Ariakans Blog

Montag, August 26, 2013

Implications of a multiple information based social surveillance system.

Wir fahren alle in die Hölle! - Das ist auch gut so, denn im Himmel gibt es nur Terroristen und Jungfrauen.

Ein griffiger Titel ist mir nicht eingefallen. Der Inhalt des Beitrages ist aber auch nicht besonders griffig. Vielmehr ist es ein Pamphlet, das zwischen Verschwörungstheorie, Dystopie und Warnung, nicht zuletzt als Denkanstoß dienen soll. Denkanstoß wem? Dem der denkt! Insbesondere denen die Medien machen, aber natürlich auch denjenigen die Medien lediglich konsumieren. Die NSA speichert Daten. Sie stützt sich dabei auf Zugriffe auf die großen "Clouds" im Internet, beispielhaft seien hier Google, Amazon, Apple, Microsoft und Facebook genannt. Diese Liste ist in Wirklichkeit deutlich länger. Das Szenario, das im folgenden beschrieben werden soll, würde aber mit den oben genannten Dienstanbietern bereits hervorragend funktionieren. Zwischen Wahlkampfversprechen und Realpolitik gibt es, soweit sollte das jedem bekannt sein, immer eine große Schere. Das ist kein Geheimnis. Die selbe Spannweite hat auch die Schere zwischen der kommunizierten Motivation der Politiker und den sog. wahren hintergründigen Motiven der Politiker. Beispielhaft könnte man hier die "Befriedung" des Iraks aufgrund von Saddams Massenvernichtungswaffen nennen, die letztlich vielmehr zur Befriedigung der expansiven Gelüste amerikanischer Konzerne geführt hat. Wörter wie democracy wurden dafür pervertiert. Wenn also Maßnahmen vordergründig von Politikern gerechtfertigt werden, sollte man als denkender Bürger immer skeptisch sein.
Was sind nun die Rechtfertigungen für das Programm der NSA? Hier einige Beispiele:

Mr. Bush particularly defended the NSA program tracking Internet activity. “I put that program in place to protect the country,” he said. “One of the certainties was that civil liberties were guaranteed.” http://blogs.wsj.com/washwire/2013/07/01/bush-defends-nsa-program-obamas-approach/


Dass in der SPD die Befürworter der anlasslosen Massenüberwachung Vorratsdatenspeicherung in der Mehrheit sind, sollte bekannt sein. Zur Sicherheit erinnert jetzt der NRW-Innenminister Ralf Jäger nochmal daran. Gegenüber heute.de sagte er:Der Wegfall der Mindestspeicherfrist hat zu einer gravierenden Schutzlücke im Kampf gegen Kinderpornografie, sexuellen Missbrauch von Kindern sowie bei der Bekämpfung von Terrorismus geführt. https://netzpolitik.org/2013/spd-innenminister-rechtfertigt-vorratsdatenspeicherung-mit-kinderpornografie-und-sexuellem-missbrauch/


Die Kommission kritisiert "gewisse zivilgesellschaftliche Organisationen", die anhand ausgewählter Verbrechensstatistiken "negative Schlussfolgerungen zum Wert der Vorratsdatenspeicherung" gezogen hätten. Sie stellt diesen verschiedene Einzelfälle entgegen, in denen die Nutzerspuren bei allen erdenklichen Kriminalitätsformen von Terrorismus über Kinderpornographie bis hin zu weniger schweren Delikten Ermittlern bei der Aufklärung geholfen hätten. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bruessel-legitimiert-Vorratsdatenspeicherung-mit-starker-Nachfrage-1932668.html
Interessant an dieser Stelle mag noch ein Spiegelartikel aus dem Jahr 2006 über den Patriot Act sein, hier wird angegeben, dass Bush die NSA beauftragte ein Projekt wie Prism zu initialisieren. Auch damals war schon bekannt, dass es Abhörmaßnahmen ohne richterlichen Beschluss gab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/anti-terror-gesetz-us-senat-stimmt-bushs-patriot-act-zu-a-404037.html
Eine demokratische Kontrolle hat es in den letzten sieben Jahre offenbar nicht gegeben. Wird es in den nächsten 7 Jahren eine geben? Wohl kaum, denn es gibt keine Partei die Aussicht auf Regierungsbeteiligung hat und auch nur annähernd in ihrem Programm so etwas wie Kontrolle oder gar Beschränkung der Geheimdienste vorsieht. Warum auch? Die Möglichkeiten einer prism-ähnlichen Technologie sind für die Politik zu verlockend. Wenn von Möglichkeiten gesprochen wird, so ist damit natürlich nicht der Kampf gegen Terrorismus gemeint. Denn Osama Bin Laden als auch seine Nachfolger, werden sicherlich keine Cloud-Dienste verwenden um ihre Pläne auszuarbeiten. Die klassische Kommunikation Person zu Person wird in diesen Kreisen immer die einzige "sichere" Möglichkeit zur Kommunikation bleiben. Die Möglichkeiten einer komplexen Überwachung der sozialen Netzwerke und der angehängten Clouddienste liegen woanders. Da es derzeit noch etwas an Begriffen dafür mangelt muss zunächst der Begriff "predictive governance" herhalten. Was ist damit gemeint?

The point of Predictive Governance is that we work in large ecosystems and we must work to understand them.  If we can't describe our ecosystems, we can't rise above the superstitions and organizational behaviors that constantly hold us back. http://dgcouncil.eventbrite.com/

Also die Analyse von gesammelten Informationen im Hinblick auf was bitte? Beispielsweise die Akzeptanz der Bevölkerung im Hinblick auf eine bestimmte politische Maßnahme(z.B. Steuererhöhung, Wegfalls von Dienstleistungen, Änderungen im Müllentsorgungsplan). Eine Regierung, die die Meinungen des Volkes kennt als auch den Meinungsaustausch des Volkes analysiert, wird in die Lage versetzt, ihre politischen Maßnahmen anzupassen. So kann jede Maßnahme entsprechend der "maximale Belastungsgrenze" des Volkes angepasst werden, Widerstand oder Demonstrationen wird bereits im Vorfeld die Luft genommen. Bei größeren Projekten kann man mittels Stückelung der Maßnahmen sein Ziel erreichen ohne die lästige Zivilgesellschaft auf Twitter gegen sich aufzubringen. Der zivile Widerstand wird im Keim erstickt, da sich die auslösenden Faktoren für einen geschlossenen Widerstand der Zivilgesellschaft vermeiden/minimieren lassen. Gleich der Geschichte mit dem Frosch. Es heißt, ich habe das selbst nie ausprobiert, setzt man einen Frosch in kochend heißes Wasser, so springt er sofort hinaus. Setzt man den Frosch hingegen wohltemperiertes Wasser und erhöht langsam die Temperatur, so bemerkt der Frosch das zu spät und verkocht zu einem leckeren französischen Gericht. Eine Regierung die in die Lage versetzt wird, die Stimmung im Volk in Echtzeit auszuwerten, ist keine Demokratie mehr. Vielmehr ist das Volk einer solchen Regierung hilflos ausgeliefert. Der Skandal um die NSA-Leaks ist eine Sache, aber die Tatsache das solche Technologien in Zukunft dazu eingesetzt werden um uns zu regieren, ist ein viel größerer Skandal. Ein Ausweg aus diesem System? Er scheint undenkbar, denn wir können angesichts des weltweiten Terrorismus natürlich nicht einfach mit der massenhaften Überwachung aufhören. Es könnten ja Menschen sterben. Um das ganze zu beenden müsste man also erstmal den Menschen die Angst vorm Terrorismus nehmen, letztlich vielleicht sogar die Angst vorm Tod. Aber wäre das nicht schon wieder eine Form von Terrorismus? Der Glaube, dass der Tod nicht so schlimm sein kann, wie die Tatsache das es in Zukunft keine Demokratie mehr geben wird?  Das mag sich jeder für sich persönlich beantworten. Twittern würde ich an eurer Stelle aber nicht darüber.

Wer nun immer noch nicht überzeugt davon ist, dass wir am Ende der Demokratie angekommen sind, sollte diese System nicht zu stoppen sein. Der sollte sich mal diese Konferenz zu Gemüte führen:
http://www.predictiveanalyticsworld.com/gov/2013/

What is Predictive Analytics?
Predictive analytics is the process of discovering patterns in past behavior to predict the outcome of future cases. Drawing on a combination of computer science, statistics, and operations research, predictive analytics reduces fraud, waste, and abuse, automates manual processes, and drives smarter decisions by extracting actionable insights from the vast quantities of data within government agencies
.http://www.predictiveanalyticsworld.com/gov/2013/
Hier die Teilnehmerliste der Konferenz:






  • Department of Treasury
  • Securities and Exchange Commission (SEC)
  • Internal Revenue Service (IRS)
  • Recovery Accountability and Transparency Board (RATB)
  • U.S. Postal Service (USPS)
  • National Science Foundation (NSF)
  • Department of Veterans Affairs (VA)
  • U.S. Navy
  • U.S. Army
  • Department of Defense (DOD)
  • U.S. Secret Service
  • U.S. Census Bureau
  • U.S. House of Representatives
  • Bill and Melinda Gates Foundation
  • State of Michigan

  • Hier ein netter IBM-Ingeneur der über die Vorteile des predictive goverment schreibt: http://www.govloop.com/profiles/blogs/10-benefits-of-predictive-analytics-a-path-to-improved-decisions
    Ob er am Ende wohl ähnlich viel Reue zeigen wird wie sie damals Oppenheimer zeigte?



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