Ariakans Blog

Mittwoch, Juni 26, 2013

Irgendwas mit Medien, oder so...

Der politisch korrektekonforme Journalismus als Berufswunsch scheint mittlerweile überholt. Es mag sicherlich noch ein oder zwei dieser unverbesserlichen Weltverbesserer geben, die ernst gemeinten Journalismus als ihren Berufswunsch in die Poesiealben ihrer Freunde schreiben. Aber auch das ist ja schon politisch äußerst fragwürdig. Ich halte mich jedenfalls zurück was Eintragungen in irgendwelche Poesiealben angeht. Das kann man nämlich nicht einfach so mir nichts dir nichts löschen. Was da drin steht, bleibt da auch drin. Und bei den wenigsten Menschen würde ich sagen, "Ja klar, wir bleiben Freunde und meine Wünsche und Hoffnungen schreibe ich dir gerne in ein Buch über das nur du die volle Verfügbarkeit hast. Du wirst ja sicherlich nicht auf die Idee kommen, dass eingescannt bei Facebook zu posten." Ehrlich gesagt, eher das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Menschen vergisst man gleich wieder, nachdem man ihnen das Pausenbrot für einen dieser billigen Schmetterlingsaufkleber abgeschwatzt hat. Und aus diesem Grund schreibe ich auch nicht in Poesiealben. Aber darum soll es nicht gehen, schauen wir auf den sog. Journalismus. Als Werkzeug der  Berichterstattung und dem anschließenden Verkauf an den Meistbietenden. Um es gleich klar zu stellen, der Meistbietende ist grundsätzlich daran interessiert, dass die journalistische Arbeit:

  • A: politisch korrekt ist. Was soviel heißt, der Text ist geht konform mit der Verfassung des Staates in dem sie veröffentlicht wird. Weiterhin verstößt sie nicht gegen geltendes Recht und auch nicht gegen gängige kulturelle Traditionen. (Man schreibt als Kölner Stadtanzeiger nicht über den Karneval als sinnloses Fest)
  • B: politisch konform ist. Was hier meint, dass eine Zeitung deren Leser(also Finanziers) eher einer bestimmten politischen Meinung zuzuordnen sind, auch diese Meinung entsprechend bedient wird. Darüber hinaus sich mit Beiträgen klar positioniert und von andere politischen Strömungen abgrenzt. 
  • C: keine direkte Kritik enthält. Es geht im modernden Journalismus darum den Anschein des Objektiven zu wahren. Darum darf man nicht kritisieren, noch allzu differenziert die Sachverhalte erläutern. Chefredakteure sprechen in diesem Zusammenhang oft davon, "den Leser nicht mit Details zu langweilen." - So hat der Schreiberling fürs eigene Gewissen die Ausrede, dass es ja die Schuld des Lesers ist und nicht er selbst, dass der letzte Artikel über das Bankenrettungssystem ESM so undifferenzierte Scheiße verzapft hat. 
  • D: A-C gilt auch für fest angestellte Journalisten. 
Du willst doch nicht behaupten, es gäbe keinen ehrlichen Journalismus mehr! Nein, dass nicht. Denn wenn im Generalanzeiger Bonn über einen Unfall auf der Stadtautobahn berichtet wird, dann ist das ja durchaus objektive Faktenvermittlung. Da kann sich dann jeder selber aus den Fakten die Geschichte zusammenspinnen. War der Fahrer betrunken? Wurde er von einem radikalen Tiertransport auf den Seitenstreifen gedrängt? Steht als das in Zusammenhang mit dem "Rettet alle Ponys und Frieden für alle"-Aufkleber auf dem Heck des Fahrzeugs? Interessiert sich jemand für diese suggestive Scheiße? Mal abgesehen von Satirikern wie dem, ihr wisst schon, der hier... 

Was will ich hier eigentlich? - Werbung für ehrlichen an Werten orientierten Journalismus machen!

Ihr erinnert euch? 
Das ganze war dann doch zu direkt und sorgte für einen Eklat. Beckmann konnte sich aber irgendwie aus der Schlinge ziehen und das Format behalten. http://www.spiegel.de/sport/sonst/talkshow-auftritt-ullrich-bricht-mit-beckmann-a-469334.html

Auch zu direkt war Beckmann anderer Stelle. Einfach Silvester Stallone über Politik zu fragen, statt ihm dabei zu helfen sein neues Musical zu verkaufen. Sowas geht echt nicht klar! 

Gleichzeitig wird er als zahnlos und das Format als niveaulos kritisiert. Kuscheljournalismus nennt man sowas. Der Feuilleton kritisiert eben lieber Formate, als sich mit Inhalten zu befassen. Das ginge auch gar nicht, denn der Feuilleton hat die Aufgabe unabhängig von der politisch konformen Meinung, dem Leser eine abstrakte Perspektive auf kulturelle Aspekte des aktuellen Tagesgeschehens zu liefern. Da wäre es hinderlich, wenn sich der Feuilleton auf Leser verschreckende politische Inhalte stürzen würde. Und ganz ehrlich, wir lesen den Feuilleton auch gerade deswegen. Er ist ein Ort zum Entspannen, eine Insel des Sinnlosen. Der kunstvoll arrangierten Worte, die letztlich keine politische oder gesellschaftliche Kraft entfalten. Hairmlose Chinakracher. 

Warum habe ich gerade Jan Ullrich als Beispiel herangezogen? Weil er den Zeitgeist wie kaum ein anderer verkörpert. Schamfrei ließ sich Ullrich als Radsportheld der Deutschen feiern. Als tragischer Held wurde er auf den Bergetappen inszeniert und wenn er denn mal verlor, war es das Doping der anderen. Die Kritik am eigenen Nationalepos war zu seiner aktiven Zeit unerwünscht. Schließlich muss man die nationale Identität regelmäßig durch Idole auffrischen und das Bewusstsein dafür schärfen, dass es nur ein Deutscher sein darf, der siegt, worin auch immer. Die Suche nach Idolen lässt sich übrigens in jeder Sportart finden. Am lustigsten ist meiner Ansicht nach, die Suche nach dem neuen Schumacher. RTLs "Schumacher über alles" hat schließlich ein riesiges Bedürfnis beim Publikum nach einem Deutschen F1-Fahrer geschaffen, der alles gewinnt. In diesem Zusammenhang muss man sehen, dass die Kritik an Vettel in letzter Zeit so weich gespült war. Auch wenn Vettel vermutlich genauso eine Pappfigur wie Jan Ullrich ist, Zeitgeist eben... 

- Vettel vor seinem WM-Titel, feat. RTL https://www.youtube.com/watch?v=AeHNKbTkGwg
- Vettel nach seinem WM-Titel, feat. german Media https://www.youtube.com/watch?v=E8HypEw3gQY

Hätte man in der Zeit auch was sinnvolles übertragen können? Vielleicht wäre ja ein Bericht über den Eifler Ökonomen Silvio Gesell eine nette Abwechslung zu den Werbespots für den ESM. Aber was weiß ich schon, tausend professionelle Journalisten in zehntausend namentlich unterschiedlichen Zeitungen können nicht lügen. Eines hab ich mittlerweile gelernt, wer keine Werte hat, der brauch sich auch nicht zu schämen. 





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