Ariakans Blog

Donnerstag, August 15, 2013

Games: political correctness vs. historical correctness ?

Es schwelt ein Konflikt innerhalb der stärksten kulturschaffenden Industrie des Westens. Gemeint ist die Spieleindustrie, oder neudeutsch Gamesindustrie. Als Referenz auf diesen Konflikt sollte dieser Link hier ausreichen: http://karasugames.de/der-coh2-skandal-schwappt-auf-world-of-tanks-ueber/#sthash.llpi5YND.KNy4UOZy.dpbs

Was steht da jetzt drin? Kurz zusammengefasst.
In dem Artikel werden zwei unterschiedliche Spiele und die damit zusammenhängenden Debatten besprochen. Da beide Spiele sich thematisch mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen, kann man durchaus diese Debatten als Teil eines einzigen Konfliktes verstehen. Dem Konflikt zwischen historisch korrekter Darstellung und dem gleichzeitigen Versuch politisch unkorrekte Inhalte aus den Spiele heraus zu halten. Nachdem Relic das Spiel Company of Heroes 2 veröffentlicht hatte, kam es zu einem Aufschrei russischer Spieler. Eine Petition mit derzeit 19.000 Zeichnern fordert das Verkaufsverbot von COH2 im Steam. Der Grund, die Darstellung der russischen Truppen, als auch die vermeintlich stärkere Wehrmacht im Multiplayer-Modus. Zur Darstellung der russischen Truppen kann ich selbst nichts sagen, da ich mir COH2 noch nicht gekauft habe. Soweit ich http://karasugames.de aber verstanden habe, handeln die russischen Truppen in der SinglePlayer-Kampagne aber wenig "ehrenhaft". Dem russischen Selbstbild vom großen vaterländischen Krieg dürfte das übel aufstoßen. Übel genug für einen russischen Satiriker bei YouTube 30 Minuten lang das Entwicklerteam mit Joseph Goebbels zu vergleichen und den SinglePlayer aufzuarbeiten. Schaut einfach selbst mal rein, es lohnt sich. Er zeigt auch wie das Bild der russischen Armee vermittelt wird.


Der zweite Teil des oben verlinkten Artikels befasst sich mit World of Tanks, einem Spiel das von WarGaming, einer russischen Firma, entwickelt wird und eines der innovativsten russischen Spiele/Konzepte überhaupt ist. Hier geht es ebenfalls thematisch um den Zweiten Weltkrieg. Zumindest teilweise, denn es befasst sich mit den Panzern der Zeit um 1920 bis etwa 1960. Entsprechend des Szenarios gibt es für die einzelnen Panzer Symbole, Flaggen und Schriftzüge mit denen die Spieler "ihre" Panzer ausstaffieren können. Da man von Anfang an politisch korrekt bleiben wollte, gab es keine Hakenkreuze oder SS-Symbole für die deutschen Panzer. Soweit so gut, die russisch politisch korrekte Haltung umfasste allerdings nicht die Symbole des Stalinismus. Erst mit dem Release des Spiels in Europa und dem damit verbundenen Aufschrei von vor allem polnischen Spielern, wurden die Symbole entfernt. Scheinbar angeheizt durch die Debatte um COH2, beschloss WarGaming eine Wende. Und so werden die streitbaren Symbole ab der nächsten Version mit der bezeichnenden Versionsnummer 8.8 wieder eingeführt.

Weiterführende Links:
Debatte zu Company of Heroes 2 http://www.gamefront.com/company-of-heroes-2-russian/

Es ist durchaus interessant zu sehen, wie stark politisiert die Spielebranche mittlerweile ist. Vor 10 Jahren waren es noch die Spieler die sich gegen die Politik(er) wehrten, weil aus ihrer Sicht die Darstellung von Hakenkreuzen in Spielen keine politische, sondern eine historische Aussage waren und man doch bitte die Politik aus den Spielen heraus halten solle. Heute streiten sich die Spieler untereinander über die verschiedenen Interpretation von Geschichte und Politik innerhalb der Spiele. Interessant dürfte es in Zukunft also bleiben. Die Spieleindustrie steht nämlich erst am Anfang Geschichte zu programmieren. Ob das für die Rezeption von Spielen in den Feuilletons besondere Beachtung findet, wird man sehen. Derzeit sind Redaktionen bei den meisten großen Zeitungen noch nicht mit Gamern aufgefüllt und das Thema hat einen entsprechend kleine Stellung. Aber eine aktuelle Statistik spricht von 80-90% Spielern im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Diese Generation wird Spiele immer als großen Bestandteil ihrer kulturellen Identität ansehen, entsprechend wird sich in der Medienwelt auch der Fokus auf Spiele verändern. Von der Anleitung zum Amoklauf werden Spiele bald zum kulturellen Werkzeug transformiert. Es wird propagandistische Spiele, aufklärerische Spiele und plakative Spiele geben. Je nach Intellekt wird sich für jeden etwas finden. Seien es nun AAA Games oder Indiegames, dieses Medium wird zweifellos die nächsten Jahrzehnte entscheidend prägen. Wie darin dann Geschichte rezipiert wird, wie Ideen verbreitet und/oder diffamiert werden wird sich zeigen. Der Sieger mag Geschichte schreiben, programmieren kann sie bald jeder.

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