Ariakans Blog

Montag, November 28, 2011

Schieflage!

Es läuft etwas gewaltig schief im Abendland. Nein. Ich meine nicht die Finanzkrise, den verlorenen Krieg in Afghanistan oder das zugrunde gehende Bildungssystem. Ich bin einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden. Konkreter, ich bin mit den Methoden des Denkens unzufrieden. Wo ist die hochgelobte abendländische Kultur? Wo ist Cato, der als Mahnmal der Vernunft die Menschen das Denken lehrt? Ein Beispiel.

Gestern disskutierte ich mit zwei älteren Herren über die Finanzkrise. Die Fronten waren recht schnell abgesteckt, die üblichen Phrasen gedroschen.


  • Ein Staat darf sich nicht so verschulden wie Griechenland.
  • Die sind ja auch alle faul da unten im Süden, das liegt einfach in deren Mentalität. 
  • Ich habe nichts gegen Europa, aber warum sollen wir deren Schulden mit Geld bezahlen das wir selber nicht haben? 
  • Der Sozialstaat ist definitiv nicht mehr finanzierbar, da müssen eben alle wieder arbeiten gehen. 
  • Die Banken müssen reguliert werden, die handeln ja mit Beträgen die gar nicht mehr greifbar sind.
  • Unsere Politiker machen immer nur neue Schulden, dass kann doch so nicht weitergehen.
Ein wenig kam ich mir vor die Don Quijote als ich da zwischen Ihnen saß und versuchte gegen ihre Meinungen vorzugehen. Die Behauptung, sie würden falsch denken brachte ich nicht über meine Lippen. Und doch, es war offensichtlich wie sich ihre Meinung gebildet hatte. Ein Leben voller Arbeit, Kinder aufgezogen, Haus gebaut und das Girokonto ausgeglichen. Typisch für die Generation Gold.  Gemeint sind diejenigen die nach dem 2. Weltkrieg aus dem Vollen schöpfen konnten. Das sind Männer die Zeitung lesen, alle ARD Tagesschausprecher kennen und mindestens 3-4kg Leserbriefe an diverse Lokalzeitungen versandt haben. Persönlich sind sie mir ja sehr sympathisch, mit ihrem Portwein, dem Cognac und der Leidenschaft für politische Diskurse. Es sind alles in allem recht vernünftige Menschen. Doch etwas zeigt sich hier deutlich. Nämlich das man durchaus vernünftig sein kann, ohne auch ein einziges mal im Leben recht gehabt zu haben oder der Wahrheit nahe gekommen zu sein.
Das Vermögen vernünftige Schlüsse zu ziehen basiert auf der Fähigkeit logisch zu Denken. Das bedeutet bei entsprechenden Prämissen, die dazu gültigen Schlüsse zu ziehen. Ist nicht schwer. So ist 1 + 1 = 2. 

  • Moritz ist ein Mann, sofern die beiden unten angegebenen Prämissen gültig sind.
  • -> Nur Männer tragen blaue Hüte.
  • -> Moritz trägt einen blauen Hut.
Das ist ein einfaches Prinzip, aber es reicht aus um die korrekten Schlüsse zu ziehen. Und genau hier setzt das wohl größte Problem unserer Zeit an. Die korrekte Bewertung von Prämissen. Was ist eine Prämisse, die gültig ist und dazu gereicht sich eine Meinung zu aktuellen politischen Krisen zu machen? Die eigene Lebenserfahrung? Die Nachrichten auf der ARD? Der Wirtschaftsteil der Zeit? Die philosophischen Ansichten Keynes? 

Die guten Herren waren nicht davon zu überzeugen, dass man einen Staatshaushalt nicht mit dem eigenen privaten Haushalt vergleichen dürfen. Vielleicht hätte ich stärker auf das Sparparadoxon verweisen müssen. Es hätte nichts gebracht. Denn die meisten Menschen glauben lieber ihre Meinung, als zu wissen das sie nichts wissen. Doch etwas macht mich traurig. Ihren Zorn zu sehen und zu wissen, wenn sie das nächste mal ein Kreuzchen bei ihrer Lieblingspartei machen ist damit niemandem geholfen. Überhaupt, werden sie jemals die Freiheit besitzen die ihnen nach dem Recht zu steht? Werden sie ewiglich beherrscht sein? Von den Meinungsmachern und deren Meinungsmedien zu Repeatern degradiert? Mein Bauch sagt mir, dass es nicht einfach wird dies zu verhindern.

"Es ist schwer mit dem Bauch zu argumentieren, denn der hat keine Ohren." - Cato





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