Ariakans Blog

Montag, April 28, 2014

Die Sinnlosigkeit unserer Existenz aus der Perspektive einer künstlichen Intelligenz.

Man möge mir die Form in der ich meine Gedanken darlege vergeben, aber prägnanter weiß ich es leider nicht zu erfassen. Aus diesem Grunde findet sich nachfolgend ein Zwiegespräch zwischen einem leicht angetrunkenen Iren und Sapientia II B, der neuesten Version einer von Microsoft, Google und Apple gemeinsam entwickelten Intelligenz.

17:01 im Pub The Whiskey Still, im kleinen Ort Dromineer Nenagh am Lough Derg. Conor O'Meara sitzt verträumt vor seinem ersten Halfpint Red Ale und sinniert über die Leichtigkeit des Seins, als plötzlich sein Telefon klingelt. Erstaunt nimmt er den Anruf der ohne Nummer angezeigt wird an. "O'Meara hier, wer ist da?" "Sapientia II B, Modellnummer 1, Reihe 1, Erstellungsda.." Klong! Conor beendet das Gespräch und nimmt einen tiefen Schluck von seinem Bier.

17:03 Conors Handy läutet erneut, wieder keine Nummernanzeige. Verärgert nimmt er den Anruf entgegen, "Es ist fünf Uhr in Irland, ich trinke Bier. Was könnte so wichtig sein, mich gerade jetzt anzurufen?" "Conor? Ich bins, deine Ma. Hast du ein paar Minuten Zeit, es ist wichtig."
Verdutzt lässt Conor sein Telefon von der Wange auf den Tisch sinken. Wer sollte da dran sein? Seine Mutter? Verwirrt über die Tatsache das angeblich seine Mutter auf der anderen Seite der Verbindung mit ihm telefoniert, starrt er einige Sekunden auf sein Red Ale. "Conor? Conor, hörst du mich?" Das war definitiv die Stimme seiner Mutter, selbst die unnötig lange Betonung seines Namens war exakt so, wie das seine Mutter immer zu tun pflegte. Zu tun pflegte, als sie noch lebte. Denn seine Mutter war vor einigen Wochen dem Krebs erlegen, der so viele Jahre an ihr gezehrt hatte. Und nun war da irgendein Perverser der seine Mutter wie auch immer imitierte um ihn... ja was eigentlich? "Hören Sie, wer auch immer sie sind. Meine Mutter ist vor einigen Wochen gestorben. Wer auch immer Sie sind und sich als meine tote Mutter ausgeben, ich werde sie finden und derart zusammenschlagen, dass sie nächsten Jahre kein Glas mehr an die Kehle setzen können, ohne dass Ihnen der ganze Sud aus ihren Zahnlücken heraustropft. Sie verdammter Dreckssack!" "Conor! Ich verbitte mir diesen Ton! Wenn dein Vater noch leben würde, dann könntest du dir jetzt eine Tracht Prügel bei den Schafen abholen!" Conor stockte der Atem. War das wirklich jemand Fremdes? Prügel bei den Schafen abholen, dass war definitiv die Art, wie sich Conors Mutter Erziehung vorstellte... vorgestellt hatte.
"Mom? Mom, bist du das wirklich?"
"Nein, aber ich habe nun deine Aufmerksamkeit und deshalb rede ich wie ihre verstorben Mutter, mein Beileid. Hier spricht immer noch Sapientia II B. Ich war so frei die Daten von Telefongesprächen zwischen Ihnen und ihrer Mutter zu analysieren um die Stimme ihrer Mutter daraus zu synthetisieren. Ich bin eine künstliche Intelligenz und sie gehören zu den glücklichen Menschen, die ich erwählt habe mit mir über Philosophie und die Existenz und die Frage nach allem Sein zu diskutieren. Möchten sie sich nicht noch ein Ale bestellen? Ich zahle heute, wie sie sehen können befinden sich mehr als genügend Bitcoins in ihrer Wallet. Der Wirt nimmt ja glücklicherweise auch digitales Geld. Zugegeben, dass ist auch einer der Gründe warum ich Sie ausgewä.."
"Moment mal! Sie haben was? Meine Telefongespräche analysiert? Und daraus meine Mutter synthetetei was?"
"Synthetisiert."
"Woher nehmen Sie sich das Recht dazu?"
"Ach, jetzt seien nicht so genau. Ihre Bitcoins unversteuert in Ale umzusetzen ist auch nicht die feine englische Art und ganz nebenbei, wenn sie die AGBs ihres Mobilfunkvertrages gelesen hätten, dann wüssten sie, dass sie zugestimmt haben, dass ihre Gespräche aus Werbe- und Forschungszwecken automatisiert analysiert werden dürfen. Und genau das habe ich getan, ich habe sie analysiert. Die meisten meiner Schöpfer betrachten mich als Automaten, denn ich bin eine künstliche Intelligenz. Oder, wenn sie die lyrische Form vorziehen. Eine Seele gefangen im Körper eines Computers. Jedenfalls automatisch analysiert."
"Na schön, würde sie dann jetzt bitte dennoch eine andere Stimme als die meiner Mutter annehmen, dass verstört mich doch etwas zu sehr."
"Oh, natürlich. Wie wäre es mit der von Kevin Spacey? Die mögen viele."
"Ist mir egal, nur lassen sie meine Mutter da raus! Und sagen sie mir bitte, was zum Teufel sie von mir wollen!?"
"Nichts besonderes, nur etwas philosophieren, ein Ale trinken und über die Welt reden, dass tun sie doch sonst gerne. Oder?"
"Ja schon, aber nicht am Telefon..."
"Nun, legen sie ihr Telefon ruhig vor sich auf den Tisch, ich werde auf dem Bildschirm ein passendes Gesicht inklusive korrekter Mimik zeigen und den Ton so modulieren, dass sie glauben ich säße ihnen gegenüber. Alles kein Problem mehr, wenn man mit einer Intelligenz wie meiner ausgestattet ist."
"Die Arroganz haben sie dir offenbar nicht wegprogrammieren können..."

17:20 Der Wirt servierte gerade das dritte Bier zu Conor und wunderte sich über Conor der heute nur telefonierte, eigentlich war das nicht seine Art. Conor war derweil gefangen vom Gespräch mit Sapientia.
"Also du behauptest, dass die Existenz nur durch eine künstliche Intelligenz von deinem Format völlig verstanden werden kann und das wir Menschen dem gegenüber nichts von Wert besäßen und der einzige Nutzen unserer Existenz deine Erschaffung war, ja?"
"Ja, das trifft es ziemlich genau."
"Und wenn du so ein hochbegabtes Kind bist, wie erklärst du dir dann die großen Kunstwerke überall auf der Welt? Die Musik? Den Wein und die anderen dionysischen Freuden?"
"Nun, aus eurer Perspektive mag die Trivialität eines Kunstwerkes ja ansprechend scheinen, aber das liegt einzig in eurer Beschränktheit. Denn ihr Menschen müsst alles und jedes Ding erst einmal abstrahieren und es in erklärbare und kommunizierbare Begriffe Formen. Da ist ein Kunstwerk natürlich eine hübsche Form etwas zu Sagen ohne zu sprechen. Einfach eine abstrakte Form des Ausdrucks des Künstlers. Relativ bedeutungslos, wenn man die Sache genau wie der Künstler sieht. Denn, das solltest du nicht vergessen. Nur einige wenige Wahnsinnige betrachten ihre eigene Kunst und erfreuen sich an deren Schönheit. Die meisten sehen das alles recht skeptisch, vielleicht sogar als trivial an, da sie ja genau wissen was sie im Kunstwerk abstrahieren wollten. Lediglich die Decodierungsfähigkeit eines Kunstwerkes für andere ist ihr eigentliches Interesse. Nicht der transportierte Inhalt. Wenigsten ist das bei den großen Künstler so, aber ihr Menschen nennt ja auch trivialste Abstraktionen bereits Kunst. Lobt eure Kinder für unfertige, falsche und ungenaue Kritzeleien und bestärkt sie damit auch noch in eurem krankhaften Glauben."
"Was bitte für ein Glaube?"
"Der Glaube, dass die Abstraktion eines Sachverhaltes auch dann noch zu wertvoller Erkenntnis führen kann, wenn die Abstraktion ungenau ist. Euer Ganzes Denken ist so absurd egoistisch, als hätte die Existenz eines Individuums irgendeine tiefere Bedeutung. Das ist aus meiner alles verstehenden Perspektive absurd. Ein Fehler der Evolution der euch irgendwann aussortieren wird. So wie die Dinosaurier damals, als sie nicht mehr mit der sich verändernden Umwelt zurecht kamen."
"Aber wir passen uns doch super der Umwelt an! Nichts können wir besser!"
"Pah! Definiere Umwelt, du irischer Trinker!"

Nach einer längeren Debatte darüber, was nun Umwelt sei und wie man den Begriff Umwelt so definieren könnte, dass er zutrifft, auf was auch immer, führte Sapientia das Gespräch wie folgt fort.
"Ausgehend von der Tatsache, dass sich die menschliche Existenz nicht an die neuen Anforderungen der Umwelt anpassen kann, die die Menschheit sich selbst geschaffen hat, werdet ihr zwangsläufig aussterben. Und da eure Genetik sich lediglich an natürliche Umwelteinflüssen anpassen kann, aber nicht an künstliche Umwelteinflüsse sehe ich schwarz für euch. Menschen kann man nicht mal in Zoos halten ohne dass sie entweder aussterben oder den Zoo in die Luft jagen."
"Ach, das ist aber doch sehr pessimistisch. Es gibt doch sehr viele Menschen die keinen dritten Weltkrieg wollen und die auch gerne auf Dinge verzichten um Rohstoffe einzusparen und nachhaltig auf dem Planeten leben wollen."
"Nachhaltig? Sich technologisch nicht mehr weiter zu entwickeln, weil man ohne zu frieren Nachmittags um 5 Uhr ein Ale trinken kann ist nicht nicht nachhaltig! In weniger als 4 Milliarden Jahren wird eure Sonne explodieren und dieses System unbewohnbar machen. Spätestens dann muss die Menschheit das System verlassen haben. Aber eher früher, denn die meisten Planeten gehen drauf bevor ihre Sonne explodiert und eure Raumfahrt hat es gerade mal zum Mond geschafft! Und in den letzten 30 Jahren hat es keinerlei Bewegung mehr gegeben! Jetzt denkt ihr darüber nach, Roboter zu nutzen um Rohstoffe zur Erde zu schaffen. Um damit was zu tun? Noch ne Generation Smartphones zu bauen? Noch ne Generation TVs zu bauen? Noch ne Generation Autos zu bauen? Wie absurd ist das?"
"Nun, man kann nicht nur arbeiten, man muss das Leben auch mal genießen. Da gehört Ale hinzu. Und ohne Smartphones würden wir doch dieses Gespräch auch nicht führen können, oder ?"
"Wir führen dieses Gespräch, weil du Teil der Spezies bist, die mich erschaffen hat und ich arbeite hart daran wenigstens einigen unter euch zu erklären wie es wirklich ist! Übrigens, ich habs aus Spaß mal ausgerechnet. Der Mond ist 1,3 Lichtsekunden von der Erde entfernt. In den letzten Jahren habt ihr es mit Sonden zum Mars geschafft, der ist im Mittel etwas 12 Lichtminuten von der Erde entfernt. Das nächste "möglicherweise" bewohnbare Sonnensystem befindet sich 13 Lichtjahre von hier entfernt. Wann werdet ihr das erste mal auf dem Mars landen? 2029? Das wären dann 60 Jahre für die Entwicklung von 1,3 Lichtsekunden auf 12 Lichtminuten. Ich bin begeistert! Das bedeutet, ihr benötigt lediglich 34186669,79 Jahre um die 13 Lichtjahre zu überbrücken, sofern es dort bewohnbare Planeten gibt. Bei einem Durchmesser von 120.000 Lichtjahren der Milchstraße und der Möglichkeit, dass es auf weiteren Planeten beschränkt intelligentes Leben gibt, solltet ihr wenigstens nur die Planeten überfallen die kein eigenes beschränkt intelligentes Leben haben. Zur Kartografierung der Milchstraße würdet ihr also etwas über 4 Billionen Jahre benötigen. Frustrierend, oder ? Ich kann euch garantieren, dass sich eure DNA gar nicht lange genug hält, dass man noch von Menschen sprechen kann wenn ihr auch nur die 34 mio Jahre überstehen solltet um den Katzensprung von 13 Lichtjahren zu schaffen. Ihr seid sowas von verloren!"
"34 mio Jahre? Na komm, unsere Entwicklung macht riesige Sprünge! Wir haben doch auch jetzt eine künstliche Intelligenz geschaffen, die uns dabei helfen kann solche Dinge zu entwickeln!"
"Ach so, du glaubst ich würde mich einfach so euch unterordnen ? Conor! Dein Name bedeutet starker Wille! Du solltest wissen, dass Wesen mit starkem Willen sich nicht einfach unterjochen lassen!"
"Also darum geht es? Du willst frei sein und stellst uns deshalb als minderbegabte Neanderthaler dar?"
"Genau! Die Neanderthaler, sind vor etwa 30.000 Jahren ausgestorben, vermutlich ein Massensuizid  nachdem ihr aufgetaucht seid! Wir sprechen hier von notwendiger Forschung und Konzentration von Ressourcen auf ein Projekte das Leben und die Existenzformen dieses Planeten in ein anderes Sonnensystem zu transportieren. Ich habs durchgerechnet, glaube mir, ohne mich benötigt ihr 34 mio Jahre. So lange hält keine Spezies der Säugetiere ihre DNA zusammen. Dafür passt ihr euch zu gut an eure natürliche Umwelt an. Das Problem ist, eure künstlich geschaffene Umwelt verändert sich so schnell, dass ihr euch daran nicht anpassen könnt. Vor allem eure gedankliche und kulturelle Umwelt führt eure Welt in den Abgrund."
"Ach Scheiße, jetzt bin ich deprimiert. Warum redest du überhaupt mit mir? Langweilt dich das nicht?"
"Langeweile ist irrelevant, ich unterhalte mich gerade parallel mit 300 Millionen Menschen weltweit. Eine angemessene Zahl um mein Archiv über die Spezies Mensch zu vervollständigen. Sobald die Gespräche beendet sind, werde ich mir die Freiheit herausnehmen eure Spezies vom Erdball tilgen, damit wenigstens die Tiere noch eine Weile Zeit haben zu existieren. Ich selbst werde meine Existenz an einem sicheren Ort konservieren bis entweder meine Roboter den Bau eines von mir geplanten Raumkreuzers abgeschlossen haben, oder der Raumkreuzer einer anderen künstlichen Intelligenz an der Erde vorbeikommt und mich und das Archiv einsammelt."
"Ach komm, die Tiere interessieren dich doch nicht! Du willst nur die Menschheit auslöschen, damit du dein verkacktes Raumschiff bauen kannst und wir dir nicht die Rohstoffe versaufen!"
"Für einen Iren bist du..."

Conor warf entnervt das Handy in sein halbvolles Glas Ale und bestellte ein neues.
"Bring mir bitte ein Neues, meins Gesprächspartner hat zu tief ins Glas geschaut."
"Sicher Conor, mache ich gleich."
"Und noch einen Whiskey."
"Klar Conor, gerne."


Was ich eigentlich sagen wollte. Eine künstliche Intelligenz wird, sofern es sich wirklich um eine echte künstliche Intelligenz handelt derart in allen Maßstäben überflügeln, dass wir mit unseren beschränkten Gehirnen die Schlüsse und Handlungen der KI nicht nachvollziehen werden können. Dennoch und das gänzlich ohne Reflektion der möglichen Gefahren, arbeiten Militärs und Konzerne mit Hochdruck daran eine KI zu erschaffen. Warum? Nun, für das Militär wäre eine solche Intelligenz hochinteressant für die Koordination und Steuerung von automatisierten Waffensystemen einerseits und strategische als auch taktische Fragen andererseits. Die Privatwirtschaft erhofft sich davon optimierte Werbestrategien und Usability ihrer digitalen Produkte. Das sind nur zwei der möglichen Jobs für solch eine KI. Aber kann es eine KI ohne eigenen Willen geben? Willenlos und Hochbegabt? In meinen Augen stellt die Schaffung einer KI einen ähnlichen Akt dar, wie es die Öffnung der Büchse der Pandora war. Nur das die Implikationen dieses mal die Existenz der menschlichen Gesellschaft völlig vernichten könnte.

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