit der Bewachung der Baustellen sichtlich unterfordert. Ohne die 30 - 40 tausend Formel 1 Fans der Kategorie "Camper Grüne Hölle" wäre diese Eröffnungsfeier sicherlich ein totaler Flop geworden.

Höchst interessant, zu sehen wie der geplante Millionenumsatz ausblieb. Bereits vor dem Gelände wurde ich angequatscht, "Brauchen sie noch eine Ringcard?" "Eine was ?" "Sie können nicht mehr mit Bargeld auf dem Gelände bezahlen, nur noch mit der Ringcard, ich kann sie mit 10€ oder mehr aufladen und ihnen geben." "Ne danke, kein Interesse."
In Kombination mit den Warnschildern an jeder Tribüne "Das Verzehren von eigenen mitgebrachten Nahrungsmitteln und Getränken ist verboten.", ein deutliches Zeichen für das Geschäftsmodell des "neuen neuen Nürburgrings". Ist klar, ich bezahle ein paar hundert Euro für ne Formel1-Karte, Campingebühren, Müllgebühren, Anfahrt, Campingausrüstung. Da werde ich mir ja nicht meine eigenen Getränke mitnehmen, wo doch Bier aus Plastikbechern eh viel besser schmeckt.
Aber einmal muss ich dann doch noch in meinem Leben zum Ring. Die schnellste Achterbahn der Welt anschauen, noch war sie nicht fertig. Außerdem ist das die schnellste Option um Achterbahn zu fahren, denn man muss nicht anstehen. Schließlich ist an normalen Donnerstagen, ohne Formel 1, Rock am Ring oder 24h Rennen, nichts los am Ring. Da stelle ich mich dann ganz alleine in die riesige Flughafenhalle und genieße.
Zum Ende hin ging es dann wieder zu Fuß zum Parkplatz und pünktlich mit einsetzendem Regen nach Hause. Nur eine Frage bleibt ungeklärt, worauf haben diese Menschen da nur gewartet?