Sonntag, Juli 10, 2011

Bin ich ein Ork oder was ? II

Bin ich ein Ork oder was? I

Fassungslos stand Ilias auf dem kleinen Hügel. Einst war die Lichtung im Alten Wald ein heiliger Ort gewesen. Die Alten hatten ihre blutigen Rituale hier ausgeführt. Doch schon vor hunderten Jahren hatte man diesen Teil der Welt vergessen. Die Zeit hatte den Altar im feuchten Waldboden versinken lassen, einzig die alte Lichtung war gleichgeblieben. Kein Baum wagte es auf dem geweihten Boden zu wachsen und so war lediglich ein kleiner Hügel dort entstanden wo einst der Altar stand. Ilias blickt nach Süden, er konnte immer noch nicht fassen was sich da durch den Wald auf ihn zubewegte. Die Gestalt die sich im Morgengrauen nur wenig vom modrigen Waldboden abhob musste wenigstens zwei Fuß größer sein als Ilias. In der Hand trug sie eine Fahne, ein Banner, ein Kriegsbanner, eines der Horde. Vor zwei Tagen hatte Ilias mit der Horde gekämpft, mit seinen Soldaten. Trotz der schweren Verluste hatten sie gesiegt. Doch inzwischen hatten sich die Dinge geändert, Ilias war allein. Sie hatten alle getötet. Sie hätten alle tot sein sollen.
Woher kommt dieser verfluchte Ork? Ilias erkannte das sie vor zwei Tagen nicht gründlich gewesen waren, sie hatten einen Fehler gemacht. Er hatte einen Fehler gemacht. Die Ungläubigkeit über den lebendigen Ork wich einem antrainierten Gedanken.
Wenn sie euch einmal gewittert haben verlieren sie ihre Fährte nur noch wenn sie ihren Kopf verlieren. Der Ork war mittlerweile keine 60 Fuß mehr entfernt, nahe genug. Ein offener Kampf war selbst für geübte Kämpfer ziemlich aussichtslos. Ilias musterte die Umgebung, hier wäre ein Kampf durchaus sinnvoller als im Wald selbst. Der Hügel gab ihm einen leichten Vorteil, vielleicht den entscheidenden Vorteil. Andererseits würde man ihn hier kaum finden und er konnte nicht auf Hilfe durch eine der Patrouillen der Armee seines Herren hoffen.
Öffenes Gelände, wenn ich es auf das Grasland im Norden schaffe habe ich eine Chance. Die Patrouillen kreuzten regelmäßig in der Nähe des Alten Waldes um sicherzustellen das sich keine Armee zwischen den alten Eichen versteckt hielt. Ilias nahm sein Schild auf und rannte los. Es war nicht weit bis zum nördlichen Grasland, vielleicht zwei oder drei Meilen. Ilias Lungen waren trainiert und der kontrollierte Trab trotz des schweren Plattenpanzers für Ilias eine gewohnte Übung. Die Armee war hart trainiert worden und bestens für den kommenden Krieg gerüstet. Doch alleine? Ilias war sicher dass er selbst gegen einen verletzten Ork kaum eine Überlebenschance hatte und so rannte er nun um sein Leben, rannte nach Norden. Die Sonne war immer noch nicht aufgegangen als Ilias das nördliche Grasland erreichte. Der Horizont im Osten war in blasses Orange gefärbt, ging aber in das schwarz blaue der alten Nacht über. Als er sich umsah und in den Wald horchte sah er den Ork bereits. Hinter einer großen Eiche trat er hervor. Vorsichtig witterte der riesige Ork in seine Richtung, eine Axt in der rechten Pranke, in der Linken immer noch das Kriegsbanner. Die katzenartigen Augen musterten ihn. Währendessen brachte Ilias, rückwärts gehend, mehr und mehr Raum zwischen sich und den Wald.
Er trägt die Axt in der Rechten, damit ist die linke Seite seine Schwachstelle. Ein kleiner Vorteil für Ilias, der als Linkshänder sein Schwert links führte und sein schweres Schild am rechten Arm fixiert hatte. Der Ork trat auf das Grasland und pflanzte das Banner in den feuchten Boden. Ilias konnte das Knacken unter der Nackenmuskulatur hören als sich der Ork streckte und seine Axt wie zum Gruß erhob. Die aufkommende Angst vor dem was bevor stand ließ Ilias einen Moment erstarren. Er kämpfte gegen den Drang an einfach alles wegzuwerfen und davon zu laufen. Sein Herz pochte unter der schweren Rüstung, kalter Schweiß ließ in schauern. Ilias kämpfte gegen die Todespanik, ein Kampf den er nicht verlieren durfte. Ohne eine klaren Geist war diese Schlacht verloren. Er besann sich auf seine Herkunft, ersann eine kleine Heldengeschichte um sich und seine Ahnen. Wie einst die Helden seine Mutterstadt beschützten, so hatte auch seine Familie Anteil an den Kriegen gehabt. Davon sprach das Wappen mit seinen zahlreichen Verzierungen auf seinem Schild. Der Adler, die Stadt, die Mutter aller Soldaten, Troia. Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, der Ork stürmte grunzend auf ihn zu. Ilias stemmte sich gegen seinen Schild und erwartete den ersten Hieb des Orks. Noch bevor er den Schlag hören konnte peitschte ein entsetzlicher Schmerz seine Schulter. Die Wucht mit der der Ork seinen Schild getroffen hatte war viel härter als Ilias angenommen hatte. Der Schlag hatte seine Schulter ausgekugelt. Der Schildarm war durch das schwere Schild zu einer quälenden Last geworden. Gleichwohl Ilias sofort zu einem Konter ansetzte traf er den Ork nicht wie geplant an der offenen linken Flanke. Sein Schwert glitt lediglich über dessen Rücken. Viel behender als man das einem so großen Wesen zutraut war der barfüßige Ork halb hinter Ilias gesprungen und holte zu einem erneuten Schlag aus. Vor Schmerz schreiend riss Ilias seinen Körper und das Schild herum. Erneut stemmte er sich in den Schlag des Ork. Lautes Poltern erklang und der Orks zwischte vor Wut als seine Axt erneut nur das Schild traf. Dennoch war die Wirkung entsetzlich. Die Schmerzen in Ilias Schulter nahmen zu. Es schien als könne er den Schmerz in seinem Kopf hören. In Wellen durchzuckte es Ilias' Nerven. Dann ein weiterer Schlag, erneut traf der Ork den Schild. Noch hielt Ilias stand. Voller Wut schwang der Ork seine Axt hoch über den Kopf, zielte dabei auf Ilias' Helm.
Jetzt oder nie! Ilias tat einen Satz nach vorne und stach mit seinem Schwert in Richtung des linken Knie vom Barfüßigen. Gleichzeitig ging Ilias dabei in die Knie um dem Schlag des Ork auszuweichen. Ilias spürte wie die Spitze seines Schwertes in Fleisch eindrang, gleichzeitig prallte die Axt an der Oberkante des Schildes schräg nach rechts ab. Der Ork, am Oberschenkel verletzt stolperte nach links über sein verletztes Bein. Der Schwung den die Axt aufgenommen hatte drehte seine Körper dabei links. Die linke Flanke war nun ungedeckt vor Ilias. Sein Schwert stieß erneut vor. Zwischen der dritten und vierten Rippe Drang es dabei ins Fleisch. Ein zischendes Geräusch, begleitet vom Schmerzensschrei des Barfüßigen. Ilias stieß sich vom Boden ab, wie im Rausch preschte er, das Schwert voran in den Ork hinein. Das Schwert drang dabei tief in den Oberkörper ein und traf das Herz des Barfüßigen. Der Schwung des Fallenden riss Ilias vorne über mit und er landete auf dem Ork im Gras. Einen Moment blieb Ilias einfach liegen, wartete und lauschte. Bereit sein Schwert durch die Rippen zu reißen und das Loch weiter aufschlitzen. Doch der Ork bewegte sich nicht. Kein Zucken, kein Geräusch, lediglich das schmatzende Geräusch des Schwertes in der tiefen Wunde. Ilias atmete auf, löste seinen Schild vom Arm und fiel neben den Ork auf die Knie.
Sein Blick streifte über das Grasland nach Westen in die Dunkelheit. Er legte seinen Helm ab, atmete auf. Langsam stand er auf, das Pochen in seiner Schulter ließ ihn dabei aufstöhnen. Der Rand der Sonne erschien im Osten.
Überlebte Nacht, neuer Tag. Dann sah Ilias im Osten eine wabernde Bewegung am Horizont, eine Armee.
.....

1 Kommentar:

  1. Ich kann das Wort "Ilias" nicht assoziationsfrei lesen. Bin ich zerbildet? Jedenfalls kann man die Geschichte so nicht richtig lesen, wenn die Blaskapelle im Kopf ständig "Homer" spielt...

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