Ariakans Blog

Dienstag, Juli 30, 2013

Die letzte Tragödie?

Heute spülte die @zeitrafferin diesen Link in meine Timeline, http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40053/Die-Rettung-der-Liebe

Die Rettung der Liebe. In dem Artikel wird die Möglichkeit diskutiert, mittels Hormonpille den chemischen Prozess von Liebe im Gehirn zu beeinflussen. Soweit so simpel, einfach eine News aus dem Segment Wissenschaft, Abteilung Biochemie. Philosophische Implikationen derzeit unbekannt, Forschungen laufen. Abhaken und weiter vegetieren. Aber halt, Liebe als Pille? Einige Perspektiven die in diesem Interview erscheinen wirken doch recht verstörend auf mich.

Worin sehen Sie überhaupt den Sinn der neuen Liebesdrogen? Die Menschheit ist schließlich Tausende Jahre gut ohne sie klargekommen.
Finden Sie? Klar gibt es leuchtende Beispiele von Ehepaaren, die sich auch nach fünfzig Jahren noch innig lieben. Gleichzeitig ist es kaum zu bestreiten, dass Probleme in der Liebe und Partnerschaft in unserer Gesellschaft für unendlich viel Kummer sorgen. Bedenken Sie nur, wie viele Ehen geschieden werden; in vielen westlichen Ländern sind es etwa fünfzig Prozent. Für die Partner, ihre Kinder, das ganze Umfeld ist das in der Regel mit viel Leid verbunden. Heute versucht man Ehen mit Paartherapien zu retten, bei der die Partner miteinander reden. Was wäre dagegen zu sagen, wenn solche Therapien in Zukunft durch geeignete Medikamente begleitet werden, so wie es jetzt schon in der Psychotherapie normal ist, Antidepressiva zu verschreiben?

Um Scheidungen zu verhindern schlucken wir also einfach die Pille und alles wird sich fügen, denn mit Liebe lässt sich ja bekanntlich alles überwinden. So einfach ist das also. Und ich habe in meiner Naivität immer gedacht, dass Frauen die aus Liebe bei ihren schlagenden Männern bleiben, einfach gestört seien. Nein, sind sie nicht, denn Love is the way... und für die armen Scheidungskinder ist es eh besser, wenn ihre Eltern Hormone werfen und zusammenbleiben, statt Kinder dem Trauma einer Scheidung zu unterziehen. Wir kennen ja alle aus dem TV wie das ist, wenn Mama und Papa sich nicht mehr lieb haben...
Weg vom natürlichen, hin zum perfekten Menschen! Das steht auf den Fahnen der Wissenschaft:

Vielleicht, dass es unnatürlich ist, auf diese Weise in die Gefühlswelt der Menschen einzugreifen?
Was natürlich ist, ist nicht automatisch gut. Krebs ist natürlich, aber wir bekämpfen ihn. Ich trage Kontaktlinsen, die sind sehr unnatürlich, aber wir betrachten sie als nützlich. Was sollte denn bitte falsch sein an Verbesserungen? Wir formen unsere Umwelt und uns selbst. Wer sagt, das sei unnatürlich, dem halte ich entgegen: Menschlicher geht es nicht. Richtig ist allerdings, dass es nicht ohne Risiko ist, wenn wir unsere Biologie umrüsten, und dass wir dabei sehr vorsichtig sein müssen. 
Es wird demnach bald keinen Liebeskummer mehr geben, nur noch zufriedene debil grinsende Menschen. Ist doch schön!? Utopia, wir kommen! Wir werden alle glücklich. Wir haben keine Exfreundinnen mehr, sondern eine aufgeputschte geile Liebesbeziehung bis ans Ende unserer Tage. Vorausgesetzt die Krankenkasse zahlt, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge wird das aber sicherlich kein Problem werden. Denn es ist erwiesen, dass Liebespaare gesünder sind als ihre einzelnen Bestandteile. Retten wir uns also selbst und nehmen alle Armors Pille. Unsere geliebte Führerin wird das sicherlich freuen, von der Teflonkanzlerin zur geliebten Mutter. Ein Traum. Wird das die letzte Tragödie der Menschheit sein? Die Tragödie, dass wir keine Tragödien mehr erleben? - Vielleicht bin ich ja zu kalt und emotionslos als das mich diese Utopie begeistert.

 

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